Hessisches Unternehmen übernimmt ab 2018

Bremer Entsorger Nehlsen verliert Abfuhr gelber Säcke

Ein mittelständisches Unternehmen aus Hessen soll ab Januar in Bremen die gelben Säcke einsammeln. Die Firma aus Wiesbaden verdrängte in der Ausschreibung den Platzhirsch Nehlsen.
27.08.2017, 22:36
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Entsorger Nehlsen verliert Abfuhr gelber Säcke
Von Jürgen Theiner
Bremer Entsorger Nehlsen verliert Abfuhr gelber Säcke

Die Bremer Entsorgungsfirma Nehlsen hat die Abfuhr der gelben Säcke verloren - ab 2018 übernimmt das hessische Unternehmen RMG.

dpa

Die Bremer Entsorgungsfirma Nehlsen verliert auf ihrem Heimatmarkt weiter an Boden. Nach dem Verlust der Biomüll-Verwertung ab Mitte 2018 hat Nehlsen nun auch die Ausschreibung für das Einsammeln der Gelben Säcke in Bremen verloren. Entsprechende Informationen des WESER-KURIER wurden von einem Firmensprecher bestätigt. Arbeitsplätze seien aber voraussichtlich nicht gefährdet.

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Nehlsen war seit Einführung der Kreislaufwirtschaft Anfang der 1990er-Jahre mit dem Einsammeln der Gelben Säcke in Bremen beauftragt. Die Leistung wird alle drei Jahre neu ausgeschrieben. Allerdings nicht von der Stadt, sondern von Systembetreibern, die für die Lebensmittel- und Verpackungsbranche das Wertstoffrecycling organisieren. Neben dem Dualen System Deutschland, das den Grünen Punkt einführte, gibt es dafür deutschlandweit inzwischen weitere neun Unternehmen. Für die Bremer Ausschreibung war die Firma Bellandvision mit Sitz im fränkischen Pegnitz zuständig. Sie hat den Auftrag für die Gelber-Sack-Logistik jetzt an die RMG Rohstoffmanagement GmbH erteilt, einen Mittelständler aus Wiesbaden, und zwar zum 1. Januar 2018.

"Es gibt ein paar schwierige Ecken, mit denen man sich auskennen muss"

„Wir sind bei der Ausschreibung an unsere Grenzen gegangen, aber wir haben einen bestimmten Anspruch an die Qualität der Dienstleistung und an die Bezahlung unserer Mitarbeiter“, sagt Nehlsen-Sprecher ­Michael Drost. Er kann sich nicht so recht vorstellen, dass RMG die Abfuhr des Gelben Sacks Anfang nächsten Jahres reibungslos hinbekommt. „Es gibt im Bremer Straßennetz ein paar schwierige Ecken, mit denen man sich auskennen muss. Außerdem braucht man ein funktionierendes Call-­Center für die Bürger, wenn es mal mit der Abfuhr irgendwo nicht geklappt hat“, so Drost.

RMG-Geschäftsführer Klaus Kögel weist Zweifel an der Leistungsfähigkeit seiner Firma von sich. „Wir wurden im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens penibel überprüft. Wir bereiten uns sehr intensiv auf den 1. Januar vor, damit es in den ersten Wochen des nächsten Jahres eben nicht ruckelt“, versichert der Abfallmanager. Einen Auftrag vom Bremer Kaliber an Land zu ziehen, sei für sein Haus tatsächlich „nicht alltäglich, aber es gibt bei Entsorgungsaufträgen bundesweit immer mal wieder einen Wechsel. Das ist einfach so“.

20 Mitarbeiter kümmern sich um gelbe Säcke - Nehlsen will sie halten

Damit tröstet man sich auch bei Nehlsen. Motto: Mal gewinnt man, mal verliert man. „Gewonnen haben wir zum Beispiel die Ausschreibung für die Sperrmüllabfuhr in Bremen ab 2018 und auch die für die Verwertung der Grünabfälle von öffentlichen Flächen“, benennt Michael Drost die Erfolge aus jüngster Zeit. Dass Nehlsen der Auftrag für den Gelben Sack durch die Lappen ging, sei fraglos ärgerlich. 2015 sammelten die Müllwerker im Stadtgebiet circa 10 Millionen Säcke ein, insgesamt rund 20 000 Tonnen oder pro Kopf gut 37 Kilo. Einen solchen Job gibt man ungern ab. Rund 20 Nehlsen-Mitarbeiter sind derzeit noch für dieses Abfallsegment zuständig. Drost: „Wir sind bestrebt, sie zu behalten.“

Der Verlust des Gelben Sacks und der Bioabfallverwertung mag für Nehlsen ein kleiner Betriebsunfall sein. Ein echtes Desaster wäre es, wenn man die laufende Ausschreibung für Hausmüllabfuhr und Straßenreinigung auf dem Bremer Heimatmarkt verlieren würde. Hier geht es um ganz andere Volumina und Umsatzzahlen. Wie berichtet, reformiert die Stadt zum 1. Januar die kommunale Abfallwirtschaft. Bisher hatte Bremen die Dienstleistungen direkt an die Privatwirtschaft vergeben. Über viele Jahre war die Nehlsen-Tochter Eno der Auftragnehmer. Zum Jahreswechsel wird die Struktur komplizierter. Die Stadt gründet eine Anstalt öffentlichen Rechts, unter deren Dach zwei Betreibergesellschaften für Hausmüllabfuhr und Straßenreinigung/Winterdienst zuständig sein werden. Ein Minderheitsanteil an diesen Gesellschaften verbleibt bei der Stadt. Für den Mehrheitsanteil können sich Unternehmen wie Nehlsen bewerben.

Der Platzhirsch hat bei der Angebotskalkulation den Vorteil, den lokalen Markt sehr genau zu kennen und bereits über geeignete Liegenschaften für den Müllumschlag zu verfügen. Branchenkennern zufolge dürfte der Ausgang der Ausschreibung aber sehr davon abhängen, mit welcher Entschlossenheit die Konkurrenz nach Bremen drängt. Marktführer Remondis macht in Deutschland einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro, Nehlsen kommt auf gut 300 Millionen. „Wenn ein Gigant wie Remondis unbedingt will, könnte es für Nehlsen eng werden“, sagt ein Fachmann. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im Oktober.

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