Detailfragen zum Impfen noch offen Erster Probelauf im Bremer Impfzentrum

Der erste Probelauf im Impfzentrum an der Bürgerweide erfolgt wenige Tage vor dem Start der Arbeit - und auch die Verträge mit den dort arbeitenden Ärzten werden noch ausgehandelt.
23.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Timo Thalmann und Sabine Doll

Wenige Tage vor dem Start der Corona-Impfungen sind in Bremen noch einige Fragen zum Impfzentrum ungeklärt. So sind derzeit die Dienstverträge mit den Ärzten noch nicht fertig ausgehandelt, die ab Montag ihre Arbeit im Impfzentrum aufnehmen sollen. Viele andere Bundesländer haben bereits konkrete Vereinbarungen abgeschlossen. In Berlin etwa wird laut „Ärztezeitung“ direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet. Die Arbeit der Ärzte wird dort vom Land mit 120 Euro pro Stunde vergütet.

Für medizinische Fachangestellte sollen 60 Euro pro Stunde bezahlt werden. In Hamburg ist die Kassenärztliche Vereinigung direkt der Betreiber des Impfzentrums und kalkuliert mit ähnlichen Stundensätzen. An diesem Mittwoch wird es nach Angaben von Kersten Artus, Sprecherin des Gesundheitsressorts, einen Probelauf im Impfzentrum geben. Die späteren Mitarbeiter werden im Vorfeld zudem in Sachen Datenschutz, Bürgerorientierung und zur digitalen Dokumentation der Impfungen geschult.

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Dass ein erster Probedurchlauf erst kurz vor dem Impfstart geschieht, sieht die Behörde nicht als Problem an: „Der Schwerpunkt der Impfkampagne wird zu Beginn bei den mobilen Teams in den Pflegeheimen liegen“, sagt Artus. Ins Impfzentrum komme zunächst ausschließlich Personal aus diesen Einrichtungen, das durch die mobilen Teams nicht erreicht wurde.

Deshalb liege der Fokus derzeit auf der optimalen Vorbereitung der mobilen Impfungen. „Wir wollen zum Beispiel sicherstellen, dass überall dort, wo die hochbetagten Bewohner einen gesetzlichen Betreuer haben, schon im Vorfeld alle notwendigen Gespräche und Einwilligungen erledigt sind.“ Die mobilen Impfteams sollen sich allein auf die Impfungen konzentrieren können. Laut Artus weisen die ersten Rückmeldungen aus den Einrichtungen auf eine sehr hohe Impfbereitschaft von Bewohnern und Personal hin.

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Andere Städte und Kommunen haben teilweise vor mehreren Wochen mit Probeläufen in ihren Impfzentren begonnen – obwohl sich auch dort das Impfgeschehen zunächst vorwiegend in den Pflegeeinrichtungen abspielen wird: In der Donauhalle in Ulm etwa wurde am 22. November der Impfablauf mit 100 Statisten getestet, wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtete. In dem Zentrum sollen künftig 120 Menschen pro Stunde gegen das Coronavirus geimpft werden können. In dem Darmstädter Kongresszentrum „Darmstadtium“, wo nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ mehrere Monate lang 1000 Menschen pro Tag geimpft werden sollen, hatten Dutzende freiwillige Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes am 5. Dezember die Abläufe in einem Test erprobt und analysiert.

Im Bremer Impfzentrum in der Messehalle 7 sind nach jetzigem Planungsstand unter Volllast rund 1800 Impfungen pro Tag möglich. Vorgesehen sind dafür zehn sogenannte Impfstraßen, die in einem Zwei-Schicht-Betrieb gefahren werden. Dafür werden rund 110 Mitarbeiter benötigt. Neben Ärztinnen und Ärzten, die vor allem die Aufklärungsgespräche vor der eigentlichen Impfung führen und bei Notfällen bereitstehen, wird dies sogenanntes impfbefähigtes Personal wie examinierte Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte sein. Die Aufbereitung des tiefgekühlten Impfstoffes zur fertigen Impflösung liegt in der Hand von medizinisch-technischen Angestellten (MTA), die gewöhnlich in Apotheken tätig sind.

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Gebraucht werden aber auch Sanitäter sowie Mitarbeiter für den Empfang und Helfer, die etwa beim Ausfüllen von Dokumenten unterstützen oder Personen mit Handicaps begleiten. Nicht zuletzt ist Sicherheitspersonal vorgesehen. Für die 14 mobilen Teams im Zwei-Schicht-Betrieb werden weitere 150 Personen benötigt. Wann es zu einer Volllast im Impfzentrum mit diesem Personalbedarf kommt, hängt von der Zahl der verfügbaren Impfdosen ab.

Das Gesundheitsressort kalkuliert derzeit für den Januar mit wöchentlichen Lieferungen von rund 5000 Impfdosen, von denen immer jeweils ein Fünftel nach Bremerhaven geht. „Deswegen gehen wir davon aus, dass der Schwerpunkt der Tätigkeit im gesamten Januar in den Pflegeeinrichtungen liegt“, sagt Artus. Abhängig von der Impfstoffmenge werden danach die über 85-Jährigen angeschrieben, um Termine im Zentrum zu vereinbaren. Allein diese Gruppe umfasst in Bremen rund 10.000 Personen.

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