Neuer Chef

Bremer Flughafenchef kommt aus Berlin

Der Bremer Hans-Koschnick-Airport hat einen neuen Geschäftsführer: Voraussichtlich zum Sommer wird Elmar Kleinert diese Aufgabe übernehmen.
13.03.2018, 19:42
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Flughafenchef kommt aus Berlin
Von Peter Hanuschke

Bremen/Berlin. Der Bremer Hans-Koschnick-Airport hat einen neuen Geschäftsführer: Voraussichtlich zum Sommer wird Elmar Kleinert diese Aufgabe übernehmen. Der 57-Jährige ist derzeit noch Betriebsmanager und Mitglied der Geschäftsführung der Flughäfen Tegel und Schönefeld. Mit der Suche nach einem neuen externen Geschäftsführer hatte der Flughafen-Aufsichtsrat eine Personalberatungsagentur beauftragt, nachdem das Gremium im November den damaligen Geschäftsführer Jürgen Bula mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Airport-Geschäftsführer abberufen hatte.

Kleinert wird in Berliner Medien als der Mann beschrieben, der an den beiden an der Belastungsgrenze arbeitenden Flughäfen dafür verantwortlich ist, dass alles funktioniert. Seit 2013 ist Kleinert wieder Leiter Operations der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), von 2001 bis 2009 hatte er diesen Posten schon einmal inne. Zwischendurch leitete er den Flughafen in Paderborn. Geplant war eigentlich, dass er künftig den Hauptstadtflughafen BER in gleicher Position wie in Tegel und Schönefeld managen wird. Mit den Bauverzögerungen am Hauptstadtflughafen habe der Wechsel nichts zu tun: „Mein Bauchgefühl und mein Herz schlägt für einen Standort dieser Größenordnung“, sagte Kleinert bei seiner Vorstellung am Bremer Flughafen. „Ich möchte näher am operativen Geschäft sein – und das bin ich hier am Bremer Flughafen.“ Dennoch werde er auch weiterhin tief verbunden mit der FBB sein.

„Ich freue mich diebisch, dass uns dieser Coup gelungen ist“, erklärte Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzender Ekkehart Siering, der auch Staatsrat im Wirtschaftsressort ist. Es habe über 100 Bewerbungen gegeben. „Herr Kleinert passt vom Anforderungsprofil her einfach perfekt.“ Gesucht hatte die Agentur nach einem ausgewiesenen Fachmann mit exzellenten Fachkenntnissen im Fluggeschäft, gleiches gilt für die Anforderungen an eine Flughafen-Infrastruktur. „Außerdem haben wir einen Teamspieler gesucht, der die Belegschaft motiviert und über viel Empathie verfügt“, so Siering. All das erfülle der neue Flughafenchef.

Auf den neuen Geschäftsführer warten große Herausforderungen – und das auf zwei Ebenen: Zum einen muss das Vertrauen zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern wieder hergestellt werden, zum anderen geht es darum, den Airport in Sachen Passagierzahlen wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Schließlich verzeichnete der Bremer Flughafen nach dem Rekordjahr 2014 (2,77 Millionen Passagiere) zum dritten Mal in Folge einen Passagierrückgang: 2017 nutzten 2,54 Millionen Passagiere den Hans-Koschnick-Airport, der zu hundert Prozent im Eigentum der Stadt Bremen ist. Als mittelfristiges Ziel wurde in der Vergangenheit immer das Erreichen der Drei-Millionen-Passagiergrenze ausgegeben.

Sofortmaßnahmen sind vom künftigen Flughafenchef aber noch nicht zu erwarten: „Ich muss den Flughafen zunächst kennenlernen – ich muss ihn quasi spüren.“ Erst dann könne man darüber nachdenken, wo sofortiger Handlungsbedarf bestehe.

Was die interne Arbeitsatmosphäre betrifft, gibt es offenbar Zusammenhänge mit der Abberufung von Bula. Der Aufsichtsrat begründete sie im November mit verschiedenen Vorfällen am Airport, die schwere Störungen im Verhältnis zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern gezeigt hätten. Zudem sei das Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat erschüttert und dadurch eine verlässliche, aufgabengerechte und kooperative Zusammenarbeit nicht mehr möglich gewesen. Für die Freistellung sei aber nicht der Vorfall im Juni ausschlaggebend gewesen, als Bula während der Tarifverhandlungen größere Mengen Alkohol konsumierte, hieß es in der Begründung. Dafür wurde er abgemahnt, wie sich erst Monate später herausstellte, als die Ereignisse aus besagter Nacht öffentlich wurden.

Allerdings ist mit der Abberufung Bulas seine Personalakte noch nicht geschlossen: Ihm droht die fristlose Kündigung. Zumindest ist der Aufsichtsrat davon überzeugt, dass es für einen solchen Schritt hinreichende Gründe gebe. Das hatte das Gremium vor knapp zwei Wochen nach Kenntnisnahme eines in Auftrag gegebenen Wirtschaftsprüfungsberichts mitgeteilt. Für eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen war Jürgen Bula erneut nicht zu erreichen. Ekkehart Siering schwieg am Dienstag zur Personalie Bula: „Zu der Entwicklung sage ich nichts – nicht an einem solchen Tag, an dem es nur um gute Nachrichten geht.“

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