Islamist verschickt Nachrichten Bremer erhalten SMS von "Erdogan"

Ein polizeibekannter Islamist aus Berlin hat massenhaft Nachrichten verschickt, in denen die Empfänger aufgefordert werden, zum Islam zu konvertieren. Eine Strafe wartet auf ihn jedoch nicht.
20.04.2017, 15:07
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Bremer erhalten SMS von
Von Alice Echtermann

Ein polizeibekannter Islamist aus Berlin hat massenhaft Nachrichten verschickt, in denen die Empfänger aufgefordert werden, zum Islam zu konvertieren. Eine Strafe wartet auf ihn jedoch nicht.


Es klingt wie ein schlechter Scherz: „Sehr geehrte Bürger der BRD, dient Allah!“ So beginnt eine SMS, die viele Bremer in den vergangenen Wochen auf ihren Mobiltelefonen erhalten haben. In der Nachricht heißt es weiter: Es gebe nur einen Gott und die Menschen würden in der Hölle brennen, wenn sie nicht zum Islam konvertierten. Als Absender ist der Name des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angegeben.

Der wahre Absender der SMS lebt Recherchen des WESER-KURIER zufolge in Berlin. Es handelt sich um einen 36-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln namens Cumali M.. Die Nachrichten verschickte er von seinem privaten Handy. Auf Nachfrage erklärte M., er wolle die Menschen mit seiner SMS "zur Vernunft bringen". Er verrichte damit einen „Gottesdienst“. Weiterhin behauptete er, bereits tausende SMS an Menschen in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Bremen verschickt zu haben.

Angst hat die Empfängerin nicht

Laut Nils Matthiesen, Sprecher der Polizei Bremen, werden seit Anfang 2016 bundesweit solche "islamistisch motivierte Kurznachrichten" verschickt. Davon sei auch eine "Vielzahl" von Bremer Bürgern betroffen. Genauere Zahlen konnte Matthiesen nicht nennen. Beim WESER-KURIER haben sich inzwischen zehn Bremerinnen und Bremer gemeldet, die eine identische Nachricht erhalten haben.

Eine von ihnen ist Astrid K.. "Es ist schon ein unangenehmes Gefühl, eine solche Nachricht zu bekommen", sagte sie. Sie möchte ihren vollen Namen nicht nennen, denn "man weiß ja nie, wie diese Leute ticken". Richtig Angst habe ihr die SMS aber nicht gemacht. Sie vermutete einen Zusammenhang mit dem Referendum in der Türkei am vergangenen Sonntag. Cumali M. erwähnte die Wahl selbst jedoch nicht.

Woher hatte Cumali M. die Nummer?

Wie die meisten Betroffenen fragte sich Astrid K., woher der Unbekannte ihre Nummer hatte. M. gab auf Nachfrage an, sich die Daten aus dem Telefonbuch zu suchen. Davon geht auch die Berliner Polizei aus. Dass Menschen angeschrieben wurden, deren Handynummern nicht öffentlich sind, könne an Tippfehlern liegen. Der Urheber der Nachrichten trete schon seit mehreren Jahren mit "aggressiver islamistischer Missionierungsarbeit" auf, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei.

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Cumali M. gibt an, in Deutschland geboren zu sein und eine Ausbildung als Personenschützer zu haben. Seit 2014 taucht er mit seinen Droh-SMS in mehreren Medienberichten auf. Offenbar betrieb er in der Vergangenheit auch eine Webseite namens „IS Rom“, auf der er islamistisches Gedankengut verbreitete. Der CDU-Politiker Ismail Tipi, der im hessischen Landtag sitzt, veröffentlichte 2016 auf Twitter ein Bild, das Cumali M. zeigen soll. Zu sehen ist ein sitzender Mann mit langem Gewand und Vollbart, der eine Kalaschnikow neben sich an die Wand gelehnt hat. „Wir haben eine historische Aufgabe – wir werden Rom erobern!“, hieß es auf der Webseite von M., die inzwischen nicht mehr existiert.

Generalstaatsanwaltschaft und Polizei in Berlin stufen M. nicht als gefährlich ein. Jemandem in einer SMS mit dem Höllenfeuer zu drohen, sei an sich keine Straftat, "da der Schreiber erkennbar keinen Einfluss darauf hat, ob jemand dem Höllenfeuer ausgesetzt wird oder nicht", sagte die Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft, Silke Becker. Es habe nie Anzeichen gegeben, dass M. selbst gewaltbereit sei.

Cumali M. gibt zu, dass der Großteil der Empfänger seine SMS völlig ignoriere. Ein Teil rufe ihn zurück und werde sehr wütend. Zu stören scheint ihn das nicht. Auf die Frage, weshalb er seine Freizeit so verbringe, antwortete er, es sei die Pflicht jedes Muslims. Und fügte noch hinzu: „Mir ist nicht langweilig, falls Sie darauf hinauswollen.“

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