Sorge über Impfbereitschaft Moderna-Impfstoff nur für Bremer Kliniken

Der frisch zugelassene Corona-Impfstoff von Moderna geht in Bremen zunächst nur an Krankenhäuser. Zugleich wächst die Sorge über eine sich abzeichnende eher niedrige Impfbereitschaft des Pflegepersonals.
07.01.2021, 20:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Doll und Timo Thalmann

Am Mittwoch hat die Europäische Arzneimittelagentur den Corona-Impfstoff von Moderna zugelassen. Im Laufe der nächsten Woche sollen die ersten Lieferungen in Bremen eintreffen. „Wir haben die Zusage bei der ersten Lieferung für 1200 Impfdosen. Danach soll es voraussichtlich Lieferungen alle zwei Wochen geben“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Der neue Impfstoff soll zunächst ausschließlich an die Kliniken gehen, damit als erstes Ärzte, Pflegekräfte und anderes Personal in besonders gefährdeten Bereichen geimpft werden können. Dies sind etwa Intensiv- und Covid-Stationen sowie Notaufnahmen.

Wann die Impfungen in den Krankenhäusern abgeschlossen sein werden, hängt auch vom Umfang der Lieferungen ab. „In den besonders gefährdeten Bereichen geht es zunächst um 4000 bis 5000 Personen. Bleibt es bei der jetzt angekündigten Größenordnung, würde das für diese Gruppe konservativ gerechnet mindestens zehn Wochen dauern“, so Fuhrmann. Wie bei dem Biontech-Impfstoff sind zwei Spritzen erforderlich, bei Moderna nach vier Wochen. Ein Fünftel der gelieferten Dosen geht – wie bei dem Biontech-Mittel Comirnaty – an Bremerhaven.

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Sorge bereitet der Gesundheitsbehörde die Impfbereitschaft. Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) hatte am Montag einen Aufruf an Klinikpersonal veröffentlicht, sich impfen zu lassen. Bei einer Befragung im Dezember hätten sich „nur 50 Prozent der Pflegekräfte für eine sofortige Teilnahme an einer Impfung ausgesprochen“, teilt die Fachgesellschaft mit. „Ein stückweit ist das problematisch und unverständlich“, kommentiert Fuhrmann die Ergebnisse der Befragung. Auch bei der Grippe-Impfung sei dies immer wieder ein Thema.

Die Kliniken in Bremen haben interne Kampagnen gestartet: Im Diako in Gröpelingen ist laut Sprecher Ingo Hartel der aktuellen Gehaltsabrechnung eine Information zur Impfung und ihrer Wirkweise beigefügt. Nicht umfassend, aber in einigen Bereichen sei die Impfbereitschaft abgefragt wurden, dort habe sie bei 40 bis 50 Prozent gelegen. „Wir setzen auf Informationen und Freiwilligkeit. Wir haben keine Impfpflicht“, so der Sprecher. Nichtgeimpfte dürften in Schutzkleidung weiterhin auf der Intensivstation arbeiten. Für die Impfung gebe es eine Priorisierung nach Risikobereichen. Das Rotes-Kreuz-Krankenhaus (RKK) informiert laut Sprecherin Dorothee Weihe unter anderem in Teamgesprächen. Häufige Fragen und Antworten zur Impfung seien zudem per Newsletter veröffentlicht worden. „Wir gehen von einer insgesamt hohen Impfbereitschaft, von mehr als 70 Prozent, aus.“ In Stufe eins könnten etwa 260 Mitarbeiter geimpft werden, danach weitere 300 mit engem Patientenkontakt außerhalb der Hochrisikogruppe.

Impfteams stehen bereit

Der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) hat das Personal in vier Risikogruppen für die Impfung eingeteilt, wie Sprecherin Karen Matiszick mitteilt. Die Gruppe mit der höchsten Priorität umfasse etwa 3000 Beschäftigte. Gefühlt werde eine große Impfbereitschaft wahrgenommen, eine interne Kampagne solle gestartet werden. „Wir sind vorbereitet und können sofort anfangen, sobald wir die ersten Impfdosen bekommen haben. An allen Standorten stehen Impfteams bereit“, betont die Sprecherin. Die Abläufe seien bereits durchgespielt worden. Auch bei der Geno ist der betriebsärztliche Dienst zuständig. Zusätzlich hätten sich Mitarbeiter zur Unterstützung gemeldet. Neben 3200 Pflegekräften und etwa 1200 Ärzten gebe es viele weitere Berufsgruppen, die direkten Patientenkontakt hätten oder in Risikobereichen tätig seien – dazu zählten Therapeuten, Reinigungskräfte sowie Patientenhol- und -bringdienste.

In den Bremer Pflegeheimen fällt die Impfbereitschaft der Beschäftigten in einer ersten Bilanz sehr unterschiedlich aus. Die jeweiligen Träger der Einrichtungen berichten von Impfquoten zwischen 40 und mehr als 90 Prozent beim Personal.

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Die dabei von Susanne Brockmann, Pflegedirektorin der Bremer Heimstiftung, bislang genannten 30 bis 40 Prozent beziehen sich laut dem Betriebsratsvorsitzenden Matthias Ruckelshausen auf Rückmeldungen aus sieben von insgesamt 16 stationären Pflegeeinrichtungen der Heimstiftung. „Ich gehe davon aus, dass die Quoten noch steigen“, sagt er und führt auch praktische Hindernisse für die Impfungen des Personals vor Ort an. „Wir hatten zum Beispiel den Fall, dass der Impfstoff der mobilen Teams nicht für alle Impfwilligen gereicht hat." Die Betroffenen würden jetzt Termine im Impfzentrum wahrnehmen.

Unfruchtbarkeit befürchtet

Auch habe es Empfehlungen gegeben, nicht das komplette Personal auf einmal zu impfen, weil Nebenwirkungen wie Schmerzen um die Einstichstelle auftreten könnten. „Wenn sie dann ein ganzes Pflegeteam haben, das nicht mehr heben kann, ist das schlecht.“ Allerdings habe sich auch gezeigt, dass vor allem junge Frauen abwartend bis skeptisch auf das Impfangebot reagierten. „Viele befürchten völlig unbegründet, dadurch unfruchtbar zu werden“, berichtet Ruckelshausen. Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und die Caritas bestätigen, dass eine Impfung mit dieser Begründung häufig abgelehnt werde.

„Das ist eine typische von Impfgegnern verbreitete Geschichte“, sagt dazu Fuhrmann. Hier brauche es offenbar weitere Aufklärung und Information. Derzeit bereite man dafür etwa Videosprechstunden und weitere digitale Formate vor, um die zumeist jungen Pflegekräfte anzusprechen. "Aber nichts ersetzt die direkte Ansprache durch die Pflegedienstleitungen und Arbeitgeber“, sagt Fuhrmann. Simone Lause, Sprecherin der Caritas, berichtet von einem Schneeballeffekt. "Wenn sich zahlreiche Kollegen zur Impfung bekennen und dafür werben, entschließen sich auch viele Unsichere und Unentschlossene dazu."

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