Innovation eines Bremer Markenzeichens

Bremer Haus sucht Bräutigam

Architekten haben den Haustyp des Bremer Hauses neu entwickelt. Die ersten Reihenhauszeilen dieses Typs komplett aus Holz entstehen in Bremen-Osterholz.
29.03.2019, 19:29
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Haus sucht Bräutigam
Von Christian Hasemann
Bremer Haus sucht Bräutigam

Mitglieder der Ideenwerkstatt „Neues Bremer Haus“ präsentierten die Vorentwürfe.

Martin Rospek

Es ist ein architektonisches Markenzeichen der Hansestadt: das sogenannte Bremer Haus. Diesen Stadtbild prägende Gebäudetyp aus dem 19. Jahrhundert möchten Bremer Senat und Bremer Heimstiftung neu erfinden. In der Architektenkammer Bremen waren nun die ersten Entwürfe des neuen alten Gebäudetyps zu sehen. Auf einer Art „Hochzeitsmarkt“ sollen die Häuser mit zukünftigen Bauherren vermählt werden.

Drei Stockwerke, unterschiedliche Fassadengestaltung, ebenerdiges Erdgeschoss sowie individueller und flexibler Zuschnitt für verschiedenste Wohnformen und komplett aus Holz – so stellen sich die sieben Gewinner-Entwürfe dar, die die Jury aus Architektenkammer, Wirtschafts- und Bauressort sowie der Bremer Heimstiftung aus 25 Entwürfen ausgewählt hat. Auf den ausgestellten Skizzen waren zwar nur die Fronten der Holzhäuser zu erkennen, aber diese deuteten schon an, dass auf dem Ellener Hof in Osterholz etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges entstehen könnte, das sich von der uniformen Serienbauweise der großen Bauträger abhebt.

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Senatsbaudirektorin Iris Reuther sieht in den Entwürfen für den Ellener Hof eine Blaupause auch für andere Quartiere, die derzeit geplant und entwickelt werden. „Ich glaube, dass wir das Thema Bremer Haus auch an anderen Stellen darstellen und in anderen Quartieren entwickeln können.“ Konkret sprach sie das Gelände der ehemaligen Galopprennbahn an – unter der Voraussetzung, dass der Volksentscheid keine Bebauung verhindert. Aber auch im Hulsberg-Quartier und in der Gartenstadt Werdersee könnten noch Reihenhauszeilen des Typs „Neues Bremer Haus“ entstehen.

Vom High-Tech-Holzhaus bis zum Basishaus

Oliver Platz, Präsident der Architektenkammer, betont, dass die Entwürfe keine fertige Auswahl für künftige Bauherren darstellten. „Sie sollen einen Fingerzeig geben, wie es aussehen könnte, wie die Haltung des Architekten ist.“ Zuschnitt, Gestaltung, Ausstattung – all dies können Bauherren oder auch Baugenossenschaften frei mit den Architekten aushandeln. Vom High-Tech-Holzhaus bis zum Basishaus mit späterer Ausbaumöglichkeit soll vieles möglich sein.

Alexander Künzel, Alterspräsident der Heimstiftung, weist auf eine weitere Besonderheit hin, die das Bauen erschwinglich machen soll. „Die Grundstücke werden in Erbpacht vergeben.“ Das seien knapp 50 000 Euro weniger an Kosten, die auf potenzielle Interessenten zukommen. Fällig wird allerdings ein sogenannter Erbzins, der die langfristigen Einnahmen der Heimstiftung sichert.

Die Bremer Heimstiftung entwickelt in Zusammenarbeit mit der Bau- und Wirtschaftsbehörde ein sozial-ökologisches Modellquartier auf dem zehn Hektar großen Gelände des ehemaligen Jugendheims Ellener Hof in Osterholz. Zunächst sollen 23 Grundstücke für neue Bremer Häuser zur Verfügung stehen. Weitere könnten später hinzukommen. In der kommenden Woche kommt es in der Kultur-Aula auf dem Ellener Hof zum ersten „Heiratsmarkt“. Die Architekten treffen mit ihren Entwürfen auf potenzielle Bauherren. Letzter Schritt wird sein, dass die Bauherren mit den Architekturbüros Verträge abschließen.

Weitere Informationen

Am Donnerstag, 4. April, um 17.30 Uhr werden die Pläne in der Kultur-Aula auf dem Ellener Hof, Ludwig-Roselius-Allee 181, vorgestellt. Bauwillige und Architekten haben die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen.

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