Senat beschließt Maßnahmen

Bremer Hauptbahnhof soll sauber und sicher werden

Schnell weg hier - das denken viele Reisende, wenn sie das Umfeld des Bremer Hauptbahnhofs durchqueren müssen. Der Senat will nun mit einem Maßnahmenbündel gegen Vermüllung und Verwahrlosung vorgehen.
17.06.2018, 22:39
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Hauptbahnhof soll sauber und sicher werden
Von Jürgen Theiner

Der Hauptbahnhof soll eine bessere Visitenkarte für Bremen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, schnürt der Senat ein Maßnahmenbündel, das unter anderem mehr polizeiliche Präsenz, mehr Sauberkeit und ein entschiedeneres Vorgehen gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch an dieser exponierten Stelle der Innenstadt vorsieht. Das kündigte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) am Sonntag gegenüber dem WESER-KURIER an.

Sieling äußerte sich am Rande einer Veranstaltung in Hemelingen, wo er zusammen mit Senatsmitgliedern und weiteren Akteuren erste Ergebnisse seines Projektes „Zukunft Bremen 2035“ vorstellte. Unter dieser Überschrift arbeiten seit Herbst 2017 Wissenschaftler, Vertreter des öffentlichen Lebens und der Senat als „Zukunftskommission“ an Antworten auf die Frage, wie sich Bremen langfristig entwickeln soll – auch vor dem Hintergrund einer deutlich verbesserten Finanzausstattung ab 2020. Eine Rolle spielen dabei auch Sicherheit und Sauberkeit. Und um die ist es am Hauptbahnhof in der Wahrnehmung vieler Menschen nicht gut bestellt. Der Verkehrsknotenpunkt präsentiert sich häufig eher abschreckend. Sein Umfeld ist mit Müll und Scherben übersät; Trinker, Drogenabhängige, Bettler und Kleinkriminelle erzeugen bei vielen Reisenden den Wunsch, den Bereich möglichst schnell hinter sich zu lassen.

Dauerhaft höhere Polizeipräsenz im Bahnhofsumfeld

Dass dieser Zustand das Image Bremens nicht gerade hebt, darüber ist sich der Bürgermeister schon länger im Klaren. Nun soll gehandelt werden. Wichtigstes Element des Maßnahmenbündels ist eine dauerhaft höhere Polizeipräsenz im Bahnhofsumfeld. Schon seit ein paar Wochen sind dort – für jedermann erkennbar – mehr Uniformierte im Einsatz, die gegen Regelverstöße vorgehen und den Kontrolldruck auf die Drogenszene erhöhen sollen. Zunächst hatte es geheißen, diese polizeiliche Offensive sei wegen der personellen Kapazitäten der Behörde zeitlich begrenzt. „Wir haben uns aber darauf verständigt, das zu verstetigen“, sagte der Bürgermeister. Ein zweiter wichtiger Punkt ist laut Sieling der verstärkte Einsatz sogenannter Fahrgastbegleiter der BSAG. Sie sollen an der Straßenbahn-Haltestelle vor dem Hauptbahnhof, aber auch in den Fahrzeugen auf bestimmten Strecken durch ihr Auftreten für ein verbessertes Sicherheitsgefühl bei Passagieren und Passanten sorgen.

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Mit der Übernahme von Müllabfuhr und Straßenreinigung durch die neu gegründete „Bremer Stadtreinigung“ zum 1. Juli soll sich nach Darstellung des Bürgermeisters auch die Sauberkeit rund um den Hauptbahnhof verbessern. „Das ist vertraglich so vereinbart, wir wollen das Problem der Vermüllung entschlossen angehen“, so Sieling. Ein letzter wesentlicher Punkt der Strategie ist es, die Trinker- und Drogenszene vom Bahnhofsvorplatz wegzulotsen. Vorbild ist dabei offenbar ein Projekt in Hannover. Dort war im November vergangenen Jahres die Drogenhilfeeinrichtung „Stellwerk“ in unmittelbarer Bahnhofsnähe gestartet. Im „Stellwerk“ gibt es eine medizinische Ambulanz, Duschen, eine Möglichkeit zum Wäsche waschen sowie Beratungsangebote. In einem Aufenthaltsbereich mit Küche können sich die Süchtigen für zwei Euro eine warme Mahlzeit kaufen. „Wir bemühen uns jetzt, im Bahnhofsumfeld eine Immobilie zu finden, in der ein ähnliches Angebot etabliert werden kann“, sagte der Bürgermeister.

Die Innere Mission, eine Einrichtung der Diakonie, ist bereits dabei, eine solche Einrichtung aufzubauen. Sie soll an der Ostseite des Bahnhofs entstehen, dort wo das Intercity-Hotel endet und die Fußgängerbrücke am Gustav-Deetjen-Tunnel beginnt. Allerdings handelt es bei dem geplanten Treffpunkt nicht um ein festes Gebäude, sondern um einen mit Witterungsschutz versehenen Bereich im Freien. Zielgruppe ist die Trinker- und Drogenszene, die sich bisher im Haltestellenbereich der BSAG trifft. Die Innere Mission hat inzwischen auch Streetworker eingestellt, die in der zweiten Jahreshälfte ihre Arbeit aufnehmen und den Kontakt zur Szene herstellen sollen.

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Das gesamte Maßnahmenpaket soll nach den Vorstellungen des Bürgermeisters spätestens im März 2019 seine volle Wirkung entfalten. Dann steht die Eröffnung des City-Gate-Komplexes vis-à-vis des Bahnhofs an. Das 100-Millionen-Euro-Projekt kombiniert Hotelerie und Gastronomie mit Büros, Praxen sowie Einzelhandel und gilt als wichtiger städtebaulicher Beitrag zur Aufwertung der Bahnhofsvorstadt.

„Wir dürfen die Straße nicht verlieren“

Auch Polizeipräsident Lutz Müller hält das Erscheinungsbild des öffentlichen Raumes für mehr als eine ästhetische Frage. Auf der Hemelinger Veranstaltung sagte Müller, es gebe seit Jahren eine Diskrepanz zwischen der objektiven Sicherheitslage, die durch einen Rückgang der Kriminalität gekennzeichnet sei, und der gefühlten Sicherheit in breiten Kreisen der Bevölkerung. Offenbar wirke auch die Vermüllung von Teilen des öffentlichen Raumes, wie sie etwa am Hauptbahnhof zu beobachten sei, auf das Sicherheitsempfinden der Bürger ein. „Schmutz, Vandalismus, dazu Regelverstöße und Aggressivität etwa im Straßenverkehr – das sind alles Faktoren, die im engeren Sinne nichts mit Kriminalität zu tun haben, aber sehr wohl als bedrohlich empfunden werden“, erläuterte Müller seine Sicht der Dinge. „Wir dürfen die Straße nicht verlieren“, mahnte er. Die Polizei werde deshalb künftig verstärkt auch gegen „niedrigschwellige Regelverstöße“ vorgehen.

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