Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe bleibt aktiv

Initiative „Bremer helfen Bremern“ hat sich etabliert

Hilfe ist immer nötig, da ist die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe sicher. Die Organisation blickt auf 75 Jahre Unterstützung von bedürftigen Menschen in Bremen zurück und will ihnen auch künftig beistehen.
29.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Initiative „Bremer helfen Bremern“ hat sich etabliert
Von Frauke Fischer

Aus einer Bürgerinitiative, die Bremens damaliger Bürgermeister Wilhelm Kaisen 1945 ins Leben gerufen hat, ist eine breite Bewegung geworden. Unter dem Motto „Bremer helfen Bremern“ hilft die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe (WKB) – früher Volkshilfe – inzwischen seit 75 Jahren bedürftigen Bremerinnen und Bremern. Sie sammelt Geld und sorgt dafür, dass es vor Ort durch die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege für konkrete Hilfsprojekte benutzt wird.

Für Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff, der durch sein Parlamentsamt auch der Vorsitzende der Wilhelm Kaisen-Bürgerhilfe ist, hat das Jubiläum "einen hohen Wert“. Imhoff schätzt das Zusammentreffen mit vielen Menschen in den Stadtteilen.

Und allein beim 17. Wilhelm-Kaisen-Bürgermahl im November vergangenen Jahres seien gut 47 000 Euro für den guten Zweck zusammengekommen, blickt er auf die Benefizveranstaltung zurück, an der Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, als Ehrengast teilgenommen hat. Ein solches Fest sei in diesem Jahr nicht möglich, bedauert der WKB-Vorsitzende. „Aber wir lassen uns etwas einfallen“, verspricht er.

Armut an jeder Ecke

„Armut in Bremen trägt keine Lumpen, doch da ist sie trotzdem. Wer genau hinschaut, wer mit den Mitarbeitern der Wohlfahrtsorganisationen spricht, wird sie an vielen Ecken finden: Kinder, Alte, Alleinerziehende, Behinderte, Migranten und viele, zu viele andere. Sie alle sind Bürger dieser Stadt.“ So steht es in der Chronik der WKB. Von Anfang an und bis heute verfolgt sie das Ziel, bedürftigen Bremerinnen und Bremern zu helfen.

Ihre Finanzhilfe speist sich aus Spenden, auch beim Wilhelm-Kaisen-Bürgermahl, und dem Geld, das Besucherinnen und Besucher der Bremer Innenstadt vor dem Haus der Bürgerschaft in das Bremer Loch werfen. Gefördert wird die WKB auch mit Lotto- und Totomitteln.

Lesen Sie auch

Den Namen Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe erhielt die frühere Volkshilfe erst im Jahr 1995 in Erinnerung an Bremens ersten Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen, der als Symbolfigur für den Wiederaufbau Bremens nach 1945 gilt. Denn dieser rief im Sommer 1945 eine Bürgerinitiative ins Leben. Die Stadt war zerbombt, ihre Infrastruktur verwüstet, ihre Bürger verzweifelt. Sieben Millionen Kubikmeter Schutt und Trümmer türmten sich auf, 60 Prozent der Wohnungen waren zerstört, wie aus der Historie der Bürgerhilfe hervorgeht. Geld wurde gesammelt. Auch Hausrat, Kleidung oder Schuhe waren gefragt, um Ausgebombte und Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen.

Während in der Nachkriegszeit notleidende Menschen mit Mahlzeiten, Kleidung oder einer Unterkunft zu versorgen waren, wurden zunehmend Hilfsprojekte für sozial schwache und benachteiligte Menschen in der Hansestadt gefördert. Beispielsweise wurden Kinder, alleinerziehende Mütter, Senioren oder Kranke finanziell unterstützt. Auch das ist in der Chronik nachzulesen. Und unter dem Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Henning Scherf wurde im Jahr 2000 auch ein Kuratorium für die WKB ins Leben gerufen.

Es gibt immer wieder Geschichten und Medienberichte, auch im WESER-KURIER, über die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe und den engagierten, über die Stadt hinaus, berühmten Bremer Politiker. So hat Ilse Kaisen, die 2013 verstorbene Tochter des Namensgebers, immer wieder davon erzählt, wie sie ihren Vater und seinen Einsatz für das Bundesland wahrgenommen hat.

Schnelle und unbürokratische Hilfe

Ebenso wird Hartmut Perschau, Bürgermeister a.D., von der WKB zitiert: „Die wahren Dramen des Lebens spielen sich oft im eigenen Heim ab, innerhalb der Familie. Wenn da etwas eskaliert, wenn man aus seinem gewohnten Leben raus muss, steht man mit Nichts da. Gut, wenn jemand schnell und unbürokratisch hilft. Auch deswegen spende ich für die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe!“

Für Luise Scherf, Ehefrau des einstigen Bremer Bürgermeisters Henning Scherf und nach wie vor vielfach engagierte Freiwillige, kann viele Gründe aufzählen, weshalb sie für die WKB spendet. Vor allem die Unterstützung eines Bereiches hält sie auch heute für sehr wichtig: „Mutter werden ist nicht schwer. Mutter sein… Es ist wahrscheinlich die größte Herausforderung im Leben. Dabei ist jede Hilfe willkommen.“

Das Fundament für die einstige Volkshilfe legten Wilhelm Kaisen und die bremischen Wohlfahrtsverbände also vor Jahrzehnten und unter anderen Voraussetzungen. Zu ihnen gehören die Innere Mission, die Arbeiterwohlfahrt, der Caritasverband, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz und die Jüdische Gemeinde Bremen. Sie wirken weiterhin zusammen. Die Verwendung der Gelder für die Hilfsangebote kontrollieren übrigens laut Chronik Jahr für Jahr Rechnungshof und Innensenator.

Lesen Sie auch

Weitere Informationen

Wer sich näher über die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe informieren oder dafür engagieren möchte, findet mehr darüber im Internet unter www.bremer-helfen-bremern.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+