Verzicht auf unnötige Arztbesuche in Bremen

Kita-Kinder müssen bei leichtem Schnupfen nicht nach Hause

Aus Angst vor Corona werden Kinder mit Schnupfen oft aus Kitas und Schule nach Hause geschickt und Gesundschreibungen verlangt. Zum Ärger von Eltern und Ärzten. Jetzt gibt es Anweisungen aus der Politik.
25.07.2020, 05:00
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Kita-Kinder müssen bei leichtem Schnupfen nicht nach Hause
Von Sabine Doll
Kita-Kinder müssen bei leichtem Schnupfen nicht nach Hause

Angst vor Corona: Kita- und Schulkinder werden häufig nach Hause geschickt, wenn sie Schnupfen oder Husten haben.

Marcel Kusch/dpa

Viele Eltern haben die Erfahrung in den vergangenen Wochen gemacht: Weil das Kind Schnupfen hat oder hustet, wird es vorsorglich aus Kita oder Schule nach Hause geschickt. Häufig auch mit der Bitte verbunden, ein Attest vom Kinderarzt vorzulegen, dass das Kind wieder gesund ist. Grund ist die Sorge in den Einrichtungen, dass es sich um eine Corona-Infektion handeln könnte. Viele Eltern stellt dies vor Betreuungsprobleme; Ärzte klagen über volle Praxen und warnen davor, dass die Erkältungszeit im Herbst erst noch bevorstünde. Die Verunsicherung in Schulen, Kitas und bei Eltern führe zu Kapazitätsproblemen in den Praxen, wenn die Ärzte reihenweise Gesundschreibungen ausstellen müssten. Der Vorsitzende der Kinder- und Jugendärzte in Bremen, Stefan Trapp, forderte im WESER-KURIER von der Politik eindeutigere Anweisungen an Kitas und Schulen.

Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) hat darauf reagiert und am Freitag klargestellt: Kinder benötigten kein ärztliches Attest, wenn sie einen leichten Schnupfen oder Husten hätten, heißt es in einer Mitteilung. Angesichts der niedrigen Anzahl von Corona-Infizierten in Kitas und Schulen sollten Kinder möglichst viel Normalität erfahren.

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„Aufgrund der geringen Fallzahlen gibt es derzeit auch keinen Grund, Kinder schon mit minimalen Infektzeichen wie Schnupfen oder leichtem Husten von der Betreuung auszuschließen. Kranke und durch Infekte beeinträchtigte Kinder gehören selbstverständlich nicht in die Kita. Hier vertraue ich auf das Verantwortungsbewusstsein der Eltern“, so Bogedan. Und weiter: Ärztliche Atteste zur „Gesundschreibung“ von Kindern sollten grundsätzlich nicht gefordert werden.

Derzeit würden vom Bildungs- und Gesundheitsressort gemeinsam mit dem Gesundheitsamt sowie den Kinder- und Jugendärzten erklärende Handreichungen für Eltern und Einrichtungen erstellt. Die Ärzte sind laut Trapp erleichtert, dass nun eine „pragmatische Lösung“ gefunden sei. „Durch den Verzicht auf unnötige Arztbesuche können wir uns auch im Herbst mit vielleicht steigenden Infektionszahlen auf die Versorgung der Kranken konzentrieren“, betont der Vorsitzende des Landesverbands.

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