Corona-Krise vergrößert Finanzloch

Bremer Klinikverbund muss Personal abbauen

Jahrelang hat Bremens städtischer Klinikverbund Geno neues Personal eingestellt, nun kommt die Rolle rückwärts: Wegen stark gesunkener Auslastung der Häuser soll insbesondere Leiharbeit verringert werden.
23.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Klinikverbund muss Personal abbauen
Von Jürgen Theiner
Bremer Klinikverbund muss Personal abbauen

Nach Jahren des Zuwachses steht bei der Geno jetzt Personalabbau an.

Frank Thomas Koch

Der städtische Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) muss im neuen Jahr sein Personal reduzieren, um die deutlich gesunkene Auslastung seiner Häuser in Mitte, Ost, Nord und Links der Weser zu kompensieren. Im Gespräch ist eine Verringerung des Stammpersonals im Volumen von rund 90 Vollzeitstellen, außerdem soll die Leiharbeit drastisch heruntergefahren werden. Von einer wirtschaftlichen Konsolidierung wird die Geno dann gleichwohl noch weit entfernt sein. Schon im kommenden Frühjahr dürfte eine neuerliche Finanzspritze erforderlich werden, um einen Kollaps abzuwenden.

Der Handlungsbedarf ergibt sich aus den Patientenzahlen, die im Geno-Verbund bereits seit 2017 rückläufig sind und im laufenden Jahr coronabedingt gegenüber 2019 nochmals deutlich abgenommen haben. Zwischen Mitte März und Anfang Mai war es den Krankenhäusern sogar verboten, planbare Operationen und sonstige Behandlungen durchzuführen, sofern eine Verschiebung medizinisch vertretbar war. Auf diese Weise sollten Betten für Covid-Patienten freigehalten werden.

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Doch auch im weiteren Verlauf des Jahres registrierten die Kliniken eine große Zurückhaltung bei den potenziellen Patienten. Die Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus hält viele nach wie vor fern, derzeit liegt die Auslastung der Geno-Häuser im Schnitt bei lediglich 60 Prozent. Wer kann, weicht auf ambulante Therapien aus, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, wie es auch in einem aktuellen Sachstandsbericht des Gesundheitsressorts zur kommunalen Krankenhauswirtschaft heißt.

Damit aber ist die gesamte bisherige Strategie für die wirtschaftliche Gesundung des Geno-Verbundes hinfällig. Sie setzte auf eine Steigerung der Fallzahlen und entsprechend höhere Erlöse. Das hat auch das Gesundheitsressort erkannt. Dort drängt man inzwischen massiv auf eine Verringerung der Personalkosten des Geno-Verbundes. In dem Sachstandsbericht wird deutlich gemacht: „Bei einem Personalkostenanteil am Umsatz von 72 Prozent inklusive Leiharbeit und 69,9 Prozent ohne Leiharbeit stimmt die Relation zwischen Leistungen und Personaleinsatz nicht.“ Zum Vergleich: 2018 (aktuellste Daten) betrug der Lohnkostenanteil des Eigenpersonals der Kliniken am Umsatz im Schnitt aller deutschen Krankenhäuser rund 61 Prozent.

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Reagieren wird die Geno nun zunächst mit einer deutlichen Reduzierung der Leiharbeit, wie Unternehmenssprecherin Karen Matiszick dem WESER-KURIER bestätigt. „Auch bei den Betten und dem eigenen Personal werden wir unsere Kapazitäten anpassen, da wir damit rechnen, dass der Bedarf an Krankenhausbetten in Zukunft geringer sein wird als bisher.“ Der Abbau der Stammbelegschaft soll laut Matiszick allerdings ausschließlich durch Fluktuation erreicht werden und nicht den Pflegesektor betreffen.

Das Thema Leiharbeit schleppt die Gesundheit Nord schon seit vielen Jahren mit sich herum. Anders als in vielen anderen Branchen ist diese Form von Beschäftigung in der Klinikwirtschaft kein Vehikel für Lohndumping – ganz im Gegenteil. Sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich gibt es eine größere Zahl von Beschäftigten, die lieber für Leiharbeitsfirmen tätig sind. Statt als Stammarbeitnehmer in starre Schichtpläne eingebunden zu sein, können Zeitarbeiter oft günstigere und flexiblere Einsatzzeiten durchsetzen und verdienen trotzdem gut. Kliniken, die solche externen Leistungen einkaufen, zahlen deshalb ordentlich drauf.

Die Belastung durch Leiharbeitskosten war in den vergangenen Jahren stets einer der Faktoren, die das Betriebsergebnis der Geno verhagelten. 2020 werden sich zudem die stark rückläufigen Patientenzahlen und Sonderbelastungen durch das Vorhalten von Corona-Behandlungskapazitäten in der Bilanz bemerkbar machen. „Es ist richtig, dass unsere Liquidität angesichts der anhaltenden Belastungen durch die Pandemie im kommenden Frühjahr bedroht wäre, wenn wir keine Unterstützung in Form von Corona-Ausgleichszahlungen bekämen“, bestätigt Karen Matiszick. Nach ihren Angaben geht es um einen Betrag von rund 50 Millionen Euro, der vom Bund und von Bremen in noch zu klärenden Anteilen aufgebracht werden muss.

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