Vorteile für Beschäftigte und Unternehmen Bremer Initative fordert Arbeitszeitverkürzung

Bremen. Die Kurzarbeit während der Krise hat gezeigt: Reduzierung von Arbeitszeit trägt entscheidend dazu bei, Arbeitsplätze zu erhalten. Eine Bremer Initiative hat nun ein ABC der Arbeitszeitverkürzung vorgestellt
14.07.2011, 18:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Annemarie Struss-v. Poellnitz

Bremen. Die Kurzarbeit während der Krise hat gezeigt: Reduzierung von Arbeitszeit trägt entscheidend dazu bei, Arbeitsplätze zu erhalten. Auch die Betriebe haben profitiert, denn sie konnten im Aufschwung schnell wieder durchstarten. Arbeitszeitverkürzung verhindere nicht nur Entlassungen, sondern sei ein wirksames Instrument gegen den drohenden Fachkräftemangel, die Zunahme von Burnout und ermöglicht eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, behauptet die Bremer Arbeitszeitinitiative.

Sie stellte am Donnerstag ihr "ABC der Arbeitszeitverkürzung" vor, ein handliches Heft im Postkartenformat mit ebenso handlichen Argumentationshilfen in der Auseinandersetzung um eine gerechte Verteilung der Arbeit.

Wie das in der Praxis aussehen kann, schilderte Jens Bujok, Betriebsratsvorsitzender bei Beck & Co. Dort können Mitarbeiter zwischen befristeter und dauerhafter Teilzeit wählen. Die Arbeit kann individuell bis zur Halbierung der regulären Zeit gekürzt und der Freizeitanspruch je nach Abteilung von halben Tagen bis zu monatlichen Freizeitblöcken abgebaut werden. Von den verschiedenen Teilzeitmodellen machten 140 bis 160 der insgesamt 1400 Beschäftigten Gebrauch, sagt Bujok. Rund 100 Beschäftigte haben sich dafür entschieden, ihr Weihnachtsgeld in eine Gutschrift von 200 Stunden auf ihr Arbeitszeitkonto umzuwandeln.

Zeit gegen Geld

Zeit gegen Geld, das scheint auch bei ArcelorMittal für viele Beschäftigte ein gutes Geschäft zu sein - vorausgesetzt, das Geld reicht trotzdem noch, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Bei den Stahlwerken mussten ab 2003 laut Rationalisierungsplan 1000 Stellen abgebaut werden. Die Sollzahlen wurden auf einzelne Abteilungen umgelegt. "Die Kollegen konnten dann entscheiden, ob die Stellen wegfallen sollen oder alle auf einen Teil ihrer Arbeitszeit verzichten", sagt Betriebsrat Ralf Niemann. Inzwischen hat sich die Situation entspannt, wer will, kann wieder Vollzeit arbeiten. Aber mindestens eine Abteilung arbeite weiter geschlossen in Teilzeit, soNiemann. Dadurch seien dort zwei neue Stellen geschaffen worden.

Arbeitszeitverkürzung sollte aber nicht nur defensiv als Instrument zur Abwehr von Verschlechterungen, sondern offensiv genutzt werden, um Arbeit umzuverteilen. Das fordert die vor sechs Jahren gegründete Bremer Arbeitszeitinitiative. Beteiligt sind die Arbeitnehmerkammer, IG Metall und ver.di sowie der DGB, die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), das Forum Zeiten der Stadt und attac Bremen.

Das Thema liege nicht gerade im Trend, gibt Kornelia Pieper von ver.di zu. Kaum sei die Krise vorbei, werde schon wieder 40 Stunden und mehr gearbeitet. Dieser Entwicklung wolle man mit dem "ABC der Arbeitszeitverkürzung" etwas entgegensetzen. Die bisherige Arbeitszeitverteilung hält Margareta Steinrücke von der Arbeitnehmerkammer für wenig zukunftsträchtig. Sie sieht auf der einen Seite Beschäftigte, deren tatsächliche Arbeitszeit seit etwa zehn Jahren kontinuierlich steigt. Auf der anderen Seite gibt es laut Steinrücke eine Arbeitsplatzlücke von sechs Millionen. So hoch beziffert sie die Zahl der Arbeitswilligen, neben den als arbeitslos Gemeldeten auch ältere Arbeitnehmer und Frauen mit Kindern. Gerade wegen des vielbeschworenen demografischen Wandels sei es notwendig, Arbeit anders zu verteilen, um mehr Frauen die Teilnahme am Erwerbsleben zu ermöglichen und ältere Arbeitnehmer länger in den Unternehmen zu halten.

Arbeitszeitverkürzung werde auch ein zentrales Thema der Gewerkschaftstage von ver.di und IG Metall im Herbst sein, kündigte Kornelia Knieper an.

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