Scharfer Wettbewerb um Fachkräfte im Pflegebereich Bremer Klinik zahlt Willkommensprämie

Bremen. Der Deutsche Pflegerat warnt vor einem dramatisch ansteigenden Mangel an Pflegekräften in den kommenden Jahren. Im Jahr 2020 werden nach Schätzung des Verbands in deutschen Krankenhäusern fast 140000 Fachkräfte in diesem Bereich fehlen. Bremens Kliniken bereiten sich schon heute auf den drohenden Personalengpass vor. Zum einen wird versucht, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, um Personal zu gewinnen. Andererseits ist bereits ein verstärkter Wettbewerb um Fachleute im Gange.
06.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. Der Deutsche Pflegerat warnt vor einem dramatisch ansteigenden Mangel an Pflegekräften in den kommenden Jahren. Im Jahr 2020 werden nach Schätzung des Verbands in deutschen Krankenhäusern fast 140000 Fachkräfte in diesem Bereich fehlen. Bremens Kliniken bereiten sich schon heute auf den drohenden Personalengpass vor. Zum einen wird versucht, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, um Personal zu gewinnen. Andererseits ist bereits ein verstärkter Wettbewerb um Fachleute im Gange.

Das Diako-Krankenhaus geht derzeit ungewöhnliche Wege, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen. 2000 Euro Willkommensprämie bietet die Klinik examinierten Pflegekräften als Anreiz, um beim Diako anzuheuern. Einigen sich beide Seiten auf eine Zusammenarbeit, gibt es 1000 Euro bei Vertragsabschluss und den Rest des Geldes nach dem Ende der sechsmonatigen Probezeit. Pflegekräften, die derzeit noch für einen anderen Arbeitgeber tätig sind, bietet das Diako außerdem an, etwaige Weihnachtsgeldrückzahlungen zu übernehmen. 'Wir wollen jedes Jahr um 3,5 Prozent wachsen, dafür brauchen wir Menschen', sagt Diako-Geschäftsführer Walter Eggers. Gerade in Ballungsräumen sei es mittlerweile schwierig, geeignetes Pflegepersonal zu finden. 'Wer sich jetzt keine ernsthaften Gedanken um seine Personalentwicklung macht, für den wird?s in Zukunft eng', ist sich Eggers sicher. Maßnahmen wie die Willkommensprämie seien beim Diako-Krankenhaus dabei nur ein kleines Element von vielen. 'Wir

suchen leistungsorientierte Mitarbeiter und die wollen gefördert und gefordert werden', sagt Eggers.

Auch Barbara Scriba-Hermann, Pflegerische Geschäftsführerin am Rotes Kreuz Krankenhaus, geht davon aus, dass sich der Fachkräftemangel im Pflegebereich dramatisch zuspitzen wird. 'Der Beruf muss für junge Menschen attraktiver werden', fordert sie. Besonders gefragt seien Entwicklungschancen innerhalb des Tätigkeitbereichs etwa durch Weiterbildung. Aber auch Faktoren wie Familienfreundlichkeit, Eigenverantwortung und Sicherheit des Arbeitsplatzes würden wichtiger.

An Interessenten für Ausbildungsplätze fehle es derzeit noch nicht. Doch genügend Azubis seien nur ein Aspekt. 'Wichtig ist, dass die Leute auch bei uns bleiben', sagt Scriba-Hermann. Sorgen bereitet der Pflegeexpertin auch das absehbare Ende des Zivildienstes. 'Früher sind viele junge Menschen erst durch den Zivi oder ein freiwilliges soziales Jahr auf Pflegeberufe aufmerksam geworden - das wird sich vermutlich ändern', sagt sie.

Den Vorstoß des Diako-Krankenhauses, potenziellen Mitarbeitern eine Willkommensprämie zu zahlen, hält Scriba-Hermann als Diskussionsgrundlage für künftige Personalpolitik durchaus für tauglich. 'Wir dürfen aber nicht vergessen, dass nicht Geld alleine einen Job attraktiv macht', betont sie.

Das findet auch Silvia Rievers, Sprecherin des St.-Joseph-Stifts. 'Letztlich sprechen wir hier von einem Beruf, der sehr viel mit Berufung zu tun hat', sagt sie. Arbeitgeber müssten sich ernsthaft fragen, wen sie bekommen, wenn sie ein solches Lockmittel einsetzen.

Obwohl die in Bremen ansässigen Kliniken bisher noch keine akuten Besetzungsprobleme im Pflegebereich verzeichnen mussten, stellen sie sich darauf ein, dass sich die Situation in den kommenden Jahren zuspitzt. Der Deutsche Pflegerat (DPR) geht davon aus, dass in deutschen Krankenhäusern bis zum Jahr 2020 fast 140000 Pflegekräfte fehlen, zehn Jahre werde die Personallücke sogar schon auf über 950000 Fachkräfte anwachsen. 'Dramatische Versorgungsengpässe in der Patientenversorgung sowie eine zunehmende Arbeitsbelastung der verbliebenen Fachkräfte sind vorprogrammiert', warnt Andreas Westerfellhaus, Präsident des DPR. Nur auf die Strategie zu setzen, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben, werde sich als fataler Irrweg erweisen. Ausländische Fachkräfte fänden innerhalb der EU und weltweit wesentlich bessere Arbeitsbedingungen vor als in Deutschland. Hoch qualifizierte Pflegekräfte - auch aus Deutschland - suchten deshalb zunehmend ihr berufliches Umfeld in anderen Staaten. 'Es

gilt, die Attraktivität der Pflegeberufe immens zu steigern', fordert Westerfellhaus. Neben verbesserten Rahmenbedingungen hält der DPR-Präsident auch deutlich höhere Bezahlung für unabdingbar.

Den trüben Aussichten auf dem Fachkräftemarkt zum Trotz möchte Diako-Geschäftsführer Walter Eggers auch in den kommenden Jahren am eingeschlagenen Wachstumskurs festhalten. Den nötigen Optimismus schöpft er unter anderem aus der Tatsache, dass die Strategie, neues Personal mit goldenem Handschlag zu begrüßen, bereits aufgegangen ist. Nur wenige Tage nach Veröffentlichung der Annonce waren die meisten freien Stellen besetzt.

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