Das Weser-Strand-Porträt

Vu Dinh, der Allesmacher

Vu Dinh arbeitet als Fluglotse am Bremer Flughafen – aber er ist auch Schauspieler, Model und Instagrammer, betreibt diverse Sportarten und spricht mehrere Sprachen. Wie bringt er all das unter einen Hut?
26.07.2020, 16:14
Lesedauer: 4 Min
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Von Patricia Friedek
Vu Dinh, der Allesmacher

Vu Dinh ist Fluglotse, Schauspieler, Model und Instagrammer.

Christina Kuhaupt

Hinter Vu Dinh liegen ein paar ungewöhnliche Tage. Zumindest, wenn man sie mit seinen vergangenen Monaten vergleicht. Denn er hatte Urlaub, einige entspannte Tage auf Mallorca. Eine kleine Auszeit von dem Marathon-Alltag, den er normalerweise lebt.

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Dinh gehört zu denen, die eine Fitness-Uhr tragen und einen Kräutertee ohne Zucker im Café bestellen. Er sieht jünger aus als 39, trägt ein Jeanshemd mit einem T-Shirt darunter und blitzweißen Sneakern an den Füßen, die Haare hat er hochgegelt. Im Gesicht hat er nicht eine Falte und seine Zähne leuchten weiß auf, wenn er lacht – was er häufig tut. Von Stress ist in seinem Gesicht keine Spur.

Dabei wäre es wahrscheinlich einfacher zu beschreiben, was Vu Dinh nicht macht oder kann. Dinh sagt selbst, der Tag habe zu wenige Stunden für ihn. Da passe es gut, dass er nicht mehr als fünf oder sechs Stunden schläft.

Einer von Dinhs Spitznamen ist „Vuperman“. Seine Kumpels hätten ihn schon früher so genannt, eine Kombination aus seinem Vornamen und der Comic-Figur Superman, die übermenschliche Kräfte hat. Tatsächlich wirkt es ein wenig übernatürlich, wenn man hört, was Dinh alles in einer Woche unterbringt: Der 39-Jährige ist Fluglotse am Bremer Flughafen, daneben arbeitet er als Schauspieler und Model, betreibt Fitness und diverse Sportarten, zusätzlich präsentiert er sich auf Instagram. Vor ein paar Monaten hat er ein Haus in Stuhr bauen lassen. Wie schafft er das alles?

Schauspiel-Ausbildung neben dem Beruf

Der Job als Fluglotse sei so etwas wie sein Fels in der Brandung, meint Dinh. „In Deutschland gibt es nicht so viele Schauspiel-Jobs. Deswegen bin ich froh, dass ich nicht davon abhängig bin, jede Rolle anzunehmen“, sagt er. Trotzdem hat er vor ein paar Monaten eine Schauspiel-Ausbildung neben seinem Beruf am Flughafen absolviert, um bessere Rollen zu bekommen.

Die Schauspielerei war schon lange das, was Vu Dinh begeisterte. Eigentlich kam er über das Modeln dazu. „Man sagt, jeder Fluglotse hat einen Spleen, also eine kleine Marotte – und das stimmt wirklich“, erzählt Dinh. Das komme unter anderem davon, dass Fluglotsen durch die begrenzte Arbeitszeit mehr Freizeit hätten. In Dinhs Fall hat der Spleen eines anderen Fluglotsen ihn zu seinem eigenen gebracht. Denn sein Kollege fotografierte gerne und fragte Dinh bei einem Shooting am Flugplatz, ob er mitmachen wolle. Dinh gefiel das auf Anhieb, also suchte er sich im Anschluss immer wieder Fotoshootings, bei denen er zunächst ohne Vergütung poste. Schon bald steckte Dinh in der ersten Agentur, die ihm gleich mal Werbespots vermittelte. Dinh bekam Jobs für Werbefilme von BMW, Hermes oder Eon. „Da war ich zum ersten Mal an einem richtigen Filmset, und es hat mich fasziniert, wie viel Arbeit hinter einem so kurzen Spot steckt.“ Dinh wollte sofort dazugehören.

Doch bei den Werbespots blieb es nicht. Es folgten Kurzfilme und seit diesem Jahr auch größere Produktionen, erst für den Sender RTL Nitro, dann für das ZDF in der Kriminalfilm-Reihe Sarah Kohr. Mehrere Agenturen in Deutschland und in London kümmern sich mittlerweile um Dinh, aber auch in den USA habe er einen Agenten. In den sozialen Medien, vor allem auf Instagram, gibt er regelmäßig Einblicke in seine Arbeit als Model oder Schauspieler. Das aber eher als Mittel zum Zweck, er möchte sich eben vermarkten, wie der Bremer betont.

Vu Dinh möchte mehr

Im Internet sucht man vergeblich nach Angaben zu Dinhs Alter. Der Schauspieler schreibt sein Alter nicht gerne in öffentliche Biografien, sagt er. „Das macht man meistens nicht, weil man sich an dem Spielalter orientiert“, erklärt Dinh. Das Alter, das der 39-Jährige in Filmen hat, liege meist bei 25 Jahren. Bei Castings für einen Familienvater mache er gar nicht erst mit, das kaufe man Dinh nicht ab, meint er.

Dinh sagt von sich, dass er ein Mensch ist, der Sachen angeht, anstatt von ihnen zu sprechen. So muss es auch mit dem Bodybuilding gewesen sein, mit dem er zwischenzeitlich in Wettbewerben aufgetreten ist, nach einer Saison aber merkte, dass es ihm zu anstrengend ist. Oder mit dem Tanzen, dem Kampfsport, dem Basketball oder dem Snowboarding, dem Fallschirmsprung- oder dem Tauchschein, all den Dingen eben, die er in seiner Freizeit macht. Sein Anspruch dabei: Kompetent sein in dem, was man tut. Das heißt, Vu Dinh versucht auch, bei allem dran zu bleiben, Dinge gut und intensiv zu betreiben. Ein Vorteil dabei sei, dass er sich Bewegungen schnell merke und es ihm nicht schwer falle, neue Sachen auszuprobieren.

Doch ganz frei von Erschwernissen ist dieser Allesmacher namens Vu Dinh nicht. Durch die vielen Aktivitäten schafft er es nicht so häufig, wie er gerne würde, seine Familie in Vietnam oder Nordrhein-Westfalen zu besuchen – da, wo er auch geboren ist. Auch seine Verlobte wünsche sich manchmal, Dinh hätte mehr Zeit für sie, erzählt er.

Aber natürlich reicht Vu Dinh das alles noch nicht. Er möchte mehr. Bald will er mit eigenen Ideen zu Produktionsfirmen gehen. „Ich habe erlebt, dass viele Produktionsfirmen nicht sehr offen für Schauspieler mit Migrationshintergrund sind“, erläutert er. In Deutschland habe er beobachtet, dass er durch seinen vietnamesischen Hintergrund häufig direkt in die Klischee-Rolle eines Asiaten gesteckt werde. Dinh sagt: „Ich fände es cool, wenn es mal einen asiatischen Kommissar geben würde.“

Dann muss Dinh auch schon wieder los, in einer Stunde ruft der nächste Termin. Außerdem muss er noch zur Arbeit und zum Sport, er hat nämlich gerade wieder in seiner alten Basketballmannschaft angefangen.

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