Weniger Camps mit Übernachtung für Kinder

Feriencamps mit angepasstem Konzept

Das Erlebnis Sommerferiencamp haben dieses Jahr weniger Bremer Kinder und Jugendliche als zuvor. Corona-Vorschriften schrecken die meisten Anbieter ab. Die Falken und der Nabu indes haben ihr Konzept geändert.
03.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Feriencamps mit angepasstem Konzept
Von Ulrike Troue
Feriencamps mit angepasstem Konzept

In der Natur lassen sich die Abstandsregeln besser einhalten, wie das Foto von der Radtour der Nabu-Ferienfreizeit belegt. Dennoch ist die Teilnehmerzahl für die reduzierten Angebote in diesem Jahr beschränkt worden.

Nabu Bremen

Neue Freundschaften, viele Aktivitäten, Stockbrot überm Lagerfeuer und reichlich Spaß – solche Erinnerungen an Ferienerlebnisse dürften bei den meisten geweckt werden, wenn sie an Aufenthalte im Ferienlager zurückdenken. Doch das Gros der Camps fällt jetzt aus, weil die Anbieter die Hygienemaßnahmen nicht umsetzen können oder ihnen das Infektionsrisiko bei Freizeiten mit Übernachtung zu hoch erscheint. Einige wenige indes halten an den Freizeiten fest, haben Alternativen ausgetüftelt und ihre Konzepte der Krise angepasst.

Bis zum Schluss hatte der Bremer Nabu die Hoffnung auf Ferien in der Natur für Kinder nicht aufgegeben. Umso mehr freut sich Geschäftsführer Sönke Hofmann, dass es drei Freizeiten auf der Dreptefarm in Wulsbüttel im Landkreis Cuxhaven gibt. Obwohl nur weniger als die Hälfte an Teilnehmern dabei sein kann und die Mädchen und Jungen mehr Einschränkungen und weniger Freiheit akzeptieren müssen.

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„Wir achten auf Abstände und desinfizieren öfter“, berichtet Hofmann, der die erste Sommerferienfreizeit geleitet hat. Die kleinere Gruppe mit 31 Teilnehmern war für ihn ungewohnt. „Ansonsten sind gerade in der ersten Ferienwoche oft über 70 Kinder zwischen acht und 14 Jahren zu betreuen.“

Nach dem neuen Corona-Konzept seien die Mädchen und Jungen in den beiden Farmtrakten getrennt einquartiert, außerdem die Sechsbettzimmer nur zu zweit oder viert belegt. Statt in langen Reihen in einem Tagungsraum säßen die Kinder nun an Vierertischen in den Essensräumen, nennt Hofmann Beispiele für coronabedingte Veränderung.

Alternativen zu körpernahen Tobespielen

Das Programm spielt sich noch mehr als vorher in der Natur ab. Mehr Radtouren, Spiele im Badeteich und Basteleien sind die Alternativen zu körpernahen Tobespielen. Einige Laufspiele und abgewandelte Spielregeln, um Körperkontakte zu minimieren, gibt es dennoch, berichtet der Nabu-Geschäftsführer. Dass es in dieser Altersgruppe auch mal Regelverstöße gebe, sei nicht auszuschließen. „Alles andere ist nicht realistisch.“

Diesem Zwiespalt setzt Hofmann entgegen, „dass wir letztlich eine seuchenhygienische Einheit gewesen sind“. „Es gab keine Außenkontakte, nicht einmal Einkäufe. Aus virologischer Sicht ist das doch ideal.“ Im Großen und Ganzen hätten sich aber alle an die Regeln gehalten, bilanziert der Nabu-Geschäftsführer. „Einige sind richtig aufgeblüht. Die Kinder haben es genossen, waren dankbar für ein Stück Normalität und Urlaub und haben unheimlich Spaß gehabt.“

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Eine Kröte musste er jedoch schlucken: Die Altersgrenze ist hochgestuft worden. Die Acht- und Neunjährigen, „die fast ein Drittel der Feriencamps belegen“, dürfen nicht mitfahren. Denn aus langjähriger Lagerleitererfahrung weiß Hofmann, dass es in dieser Altersstufe schwieriger ist, die Abstandsregeln einzuhalten. Demzufolge sei die Nachfrage nach diesen Sommerfreizeiten „deutlich weniger“ als in den Vorjahren, sagt der Nabu-Geschäftsführer. Zwei wurden komplett gestrichen. Nach seiner Ansicht ist die Kurzfristigkeit auch ein Grund. Sechs Wochen vor der ersten Freizeit seien in Niedersachsen Jugendfreizeiten mit maximal 14 Kindern und zwei Betreuern erlaubt gewesen, sagt Hofmann, zwei Wochen vor der Abfahrt erst sei die Erweiterung auf maximal 50 teilnehmende Personen beschlossen worden.

Diese Vorschriftenmilderung kam dem Bremer Kreisverband „Die Falken“ der Sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD) ebenfalls gerade recht, die eine sehr hohe Nachfrage für ihr Sommerzeltlager hat. Der Verband habe sein Ursprungskonzept komplett umstrukturiert und den Gegebenheiten angepasst, berichtet Merle Willemsen als stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende. Statt ein großes Zeltlager über 14 Tage mit vier bis fünf Gruppen zu jeweils zehn, zwölf Kindern oder Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern gibt es nun drei fünftägige Camps mit je zehn Kindern pro Gruppe in Bad Harzburg im Harz. Insgesamt 30 Kinder und Jugendliche können dabei sein.

Isolation nach außen

„Eine Abstandsregelung halten wir im Rahmen eines Zeltlagers für nicht umsetzbar und pädagogisch nicht sinnvoll“, erklärt das Organisationsteam um Anne Fitzke im Internet. „Stattdessen setzen wir in Absprache mit Virologen auf Isolation nach außen.“ Da der Zeltplatz ausschließlich von den Falken genutzt werde, gebe es keine Außenkontakte, erklärt die 27-jährige Willemsen. „Die Jugendlichen dürfen zum Beispiel in diesem Jahr nicht in Kleingruppen den Platz verlassen.“

Gemeinsame Ausflüge gebe es nur an Orte, an denen die Abstandsregeln eingehalten werden könnten. Ohnehin hielten sich die Gruppen ausschließlich draußen auf, „so wird das Risiko einer Infektion reduziert“.

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„Unser Zeltlager soll ein Freiraum innerhalb des krisenhaften Corona-Alltags sein“, sagt Willemsen. „Die Kinder und Jugendlichen sind sehr froh, ins Zeltlager fahren und auch mal wieder Kinder und Jugendliche außerhalb der Schulklasse oder des Bekanntenkreises kennenlernen zu können“, beobachtet sie vor Ort. „Als sozialistischer Verband ist es daher nur konsequent, gerade in diesem Jahr ein Zeltlager anzubieten, um insbesondere sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen so dringend benötigten Ausgleich und spaßige Ferien zu bieten.“

In der Online-Übersicht Ferienkompass ist noch die Freizeit am Unisee des Kreisjugendwerks der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bremen gelistet. „Sie ist lange abgesagt, weil mit Übernachtung die Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden können“, erklärt Awo-Jugendverbandssekretärin Melanie Küttner auf Nachfrage. Alternativ gibt es das ganztägige Angebot „Ferien ohne Koffer“ für Grundschulkinder.

Weitere Informationen

Für Kurzentschlossene gibt es beim Nabu noch freie Plätze für das Sommercamp von Samstag, 15., bis zum 22. August auf der Dreptefarm in Wulsbüttel. Weitere Infos unter www.nabu-bremen.de und Bremer Telefonnummer 48 44 48 70.

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