Speisepläne sollen umgestellt werden

Bremer Grüne wollen mehr Biokost in den Uni-Mensen

Bremens Schulen und Kitas haben ihre Speisepläne zum Teil schon auf Bio-Produkte umgestellt. Die Uni-Mensen sollen nachziehen, fordern die Grünen. Nicht zum ersten Mal, doch diesmal mit Aussicht auf Erfolg.
15.01.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Grüne wollen mehr Biokost in den Uni-Mensen
Von Ralf Michel
Bremer Grüne wollen mehr Biokost in den Uni-Mensen

Der Bremer "Aktionsplan 2025" für gesünderes Essen soll auch in den Hochschulmensen umgesetzt werden.

Christina Kuhaupt

Die Grünen unternehmen einen weiteren Vorstoß, mehr Bioprodukte auf den Speiseplänen der Bremer Universitätsmensen zu verankern. Und diesmal stehen sie damit nicht allein. Den aktuellen Dringlichkeitsantrag, über den die Bürgerschaft Ende Januar entscheidet, haben auch SPD und Linke unterzeichnet. Angesichts deren Mehrheit im Parlament lautet die Frage damit nicht mehr, ob es künftig auch in den Hochschulmensen Bio-Quoten geben wird, sondern nur noch, wie sie umgesetzt werden.

Eine Kröte mussten die Grünen für die Unterstützung ihrer Koalitionspartner offenbar schlucken: Konkrete Zeitvorgaben enthält der Antrag nicht. Anders als bei der Umsetzung des bereits 2018 beschlossenen ­„Aktionsplans 2025“ für gesundes Essen in Schulen, Kitas oder beim Krankenhausverbund Gesundheit Nord, wo sehr genau festgelegt wurde, wann welche Bio-Quoten erfüllt sein müssen. Jetzt wird der Senat lediglich aufgefordert, mit dem Studierendenwerk ­Verhandlungen zu führen, wie und in welchem Zeitrahmen sich der Aktionsplan auch auf die Hochschulmensen ausweiten lässt.

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Erhöhte Landeszuschüsse?

Geklärt werden soll vor allem die Frage, ­welche Mehrkosten entstehen, wenn bei der Beschaffung tierischer und pflanzlicher Erzeugnisse die gleichen Kriterien angewandt werden, die für Schulmensen in Bremen gelten. Und um wie viel dann der Zuschuss des Landes an das Studierendenwerk erhöht werden müsste.

Eine weitere Forderung betrifft die Information der Studierenden. Die sollen nach Möglichkeit sowohl auf den Speiseplänen als auch an den Essensausgabestellen der Mensen „transparent und nachvollziehbar die Herkunft und die Erzeugungsbedingungen der tierischen Produkte“ erkennen können. „Die Studierenden sollen wissen, unter welchen Produktionsbedingungen ihre Mahlzeit hergestellt wurde“, heißt es hierzu in einer Pressemitteilung der Grünen. Dazu gehörten zum Beispiel Angaben dazu, ob das Fleisch „industriell unter Einsatz von Antibiotika und miserablen Haltungsbedingungen“ produziert wurde oder nicht.

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Die Umstellung auf Bio-Produkte leiste einen wichtigen Beitrag für mehr Klimaschutz, erklärt hierzu Jan Saffe, der ernährungspolitische Sprecher der Grünen. Während eine Reihe von Schulmensen schon fast komplett auf Bio-Produkte umgestellt und sich auch der städtische Klinikverbund Geno auf den Weg gemacht habe, werde in den Hochschulmensen weiterhin „fast nur hochproblematisches Billigfleisch aus Massentierhaltung aufgetischt“. Und dies, obwohl diese Art der Fleischproduktion durch einen hohen Ausstoß von klimaschädlichen Gasen und Ressourcenverbrauch den Klimawandel vorantreibe. „Wenn wir Klimaschutz ernst meinen, muss der Fleischkonsum drastisch verringert werden“, fordert Saffe. Zumal dies auch den Erwartungen vieler Studierender entspreche. Von denen würden immer mehr Fleisch aus industrieller Tierhaltung ablehnen, ist der Grüne überzeugt.

„Wir sperren uns in keiner Weise gegen Bio-Essen“, hatten Anke Grupe-Markschat, Leiterin der Hochschulgastronomie in Bremen, und Maurice Mäschig, Pressesprecher des Studierendenwerks, hierzu gegenüber dem WESER-KURIER bereits im vorigen April betont. Dies gelte nach wie vor, bekräftigte ­Mäschig in dieser Woche. Ebenso wenig habe sich etwas an den grundsätzlichen Bedenken des Studierendenwerks geändert: Gemessen an der erforderlichen Menge von Lebensmitteln gebe es noch nicht genügend Ware in Bioqualität auf dem Markt. 12.000 Essen täglich sei eben eine ganz andere Hausnummer als der Bedarf an Schulen und Kitas, betont Mäschig.

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Hinzu käme, dass die Biokost nicht nur deutlich teurer sei, sondern deren Verarbeitung auch wesentlich personalintensiver als die Verwendung vorgefertigter Lebensmittel, den sogenannten Convenience-Produkten. Ganz zu schweigen von einer dann erforderlichen anderen Geräteausstattung der ­Küchen.

Regionale Produkte im Blick

Die komplette Umstellung auf Bio-Produkte taxiert Mäschig auf sechs Millionen Euro Mehrkosten im Jahr. Drei Millionen für die teureren Produkte, drei Millionen für mehr Personal und neue Maschinen. Was nicht zulasten der Studierenden gehen dürfe, erinnert Mäschig an den gesetzlichen Sozialauftrag, das Mensa-Essen für alle Studierenden bezahlbar anzubieten.

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Gleichwohl arbeite das Studierendenwerk ohnehin nach wie vor an diesem Thema. Etwa elf Prozent der derzeitigen Angebote seien Bio-Produkte, vor allem Milch, Kaffee und Tee. Und „da kommt noch was“, kündigt ­Mäschig an. Geplant sei beispielsweise, auch beim Tafelobst auf 100 Prozent Bio zu kommen. Wichtig sei ihm jedoch vor allem eine Botschaft, betont der Pressesprecher: „Wir haben unseren Weg, wir haben unseren Plan.“ Und dies nicht nur in Sachen Bio, sondern auch und gerade, was die Verwendung regionaler Produkte angehe.

Klingt, als sei man in der Sache gar nicht so weit auseinander. Dass man trotzdem seit fast einem Jahr nicht wirklich vorangekommen ist, bestätigen indes sowohl das Studierendenwerk als auch die Grünen. Beiderseitig ist von „schwierigen Gesprächen“ die Rede. Am Donnerstag will man sich deshalb treffen. Zumindest auf der gleichen Datenbasis zu argumentieren, ist eines der erklärten Ziele dieser Zusammenkunft.

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