Universität Bremen Bremer Exzellenz in Gefahr

Die Bremer Universität bangt um ihren Titel und die Förderung als Exzellenz-Standort. Denn die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag plant, die Gelder bei der Förderung von Hochschulen stärker zu konzentrieren.
16.07.2015, 21:50
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Bremer Exzellenz in Gefahr
Von Sara Sundermann

Die Bremer Universität bangt um ihren Titel und die Förderung als Exzellenz-Standort. Denn die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag plant, die Gelder bei der Förderung von Hochschulen stärker zu konzentrieren. Sie will künftig bundesweit statt derzeit elf Universitäten nur noch vier bis fünf Unis fördern.

Das Programm der Exzellenzinitiative würde damit deutlich mehr als bisher auf einen kleinen Kreis von Elite-Unis zugespitzt. Und: Bremen wäre damit raus, davon ist man auf dem Campus überzeugt.

„Wir hätten dann keine reale Chance mehr“, sagt Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter. Er ist beunruhigt: Wenn sich der Vorschlag der Christdemokraten durchsetzt, hätten nur noch große Universitäten wie die Ludwig-Maximilians-Universität München oder die Freie Universität Berlin eine Chance, glaubt er: „Kleinere und mittelgroße exzellente Universitäten wie Bremen oder Konstanz würden durchs Rost fallen.“

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Der Grund dafür: Scholz-Reiter zufolge sollen künftig nur noch Unis mit drei exzellent aufgestellten Forschungsbereichen gefördert werden. Damit kann Bremen nicht aufwarten: Die Uni hatte sich unter anderem mit ihrem Schwerpunkt in der Meeresforschung durch das Marum als exzellent qualifiziert. Auch politisch hält der Rektor es für falsch, nur noch große Hochschulen zu fördern: „Selbst ein Spitzenstandort wie Harvard hätte als eher kleine Universität nach diesen Kriterien keine Chance.“

Der Titel als Exzellenz-Uni bringt Renommee und Geld. „Durch die Exzellenzinitiative haben wir an Profil und Sichtbarkeit gewonnen“, sagt Scholz-Reiter. „Das war wie ein Lichtkegel, der plötzlich auf uns gefallen ist.“ Zudem sei die Universität internationaler geworden, weil sie Forscher aus dem Ausland anlocken und mehr Frauen als Professorinnen einstellen konnte.

Pro Jahr erhält die Uni allein durch das Zukunftskonzept des Exzellenzprogramms rund zehn Millionen Euro. Dadurch werden derzeit 17 Professuren, mehr als 100 wissenschaftliche Mitarbeiter und etwa ein Dutzend Stellen in Verwaltung und Technik finanziert. Die Förderung durch die Exzellenzinitiative läuft im Herbst 2017 aus. Absehbar war, dass die Initiative danach in anderer Form weiterlaufen wird – und dass Bremen sich neu beweisen muss. „Wir wollen keine Garantie, sondern nur eine Chance auf Förderung“, so Scholz-Reiter.

„Ich werde alles versuchen, damit Bremen berücksichtigt wird“

„Es gibt keinen Anspruch auf Fortsetzung der Förderung“, betont auch die Bremer Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann (CDU). Aber es sei sinnvoll, Bremen weiter zu fördern. Sie habe im April einen Brief an Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) geschickt: „Ich habe ihr geschrieben, wie wichtig eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative für Bremens Hochschulen ist.“ Nun will sie sich erneut an Wanka wenden: „Ich werde alles versuchen, damit Bremen berücksichtigt wird.“

Alessio Rovere ist einer der Nachwuchswissenschaftler, deren Arbeit durch die Exzellenzinitiative finanziert wird. Der Geologe vom Marum ist Juniorprofessor und Leiter einer Forschungsgruppe. Rovere untersucht, wie sich der Pegel des Mittelmeers entwickelt und welchen Einfluss der Klimawandel darauf hat. „Ich hoffe, dass Bremen Teil eines Programms wie der Exzellenzinitiative bleibt“, sagt der 34-Jährige. „Ich war zuvor an der Columbia University in New York und bin nur wegen dieses Programms nach Deutschland gekommen.“ Das Exzellenzprogramm biete sehr gute Möglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler, sagt Rovere: „Einer meiner Kollegen ist dafür aus Australien hierher gekommen, ein anderer aus Bonn – wir forschen hier auf einem sehr hohem Niveau.“

Die Studierendenvertretung Asta bedauert es, wenn künftig Stellen für Forscher wegfallen sollten, übt aber vor allem grundsätzliche Kritik an der Exzellenzförderung: „Es war von Anfang an klar, dass die Exzellenzinitiative nur eine kurzzeitige Hilfe ist – wir plädieren für eine solide langfristige Grundfinanzierung, die nicht nur darauf setzt, dass die stärksten Forschungsbereiche gewinnen“, sagt Janine Menssen vom Asta. „Wir sind Exzellenz-Uni, und gleichzeitig fehlt es an Geld für die einfachsten Dinge, zum Beispiel für eine Sanierung der Gebäude – das ist absurd.“

Über den Fortgang des Programms wird in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern entschieden, der auch Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) angehört: „Ich gehe davon aus, dass die Universität Bremen erneut gute Chancen hat, dabei zu sein“, sagt sie. „Wir diskutieren jetzt mit den Ländern, welche Förderlinie es geben soll.“

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