Zu Ostern kommt häufig Fisch auf den Tisch Bremer essen am liebsten Lachs oder Schellfisch

Die Karwoche und Ostertage gehören zu den Hochzeiten des Fischkonsums. Am liebsten haben die Bremer dabei Lachs oder Schellfisch auf dem Tisch.
02.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Meyer

Normalerweise filetiert Angela Wilführ-Meyer Fische, entschuppt sie, macht Salate. Richtet alles schön an in der Glasvitrine von „Strothoff Delikatessen“ in der Neustadt. An diesem Mittwochmittag arbeitet die Geschäftsleiterin aber mehr mit Stift und Papier: Bis zur Mittagszeit sind bereits 85 Bestellungen eingegangen, und noch immer kommen Kunden und ordern Frisches aus dem Meer. „Zu Ostern verzeichnen wir etwa 40 Prozent mehr Umsatz“, sagt Wilführ-Meyer. Vor allem Kochfisch und Lachs werden stark nachgefragt.

Karin Gestering ist aus Schwachhausen in die Neustadt gekommen, um ein großes Stück Lachs zu kaufen. Zu Hause wird sie ihn beizen, mit Zucker, Salz und Dill – „Graved Lachs“ nach dem Rezept von Fernsehkoch Alfred Biolek. Zwei Tage liegt der Lachs im Gefrierbeutel im Kühlschrank, dann kommen die Freunde und genießen ihn mit ihr. „Wir sind sieben Nachbarn und treffen uns immer traditionell zum Fischessen am Karfreitag“, sagt Gestering.

Das Fischessen an Karfreitag hat eine lange Tradition: Ursprünglich stammt sie aus der kirchlichen Fastenordnung, nach der Christen, vor allem Katholiken, am Karfreitag kein „Fleisch des Himmels und der Erde“ zu sich nehmen sollen. Da der Fisch, der im Griechischen „Ichtys“ heißt und dessen Anfangsbuchstaben zu Deutsch „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“ ergeben, ein christliches Symbol ist, essen Gläubige in Gedenken an den Tod von Jesus Christus am Karfreitag Fisch.

Die Tradition hält sich aber auch bei vielen Nichtgläubigen, wie die Zahlen des Fischinformationszentrums (FIZ) in Hamburg zeigen: Im April 2014 wurde bundesweit 27 Prozent mehr Frischfisch mit einem Gesamtwert von 72 Millionen Euro verkauft als im Vorjahresmonat. „Die Karwoche und die Ostertage gehören zu den Hochzeiten des Fischkonsums“, sagt FIZ-Sprecherin Sandra Kess. Nur der Dezember sei mit Weihnachten und Silvester umsatzstärker. Immer beliebter wird Räucherfisch – etwa zum Osterfrühstück. 4700 Tonnen wurden davon im April 2014 verkauft. „Für dieses Osterfest rechnen wir mit ähnlichen Zahlen.“

Räucherfisch hat auch Fischhändler Thomas Schnelle jetzt verstärkt im Programm. Seit 15 Jahren hat der gelernte Koch sein Geschäft an der Kornstraße. „Die Nachfrage ist immer noch hoch“, sagt der 50-Jährige, „auch wenn sie früher etwas größer war.“ Vor allem junge Leute würden ihren Fisch eher im Supermarkt kaufen. Für Einsteiger empfiehlt er Lachs, der mit Butter, Kräutern und Gemüse in Folie gewickelt und anschließend eine halbe Stunde im Ofen gegart wird.

Corinna Liebenthron hat jahrelang nach dem Rezept ihrer Mutter gekocht – in diesem Jahr wird sie mit der Tradition brechen. „Meine Freunde haben sich mal etwas anderes gewünscht“, sagt die 54-Jährige. Deshalb hat sie für eine Fischpfanne fünf Sorten bei Händler Schnelle bestellt, unter anderem Scampis, Lachs und Victoriabarsch. Das will sie zunächst mit Zitrone marinieren und anschließend mit Gemüse andünsten.

Auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt hat René Wilhelm Gleitze immer mittwochs seinen Fischstand. Trotz Regen und Hagel stehen die Menschen hier Schlange. „Zu Ostern machen wir 30 Prozent mehr Umsatz“, sagt der 46-Jährige, der das Geschäft in dritter Generation betreibt. Rotbarsch, Kabeljau und Schollenfilet verkaufen sich derzeit besonders gut. Gleitze hat den Eindruck, dass die Nachfrage deutscher Kunden etwas zurückgeht. „Dafür kommen viele Zugewanderte zu mir, vor allem aus dem Osten, die noch stärker religiöse Traditionen verfolgen.“

Bei „F. L. Bodes“ an der Bischofsnadel ist die Nachfrage über die Jahre „relativ konstant“, sagt Petra Koch-Bodes. Zu Ostern erwarte sie ein Plus von mindestens 100 Prozent gegenüber normalen Freitagen. Während in anderen norddeutschen Städten Kabeljau oder Dorsch gefragt sei und in Süddeutschland eher Süßwasserfische, hätten die Bremer am liebsten Schellfisch. „Das ist ein regionales Phänomen.“

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