Sprachbarrieren und Corona

Übersetzung von Corona-Regeln in Bremen angefragt

Was geschieht, wenn ich in Quarantäne gehe? Was bedeutet das Corona-Schreiben vom Amt? Viele Menschen verstünden Corona-Bescheide und kompliziertere Regeln nicht, sagt Grünen-Abgeordnete Sahhanim Görgü-Philipp.
13.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Übersetzung von Corona-Regeln in Bremen angefragt
Von Sara Sundermann
Übersetzung von Corona-Regeln in Bremen angefragt

Nicht alle Bremer verfügen über genügend Deutschkenntnisse um die Corona-Verordnungen im vollen Umfang zu verstehen.

Hauke-Christian Dittrich / dpa

Was tut die Stadt, um Sprachbarrieren bei Corona-Regeln zu überwinden? Danach haben sich die Grünen erkundigt. „Bescheide und Anordnungen von Ämtern und Behörden setzen ein sehr hohes Maß an Deutschsprachkenntnissen voraus, um sie verstehen zu können“, heißt es in der Kleinen Anfrage, die Grünen-Abgeordnete Sahhanim Görgü-Philipp ans Parlament gerichtet hat. „Die Verordnungen und Behörden-Schreiben zu Corona verstehen viele nicht“, sagt sie. „Wir brauchen Akteure in den Stadtteilen, die das für die Menschen übersetzen.“

Görgü-Philipp fordert zudem eine kultursensible Kommunikation darüber, wie wichtig das Einhalten der Regeln ist. Sie nennt ein Beispiel: „Ich komme aus der kurdisch-türkischen Kultur, wo man älteren Familienmitglieder oft Handküsse gibt – aber gerade Handküsse müssen wir unbedingt vermeiden“, sagt sie. „Wir müssen gerade den Älteren vermitteln, dass es nicht respektlos ist, auf Handküsse zu verzichten.“ Man müsse das aber vorsichtig ansprechen, ohne zu stigmatisieren. Es gehe zudem nicht nur um Einwanderer in der Stadt: „Wir haben auch Menschen in Bremen, die nicht lesen und schreiben können, und nicht alle informieren sich über lokale Medien.“

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Bremen war bei dem Thema nicht untätig: Im März wurden mehrsprachige Informationen zu Corona-Regeln in Beratungsstellen und Geflüchteten-Einrichtungen ausgehängt, auch Kitas informieren die Eltern oft mehrsprachig. Auf der zentralen Bremer Corona-Webseite informiert der Senat in zwölf Sprachen mit Grafiken über Bremer Regeln wie Maskenpflicht und Alkoholverkaufsverbot in bestimmten Stadtgebieten.

Aus der Praxis erzählt Jutta Wedemeyer, Kita-Leiterin der evangelischen Gemeinde in Lüssum. Viele Eltern, mit denen sie im Alltag zu tun hat, sind keine Deutsch-Muttersprachler. „Die grundsätzlichen Corona-Infos sind allen bekannt, jedes Kindergartenkind weiß, was Corona ist“, sagt sie. „Es ist bei uns kein Thema, dass Regeln nicht eingehalten werden.“ Dennoch gebe es viel Erklärungsbedarf: Wer wann für wie lange in Quarantäne muss, verstehe sie selbst als Kita-Leiterin kaum. Derzeit sei die Arbeit sehr intensiv, wichtige Infos an Eltern vermittele ihr Kita-Team immer im mündlichen Gespräch: „Ich weiß ganz genau, eine schriftliche Info brauche ich nicht rauszugeben“, sagt Wedemeyer. „Wir telefonieren und reden uns derzeit den Mund fusselig und fragen zum Beispiel bei Eltern nach, wenn ein Kind nach der Quarantäne nicht wieder in die Kita kommt, obwohl es schon kommen dürfte.“

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