Stadtentwicklung

Grüne fordern feste Orte für Bremer Kulturszene

Damit junge Menschen in Bremen bleiben, hat die Grünen-Fraktion einen Zehn-Punkte-Plan für kulturelle Stadtentwicklung aufgestellt. Der sieht dauerhafte Orte für Festivals, Kultur und Förderprogramme vor.
10.03.2021, 20:39
Lesedauer: 3 Min
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Grüne fordern feste Orte für Bremer Kulturszene
Von Pascal Faltermann
Grüne fordern feste Orte für Bremer Kulturszene

Das Kulturprojekt Irgendwo musste lange um eine Fläche am Flughafen kämpfen.

Christina Kuhaupt

Jungen Menschen und kreativen Machern fehlen in Bremen Orte, Möglichkeiten und entsprechende Standortqualitäten. Das geht unter anderem aus der Schwarmstadtstudie hervor. Die Grünen wollen das ändern und dafür die Stadtentwicklung anpassen. In einem Zehn-Punkte-Plan fordern sie dauerhafte Festivalflächen, konstante Plätze für Kreatives, das Entwickeln von Quartieren und eine zentrale Anlaufstelle. Ein entsprechendes Positionspapier hat die Fraktion verabschiedet.

„Kultur funktioniert nicht ohne Flächen und Orte“, sagt Grünen-Politikerin Kai Wargalla, die das Papier erstellt hat. Aus ihrer Sicht ist einer der Gründe für die niedrige Anziehungskraft Bremens auf jüngere Menschen und Künstler, dass das vorhandene kreative Potenzial nicht genügend realisiert und genutzt wird. In Zeiten des Wandels, des Fachkräftemangels und der Innenstadt-Krise seien es aber genau diese Impulse, die Bremen brauche. Wargalla hat zehn Maßnahmen zusammengetragen, die die Weichen für eine „kulturelle Stadtentwicklung“ stellen sollen. Ein Punkt sieht vor, nach geeigneten Flächen für Open-Air-Veranstaltungen zu suchen. Mögliche Orte könnten beispielsweise im Umfeld des Stadtwaldsees zu finden sein oder in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in Blockland liegen. Zwischennutzungen seien zwar geeignet, kreative Impulse in die Innenstadt zu bringen, doch für einen Wandel brauche es in der City dauerhafte Orte und Freiräume für kulturelle Aktivitäten.

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Weitere Vorschläge: Den Hohentorshafen bei der Entwicklung zu einem Kulturquartier unterstützen, Parks und öffentliche Grünflächen mit Sport- und Freizeitangeboten beleben, Netzwerke stärken sowie eine zentrale Anlaufstelle, die als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Behörden fungiert und bei Förderungen berät. Wargalla spricht sich zudem dafür aus, dass die Vergabe von städtischen Flächen und Räumen reformiert wird und kulturelle Projekte dabei mit bedacht werden.

„Wenn es sieben Jahre und mehr dauert, einen bundesweit bekannten Club wie das Zucker zu eröffnen, wenn Kulturprojekte wie das Irgendwo viel zu lange um ihre Existenz bangen müssen, oder wenn bedeutsame Orte wie der Güterbahnhof in endlosen Zwischennutzungsverträgen festhängen, dann sendet Bremen die falschen Signale“, sagt Wargalla.

Zwischennutzungen seien ein gutes Mittel, um zu experimentieren, sagt Felix Graßhoff, einer der Sprecher des Vereins Kulturbeutel. „Es wird aber nicht an Möglichkeiten gedacht, Projekte zu verstetigen. Da ist die Politik nicht nachhaltig“, sagt Graßhoff. Hierfür müssten Perspektiven mit gedacht und Strukturen geschaffen werden. Die jungen Menschen des Kulturbeutels organisieren seit Jahren das Open-Air-Projekt Irgendwo auf einer Fläche am Flughafen.

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Nach monatelangen Diskussionen hatten sich Bau- und Wirtschaftsressort im November über die Zukunft geeinigt. Möglich wurde dies durch ein Tauschgeschäft der Behörden: Das als Zwischennutzung an den Verein vergebene Gelände an der Amelie-Beese-Straße, das zur Wirtschaftsförderung (WFB) gehörte, wechselte in die Zuständigkeit des Bauressorts. Dafür erhält das Wirtschaftsressort Ausgleichsflächen. Bislang sei allerdings kein endgültiger Vertrag unterschrieben, sagt Graßhoff. Zudem müssten die Nutzungsmöglichkeiten auf der Fläche geregelt und ein neuer Bauantrag gestellt werden. Prozesse, die das eigentliche Wirken der Kreativen bremsen.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten hatte Immo Wischhusen, Organisator des Kulturprojekts „Die komplette Palette“ am Hemelinger Weserstrand, zu kämpfen. Zwar hat er 2019 die politische Zusage vom Beirat bekommen, das Gelände für vier Jahre nutzen zu können, doch wünschte er sich in der Anfangszeit mehr Planungssicherheit. „Wer so etwas aufbaut, braucht eine längerfristige Unterstützung“, sagt Wischhusen. Jedes Jahr müsse er einen neuen Bauantrag einreichen sowie Sicherheitskonzept und Hochwasser-Fluchtplan erstellen. „Mittlerweile habe ich Übung darin, aber es hält von der eigentlichen Arbeit ab“, sagt Wischhusen. Es wäre gut, wenn es eine zentrale Stelle geben würde, die bei den Behördensachen unterstütze, helfe und übersetze.

Info

Zur Sache

Open-Air-Veranstaltungen

Ein Antrag der rot-grün-roten Regierungskoalition fordert den Senat auf, zwei bis drei geeignete Flächen für Open-Air-Veranstaltungen in Bremen und Bremerhaven bereitzustellen. Zudem sollen Förderprogramme konzipiert werden. Der Senat soll dazu mit den Branchenverbänden wie Clubverstärker, Musikszene Bremen und Alarmstufe Rot in einen Austausch gehen. Sobald es die pandemische Lage zulässt, soll mit den Planungen begonnen werden.

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