Gesundheitsbehörde will Neustart ermöglichen

Hoffnungsschimmer für Bremer Flohmarkt-Veranstalter

Ein Bummel über den Flohmarkt ist in Niedersachsen bereits wieder ein zulässiges Freizeitvergnügen, in Bremen dagegen nicht. Doch das könnte sich bald ändern.
14.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Hoffnungsschimmer für Bremer Flohmarkt-Veranstalter
Von Jürgen Theiner
Hoffnungsschimmer für Bremer Flohmarkt-Veranstalter

Veranstalter Harald Siegel im Sommer 2019 bei einem Rundgang über den Flohmarkt auf der Bürgerweide.

Christina Kuhaupt

Die Wiederzulassung von Flohmärkten ist wahrscheinlicher geworden, doch die konkreten Rahmenbedingungen sind noch nicht geklärt. Möglicherweise kommt das Thema nächste Woche im Senat zur Sprache. Vor einigen Tagen war etwas Bewegung in die Sache gekommen, nachdem das Justizressort in einem Vermerk gegenüber dem federführenden Innenressort deutlich gemacht hatte, dass das derzeit gültige Verbot von Flohmärkten in der Hansestadt keine tragfähige Rechtsgrundlage habe.

Die Untersagung fußt nämlich bisher auf der Einordnung von Flohmärkten als Veranstaltung. Nach Auffassung der Justizbehörde sind Flohmärkte allerdings als Verkaufsstellen anzusehen, ähnlich wie Wochenmärkte. Und Verkaufsstellen dürfen nach der aktuellen Corona-Verordnung geöffnet werden, sofern der Betreiber ein Hygienekonzept vorlegt und sicherstellt, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Eine Deckelung der Besucherzahlen sieht die Verordnung nicht vor.

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Nach Informationen des WESER-KURIER teilen die meisten senatorischen Behörden die Auffassung des Justizressorts. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hatte schon Ende Juli ihr Befremden über das Flohmarktverbot zum Ausdruck gebracht: „Es erschließt sich nicht, dass Einkaufszentren und Wochenmärkte geöffnet sind, während Flohmärkte, die draußen an der frischen Luft stattfinden, geschlossen bleiben.“

Das Gesundheitsressort steht nach den Worten seines Sprechers Lukas Fuhrmann einer Wiederzulassung von Flohmärkten im Grundsatz positiv gegenüber. Allerdings könne man die Dimension der jeweiligen Veranstaltung nicht außer Acht lassen. Größere Events wie auf der Bürgerweide, wo sich in der Vergangenheit mehrere Tausend Besucher und Anbieter tummelten, hält Fuhrmann für „gefährlich“. Die Frage sei nun, ob sich eine Lösung auf der Grundlage der aktuellen Corona-Verordnung finden lässt, oder ob sich der Senat der Sache noch einmal grundsätzlich annehmen muss.

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Selbst im Innenressort gibt es offenbar noch keine abgestimmte Position. Auf eine entsprechende Anfrage des WESER-KURIER antwortete Sprecherin Karen Stroink zunächst, dass Freiluft-Flohmärkte aktuell mit einer Teilnehmerbegrenzung auf 400 Personen zulässig seien. Später wurde dieses Statement wieder zurückgezogen. „Das ist noch nicht zu Ende gedacht“, ließ Stroink wissen.

Veranstalter wie Harald Siegel wüssten allerdings gern bald, woran sie sind. Siegel, der unter anderem den großen Flohmarkt auf der Bürgerweide ausrichtet, verweist auf das benachbarte Niedersachsen, wo bereits seit einigen Wochen wieder gehökert werden darf. Er befürchtet, dass diejenigen Händler, die ihm bisher die Treue hielten, zunehmend auf die Märkte im Umland abwandern und auch nicht wieder zurückkehren. Je länger die Unklarheit über die Zukunft der Bremer Flohmärkte andauere, „desto weniger macht es aus unserer Sicht noch Sinn, Pläne für einen Neustart zu machen“, sagt Siegel.

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Eine Begrenzung der Besucherzahlen ist aus seiner Sicht für einen Standort wie die Bürgerweide kaum realisierbar, jedenfalls nicht zu vertretbaren Kosten. „Der Platz ist zu drei Seiten offen, man müsste ja alles absperren und die Leute zählen.“ Für Siegel ist unverständlich, warum an Wochenmärkte keine vergleichbaren Anforderungen gestellt werden, obwohl sie vom Ablauf und der Art und Weise, wie sich das Publikum über das Gelände bewegt, sich kaum von den Flohmärkten unterschieden. Ein wenig enttäuscht ist der Veranstalter auch von der Politik und den zuständigen Behörden: „Es gibt da seit Monaten keinerlei Kommunikation, ich fühle mich nicht ernst genommen.“

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