Nach Unwetterwarnung

Bremer Freimarkt läuft wieder

Aufgrund der für Bremen vorliegenden Unwetterwarnung hatte der Bremer Freimarkt am Samstag bereits um 18 Uhr geschlossen. Am Sonntag ist das Volksfest wieder regulär ab 12 Uhr geöffnet worden, teilte die Polizei Bremen mit.
28.10.2017, 12:40
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Freimarkt läuft wieder
Von Kristin Hermann
Bremer Freimarkt läuft wieder

Strahlend blauer Himmel: Trubel auf dem kleinen Freimarkt in Bremen am Sonntagnachmittag – so, als sei nie ein Sturm gewesen.

Henkenberens

Die vom Deutschen Wetterdienst ausgegebene aktuelle amtliche Warnmeldung für Bremen sagt bis 17 Uhr Windstärken bis 8 Beaufort voraus. Bei diesen Windstärken war eine reguläre Öffnung des Freimarktes um 12 Uhr möglich, teilte die Pressetselle des Senats für Wirtschaft, Arbeit und Häfen mit. Auch die Frühschoppenveranstaltungen konnten am späten Vormittag beginnen.

Die Einsatzleitung wird die Entwicklung der Wetterlage und die amtlichen Vorhersagen weiter beobachten und tritt im Bedarfsfall erneut zusammen.

Zuvor war unklar, ob der Freimarkt am Sonntag öffnen kann. Hier die Entwicklungen zum Nachlesen:

Nicht schon wieder. Das dachten sich wohl die meisten Schausteller und Besucher, als am Sonnabendmittag bekannt wurde, dass der Freimarkt kurz vor dem Finale am Sonntag geschlossen bleibt. Alle Fahrgeschäfte, Zelte, Ausschankbetriebe und Verkaufsstände mussten am Sonnabend bereits ab 18 Uhr ihren Betrieb einstellen. Normalerweise wäre das Volksfest bis Mitternacht geöffnet gewesen. In den vergangenen Jahren machten immer mal wieder schwere Unwetter dem Freimarkt und der Osterwiese einen Strich durch die Rechnung. Drei Wochen nach Sturmtief „Xavier“ warnte der Deutsche Wetterdienst nun vor „Grischa“. In der Nacht erwartete die Feuerwehr schwere Sturmböen mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde.

Freimarkt Bilanz und Sturmwarnung mit Sperrung der Bürgerweide

Kurz vor dem großen Finale musste der Bremer Freimarkt am Sonnabendabend geschlossen werden.

Foto: Frank Thomas Koch

Zur Lagebesprechung waren im Laufe des Tages immer wieder Vertreter vom Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, der Polizei, der Feuerwehr und der Bauordnung zusammengekommen. „Wir bedauern die vorzeitige Schließung natürlich. Da die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher höchste Priorität haben muss, gibt es zu dieser Entscheidung jedoch leider keine Alternative“, so die zuständige Abteilungsleiterin für Gewerbe- und Marktangelegenheiten, Marita Wessel-Niepel. Bei dieser Einschätzung blieb es auch am Abend. Zu groß sei sie Sorge gewesen, dass Besucher von herabfallenden oder herumfliegenden Gegenständen auf der Bürgerweide getroffen werden könnten.

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Unter den Schaustellern führte die Entscheidung zu großem Frust. Nach der regnerischen Woche hatten sich die Betreiber besonders viel vom Sonnabendabend versprochen. „Die Stimmung ist schlecht, weil die Schließung natürlich mit Umsatzverlusten einhergeht. Dabei war der Freitag so vielversprechend“, sagte Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands. Das konnte Joep Hoefnagels vom Fahrgeschäft "Infinity" nur bestätigen. „Fällt so ein Abend weg, fehlen uns etwa 80 Prozent der Tageseinnahmen, weil die meisten erst bei Anbruch der Dunkelheit kommen. Da sieht man bei uns die Lichter besser“, sagte er.

Freimarkt Bilanz und Sturmwarnung mit Sperrung der Bürgerweide

Hans-Otto Hirsch montierte aus Sicherheitsgründen einige Verkleidungen ab.

Foto: Frank Thomas Koch

"Besucher wollen möglichst schnell auf ihr Sofa"

Sobald es Unwetterwarnungen gibt, sorgen die Schausteller vor. Viele von ihnen trafen so bereits am Mittag erste Sicherheitsvorkehrungen. „Wir haben schon unser Schild und die Fahnen abmontiert, damit nichts kaputt geht“, sagte Hans-Otto Hirsch vom "Flying Crazy Bus". Schon einige Stunden bevor der Freimarkt schließen musste, spürte der Schausteller die Auswirkungen des sich anbahnenden Sturms. „Ich habe das Gefühl, die Besucher wollen möglichst schnell über den Freimarkt gehen und dann wieder nach Hause auf ihr Sofa.“

Oder ins Einkaufszentrum. So war es zumindest bei Familie Augustin aus Osterholz-Scharmbeck. Von der Sturmwarnung bekam sie erst auf dem Weg zum Freimarkt etwas mit, als sie im Auto ihr Radio anschaltete. Doch davon ließen sich das Ehepaar und seine beiden Töchter nicht abschrecken. „Wir sind halt etwas schneller als sonst unterwegs, aber Spaß macht es trotzdem“, sagte Christian Augustin. Damit der Ausflug nicht vorzeitig endete, ging es für die Familie anschließend weiter in die Waterfront.

Victoria Schneider, Betreiberin des „Hangover“ kann die Panik um die wetterbedingte Schließung nur in Teilen nachvollziehen. In den vergangenen Jahren seien die Veranstalter besonders sensibilisiert. „Das ist ja auch vernünftig, wenn wirklich ein schlimmes Unwetter ansteht“, sagte Schneider. „Doch in vielen Fällen schließen wir eben umsonst. Das haben wir auch in anderen Städten schon erlebt.“ Sie wünscht sich von den Veranstaltern deshalb eine größere Flexibilität. Fahrgeschäfte wie der Freifallturm haben eingebaute Computer, die die Windstärke messen. „Wenn die Böen zu stark sind, starten wir erst gar nicht“, so Schneider. Große Sicherheitsvorkehrungen müssen die Betreiberin und ihr Team nicht treffen. Ihr Fahrgeschäft hält nach eigenen Angaben bis Windstärke 10 stand.

Freimarkt Bilanz und Sturmwarnung mit Sperrung der Bürgerweide

Kein Grund für schlechte Laune: Diese jungen Frauen feierten kurzerhand in Halle 7 weiter.

Foto: Frank Thomas Koch

Bis kurz vor Schluss nutzten die Besucher die Gelegenheit, die Karussells auszuprobieren, dann wurden sie von den Ordnern nach und nach in Richtung Ausgang begleitet. Wer dann doch noch nicht genug hatte, konnte um 18 Uhr direkt in der angrenzenden Halle 7 weiterfeiern. Die Veranstalter hatten am Mittag spontan auf die Unwetterwarnung reagiert und ihre Türen ein paar Stunden früher geöffnet. Das führte dazu, dass mehr Besucher als sonst ihren Weg in Dirndl und Lederhosen dorthin antraten. „Wir wollten eigentlich ins Bayernzelt, aber dann feiern wir eben in der Halle 7 weiter“, sagte eine junge Frau, die mit ihren Freundinnen im Trachtenkleid gekommen war.

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