Begleitung bis zum Schulstart

Bremer Förderprojekt Brise wird verlängert

380 benachteiligte Familien werden seit Geburt ihres Kindes begleitet und bekommen Anregungen, wie sie ihr Kind fördern können. Sie nehmen am Bremer Förderprogramm Brise teil, das nun verlängert wird.
10.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Förderprojekt Brise wird verlängert
Von Sara Sundermann
Bremer Förderprojekt Brise wird verlängert

Das Programm Brise setzt darauf, Eltern Anregungen für das Spielen und die Interaktion mit ihrem Kind zu geben.

Fabian Strauch/DPA

Die Unterstützung beginnt meist in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt, und sie endet mit der Einschulung: Die „Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung“, kurz Brise, wird verlängert. Das vor vier Jahren gestartete Projekt geht in die zweite Phase und hat vier weitere Jahre vor sich. Mit dem Brise-Programm werden derzeit 380 Familien in schwieriger Ausgangslage unterstützt.

Teilnehmen können Familien, die nicht auf Rosen gebettet sind. Auch Familien, in denen ein oder zwei Elternteile arbeitslos sind, keine Berufsausbildung oder eine andere Muttersprache als Deutsch haben, gehören zur Zielgruppe, erklärt Heidemarie Rose. Die Abteilungsleiterin in der Sozialbehörde hat das Projekt zusammen mit der Jacobs Foundation konzipiert.

Anregungen und Hilfe

Förderprogramme gibt es viele, das Besondere an Brise ist, dass es auf Förderketten setzt: Ein Kind wird über Jahre hinweg in mehreren aufeinander aufbauenden Programmen begleitet. Kernelement sind Hausbesuche: Expertinnen und geschulte Laien besuchen die Familien in regelmäßigen Abständen zu Hause. Sie geben Eltern Anregungen und Hilfen, wie sie ihren Kontakt zum Kind verbessern und es fördern können.

„Die Grundidee ist die Begleitung von Risikofamilien“, sagt Heidemarie Rose. „Lange war die Kita ein Hoffnungsträger, man hat gehofft, Nachteile von Kindern durch den Kita-Besuch auszugleichen. Aber die Daten geben das nicht her.“ Die Kita allein schaffe es nicht, bei Kindern aus benachteiligten Familien für bessere Bildungschancen zu sorgen. „Aber die ersten Jahre sind für das Gehirn so enorm wichtig, und das Gehirn wird über die Anregungen und Rückmeldungen stimuliert, die ein Kind bekommt“, betont Rose.

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Zentral sei, den Interessen von Kindern zu folgen und auf sie einzugehen. Doch das würden nicht alle Eltern gleichermaßen tun oder hätten es selbst früher nicht so erlebt: „Es gibt Eltern, die wissen nicht, wie wichtig es ist, auch mit einem Säugling schon viel zu sprechen, weil der Säugling ja erst mal zum Gespräch noch nicht viel beitragen kann.“

Hier sollen die Familienbegleiterinnen von Brise ansetzen: Nach der Geburt kommen zunächst Hebammen regelmäßig die Eltern besuchen, später übernehmen geschulte Laien, die bei Zuwandererfamilien möglichst selbst die Sprache der Eltern sprechen. Die Besucherinnen bringen Spielideen und -materialien mit und geben Eltern Anregungen für die Interaktion mit dem Kind. Gruppenangebote ergänzen das Programm. Auch Erzieherinnen in Kitas werden geschult. „Gerade viele Zuwanderer-Eltern sind sehr ehrgeizig, und Eltern freuen sich, wenn sie sehen, wie ihr Kind reagiert“, sagt Rose.

Förder- und Forschungsprojekt

Bei Brise wird nicht nur gefördert, sondern auch geforscht: Im Gegenzug für die kostenlose Unterstützung stimmen die teilnehmenden Eltern zu, dass sie an Befragungen teilnehmen und ihr Kind ab und zu von Forschern beim Spielen und in Interaktion beobachtet wird. Dadurch erhofft man sich neue Erkenntnisse dazu, was durchgängige Frühförderung bewirkt.

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Heidemarie Rose holte alle Akteure für das Projekt Brise an einen Tisch. Und es gibt eine Menge Akteure: Neben der Universität Bremen ist eine Reihe weiterer Universitäten und Institute beteiligt. Bildungs- und Wirtschaftsforscher aus ganz Deutschland mischen mit. In Bremen sind gleich vier Senatsressorts beteiligt, die Federführung liegt beim Sozialressort. Finanziert wird das Projekt von drei Stellen: Vom Bundesbildungsministerium mit 14,8 Millionen Euro, von Bremen mit sechs Millionen Euro und von der Jacobs Foundation mit drei Millionen Euro.

Weitere Informationen

Es können noch weitere Familien teilnehmen, Interessierte können sich über die Webseite www.brise-bremen.de informieren.

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