Zia Gabriele Hüttinger engagiert sich für Obdachlose Bremer Frau des Jahres ist ein Suppenengel

Bremen. Seit 13 Jahren setzt sich Zia Gabriele Hüttinger ehrenamtlich mit dem Verein 'Bremer Suppenengel' für Obdachlose ein. Der Bremer Frauenausschuss hat sie am Weltfrauentag für ihre Arbeit und ihr Engagement mit dem Titel 'Frau des Jahres 2010' belohnt.
09.03.2010, 05:10
Lesedauer: 2 Min
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Von Meike Lorenzen

Bremen. 'Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht', zitierte Zia Gabriele Hüttinger am Montagabend Bertold Brecht im Rathaus. Seit 13 Jahren setzt sie sich ehrenamtlich mit dem Verein 'Bremer Suppenengel' für Obdachlose ein. Mit Brechts Worten brachte Hüttinger ihre Motivation zum Ausdruck. Der Bremer Frauenausschuss hat sie am Weltfrauentag für ihre Arbeit und ihr Engagement mit dem Titel 'Frau des Jahres 2010' belohnt.

'Ich bin ganz überwältigt', sagte Zia Gabriele Hüttinger, als sie unter langandauerndem Applaus ihren Preis entgegennahm. Anfangs hatte sie gar nicht begriffen, dass sie Bremens neue Frau des Jahres sein würde. Der Anruf mit der Nachricht kam mitten im Umzug. 'Ich hab jetzt keine Zeit, ich muss hier weitermachen', hatte sie den Überbringer der Botschaft abgewimmelt. Erst später, als sie am Computer in einer ruhigen Minute noch einmal in einer E-Mail las, dass sie Bremens Frau des Jahres 2010 sein würde, wurde ihr die Bedeutung des Preises bewusst. Erst da begriff sie, dass sie künftig mit großen Namen wie Ottilie Hoffmann in einem Atemzug genannt werden würde. Und auch, dass sie ein Stück Bremer Geschichte geschrieben hatte. 'Da wurde mir erst einmal ganz anders', sagte sie in ihrer Dankesrede.

Am Anfang war die Tagesschau

Angefangen hatte alles mit der Tagesschau. Im Winter 1996/97 sah Zia Gabriele Hüttinger dort einen Beitrag über einen Obdachlosen, der am Bremer Bahnhof nachts erfroren war. Sofort hatte sie die Idee, eine mobile Suppenküche zu gründen. Die gelernte Hauswirtschaftsgehilfin aus Schwaben war damals arbeitslos. Auch heute lebt sie von Hartz IV.

Kurz darauf hörte sie eine Radiosendung zum Thema Obdachlose, griff zum Hörer, rief die Redaktion an und erzählte von ihrem Plan. Wiederum kurze Zeit später meldete sich ein Rechtsanwalt bei ihr, der durch den Radiosender von ihrer Idee gehört hatte. Spontan spendete er damals umgerechnet 500 Euro. 'Mal schauen, was Sie damit auf die Beine stellen', soll er gesagt haben. Das war der Anfang der Bremer Suppenengel.

Inzwischen bringen sie viermal in der Woche Suppen, belegte Brote, Salate und Kaffee in die Innenstadt. Die Lebensmittel transportieren sie auf Lastenfahrrädern an die Domsheide, in die Sögestraße, zu den Wallanlagen und an den Bahnhof. Anfangs kochten Zia Gabriele Hüttinger und ihre Helfer noch in ihrer Privatwohnung. Inzwischen hat die St.-Jakobi-Gemeinde im Kirchweg in der Neustadt ihre Küche zur Verfügung gestellt.

Den Namen 'Suppenengel' haben übrigens die Obdachlosen - die Gäste, wie Hüttinger sie nennt - ihr und ihren Helfern gegeben. Nun ist der Suppenengel die Frau des Jahres. Über 40 Mitgliedsorganisationen des Bremer Frauenausschusses hatten für die Wahl ihre Vorschläge eingereicht. Die Jury suchte eine Frau, die sich in besonderer Weise für Menschen im Land Bremen einsetzt, welche von Armut und Ausgrenzung bedroht sind.

Die Auszeichnung freut Hüttinger und lässt sie aufgrund des größeren Interesses auf weitere Spender für ihr Projekt hoffen. 'Armut und Ausgrenzung - das sind so Worte', meinte Hüttinger gestern. 'Wenn ich den Betroffenen mein Ohr oder mein Herz leihe, dann höre ich Geschichten, die mich wütend machen.' Stigmatisierungen und Vorurteile würden vielen der Menschen, für die sie sich einsetzt, entgegengebracht. Polemik sei für viele die einzige Möglichkeit der Reaktion. 'Das mit der Suppe ist okay', sagte Zia Gabriele Hüttinger. 'Doch ich möchte den Menschen auch ihre Würde wiedergeben.'

Alle Redner des Festaktes, darunter auch Frauensenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD), waren sich einig: Die starke Frau, mit den grauen Locken und dem fröhlichen Lachen ist eine würdige 'Frau des Jahres 2010'. Sie steht aber auch für alle Frauen, die sich sozial engagieren - in Einrichtungen, Verbänden oder Organisationen. Ihnen wurde am 8. März weltweit gedankt.

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