Dreimal vor Gericht abgewiesen

Großer Frust bei Bremer Fitnessstudio-Betreibern

Der Frust bei den Betreibern von Bremer Fitnessstudios ist groß: Seit Monaten dürfen sie nicht öffnen – und ihre Suche nach einem Ansprechpartner bei den Ressorts gestaltet sich schwierig.
28.03.2021, 22:21
Lesedauer: 3 Min
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Großer Frust bei Bremer Fitnessstudio-Betreibern
Von Nina Willborn
Großer Frust bei Bremer Fitnessstudio-Betreibern

Absperrband statt schwitzende Menschen: Die Fitnessstudios sind seit November geschlossen.

Hauke-Christian Dittrich/DPA

Die Laune der Betreiber von Bremer Fitnessstudios ist mäßig, um es höflich zu beschreiben. Seit Beginn der Pandemie sind sie insgesamt drei Mal vor Gericht gezogen, um öffnen zu dürfen. Drei Mal wurden sie abgewiesen. Zuletzt Anfang März vom Oberverwaltungsgericht, das dem Eilantrag von Jürgen Kohne, Geschäftsführer der Sport Lounge Munte, auch die Fitnessstudios in der Coronaverordnung in die Liste der Branchen mit Öffnungsberechtigung aufzunehmen, nicht folgte. Nun versucht er es mit einer Verfassungsbeschwerde und dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

„Friseure haben geöffnet, es dürfen Tattoos gestochen werden“, sagt Kohne. „Und wir kommen in der Coronaverordnung zwei bis drei Stufen hinter den Bordellen. Dabei sind wir doch Teil der Gesundheitsvorsorge. Aber wir werden als gesundheitliche Institutionen nicht ernst genommen.“ Ähnlich formuliert es auch Kohnes Kollege Markus Begerow, ehemaliger Diskuswerfer und Mitinhaber der ULC Fitnessgruppe. „Wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems. Bewegung stärkt das Immunsystem der Menschen“, sagt er. Bewegung, die den nach seinen Angaben 18 bis 20 Prozent der Bremer, die normalerweise in einem der Studios der Stadt trainieren, seit November versagt werde.

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Was die Fitnessfachleute zusätzlich aufregt: Sie wollten bei den Behörden einen Ansprechpartner finden, sind dabei in den vergangenen Wochen aber in einen Kommunikationskreislauf geraten – und nun genauso schlau wie vorher. Ein Schreiben von Ende Februar, das acht der Studios als „Gesundheitsinitiative Bremer Fitnessstudios“ unterzeichnet hatten, wanderte von Haus zu Haus: Das Gesundheitsressort verwies Anfang März zunächst auf das Sportressort, korrigierte sich dann und nannte Wirtschaft als Adresse. Das geht aus einem E-Mail-Verlauf hervor, der wie auch die Antworten von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dem WESER-KURIER vorliegt. Vogt schrieb der Initiative am 18. März, sie könne den Unmut nachvollziehen. Zuständig sei ihr Haus aber nicht, „bitte wenden Sie sich in dieser Sache an das Gesundheitsressort“.

Dass sie nun wieder an ihrem Startpunkt gelandet sind, ärgert Markus Begerow und Jürgen Kohne. „Verschieberitis“, nennt es Ersterer. „Wir drehen uns im Kreis und wissen immer noch nicht, wer für uns zuständig ist. Wir würden uns gerne mit unserer Expertise einbringen.“ Man könne jetzt die Zeit nutzen, um auszuloten, unter welchen Bedingungen Training irgendwann wieder möglich sei. Kohne befürchtet: „Wenn über Lockerungen gesprochen wird, werden wir wieder vergessen.“

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Dass es sie in nächster Zeit geben wird, danach sieht es nicht aus. Das geht aus der Antwort des Bürgermeisters hervor, der den Hilferuf der Fitnessstudios ebenfalls erhalten hatte. Auch er versicherte, er wolle der Branche „schnellstmöglich eine wirtschaftliche Perspektive“ ermöglichen. Er verwies aber auch auf die Coronaverordnung, die vom Senat auf Grundlage der Beschlüsse der Bund-Länder-Gipfel erarbeitet werde. Dort sei entschieden worden, dass die aktuelle Infektionslage keine sofortige Öffnung der Studios zulasse, schreibt Bovenschulte.

Im selben Sinn äußert sich auf Nachfrage des WESER-KURIER Alicia Bernhardt, Pressereferentin von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Ab diesem Montag trete die Notbremsen-Regelung in Kraft, weil die Sieben-Tage-Inzidenz seit Mittwoch vergangener Woche über 100 liegt. „Daher können derzeit keine Öffnungsschritte erfolgen“, sagt sie. Grundsätzlich sei das Ordnungsamt für die Abnahme von Hygienekonzepten zuständig. „Einrichtungen, die laut der Coronaverordnung öffnen dürfen, müssen dem Ordnungsamt auf Nachfrage ein Schutz- und Hygienekonzept vorlegen“, sagt Bernhardt.

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1,3 Millionen Kündigungen

Durch die Lockdowns im vergangenen Jahr hat die Fitnessbranche nach Angaben einer Untersuchung, die unter anderem der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen DSSV herausgegeben hat, knapp ein Viertel ihres Umsatzes verloren. Insgesamt sorgten die rund 9500 Fitnessstudios in Deutschland im Jahr 2020 für einen Umsatz in Höhe von 4,16 Milliarden Euro, im Jahr 2019 waren es rund 5,5 Milliarden Euro gewesen. Nach Angaben des Verbandes kündigten nach Beginn der Pandemie mehr als 1,3 Millionen Menschen ihre Mitgliedschaften in den Studios, ihre Verträge behielten rund 10,3 Millionen.

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