EU-Jugendstrategie

Bremer Jugendliche und Politiker diskutieren über Europa

Der Jugendring hat ins Buntentor eingeladen, um über die Zukunft Europas zu diskutieren und Vorschläge für die Erneuerung der EU-Jugendstrategie zu erarbeiten. Auch Bremer Politiker mischten sich ein.
04.02.2018, 17:00
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Von Gerald Wessel
Bremer Jugendliche und Politiker diskutieren über Europa

Lena Kramer (rechts) hat den Workshop "Umwelt und Nachhaltigkeit" geleitet. Am Samstagmorgen grübelten die Jugendliche über Schwerpunkte wie diesen.

Björn Hake

h einmischen, das ist offensichtlich. Doch noch hält sich der Bremer Europaparlamentarier Joachim Schuster (SPD) zurück. Ein junger Mann, offenbar mit muslimischen Hintergrund, diskutiert heftig mit Elisabeth Motschmann, die für die CDU im Bundestag sitzt. Der Islam stelle für Frauen eine Herausforderung dar, entgegnet sie noch, ehe Schuster es nicht mehr länger aushält. „Bei manchen Spielarten des Katholizismus spielen Frauen auch keine Rolle“, sagt er. Schlagartig versteinert Motschmanns Mimik, die Diskussion im Jugendfreizeitheim Buntentor hat ihren ersten Höhepunkt erreicht.

Bei der Veranstaltung „Du – Europa – wir“ haben sich die Jugendlichen am Wochenende nicht nur mit Bremer Politikern auseinandergesetzt, sondern auch über die Themenblöcke Digitalisierung, Jugendbeteiligung, Mobilität und Umwelt gesprochen. Ziel der Veranstalter, der Bremer Jugendring in Kooperation mit dem Jump-Team, war es, die Ideen der jungen Menschen aufzunehmen und bis Ende des Jahres eine EU-Jugendstrategie zu erarbeiten.

Motschmann: "Viele Menschen setzen Islam und Islamismus gleich"

Am Nachmittag stellten sich mehrere Politiker verschiedener Parteien den Vorschlägen und Fragen der jungen Menschen. Einer von ihnen war jener offenbar muslimische junge Mann, der über die heutige und zukünftige Rolle des Islams sprechen wollte. „Der Begriff Leitkultur ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“, sagte er. „Demnach muss sich die Gastkultur einer Leitkultur unterordnen?“ Seine persönliche Antwort gab er direkt im Anschluss: „Ich sehe das nicht so, ich bin ein Teil der Gesellschaft.“

Die CDU-Politikerin Motschmann antwortete, der Islam sei zwar schon in Europa angekommen, da hier viele Menschen lebten, die muslimischen Glaubens seien. Aber die Religion mache eben auch vielen Menschen Angst. „Sie setzen Islam und Islamismus gleich“, begründete die Bundestagsabgeordnete. Henrike Müller, Grünen-Abgeordnete in der Bürgerschaft, widersprach: Von einer Gleichstellung der Religionen sei man in Deutschland weit entfernt, man schaue sich nur die Feiertage an. Außerdem habe Europa ein Problem mit Säkularität. Neben Motschmann und Müller waren auch die Bundestagsabgeordneten Doris Achelwilm (Linke) und Sahhanim Görgü-Philipp (Grüne) sowie Alina Winter aus dem Beirat Obervieland, ebenfalls Grünen-Politikerin, in der Runde.

Kostenlose Interrailtickets? Schuster: "Sinnlos"

Gesprochen wurde aber längst nicht nur über Religion. Auch über zwei der am Vormittag erarbeiteten Vorschläge gab es Diskussionen: kostenfreie Interrailtickets zur Reise durch die EU sowie die Unterstützung beim Lernen einer Sprache, abseits von Englisch, auch nach der Schule. Zwar war bei der Veranstaltung kaum jemand gegen diese Ideen, allerdings stellte sich die Frage nach den Kosten für deren Umsetzung. Nur der SPD-Politiker Schuster bezeichnete Ersteres als „sinnlos Geld aus dem Fenster werfen“, da es ausschließlich den Wohlhabenden zugute komme.

Ein weiterer Streitpunkt war die Rolle einiger älterer Mitbürger in ihrer Rolle als Gegner der EU. Die Jugend stehe Europa offener gegenüber, so die Meinung der Veranstaltungsteilnehmer. Die ältere Generation wisse schlicht oft nicht, in welchem demokratischen Luxus sie in Europa lebe, sagte Henrike Müller. „Wir haben einen größeren Bedarf an der Demokratisierung der Älteren.“ Aber dass die Jugend etwa die Abstimmung zum Brexit verschlafen habe, da waren sich wiederum alle einig.

Eine Frage der Jugendlichen an Elisabeth Motschmann fiel dagegen aus dem Rahmen: Kann ziviler Ungehorsam gerechtfertigt sein? Als tief überzeugte Christin bejahte sie es, denn man solle Gott mehr gehorchen als den Menschen. So könne es Gründe für zivilen Ungehorsam geben.

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