Vereinbarung abgelehnt

Keine Einigung mit Olaf Latzel

Olaf Latzel, Pastor von St.-Martini, hat es abgelehnt, seinen Dienst bis zum Abschluss der gegen ihn laufenden Verfahren ruhen zu lassen. Der Kirchenausschuss reagierte darauf mit einer drastischen Maßnahme.
17.12.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Keine Einigung mit Olaf Latzel
Von Ralf Michel

Es gibt keine einvernehmliche Ruhe-Vereinbarung zwischen Olaf Latzel und dem Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Landeskirche (BEK). Wie die BEK am Mittwochnachmittag mitteilte, hat der Pastor der St.-Martini-Gemeinde eine solche Absprache abgelehnt. Daraufhin wurde ihm vom Kirchenausschuss der Bescheid über seine vorläufige Dienstenthebung ausgehändigt. Gegen diesen Bescheid kann Olaf Latzel Widerspruch einlegen. Aufschiebende Wirkung hätte dies nach Auffassung der Juristen der BEK jedoch nicht – die Dienstenthebung tritt demnach sofort in Kraft.

Hintergrund hierzu ist die Verurteilung Latzels wegen Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Bremen. Dort musste sich der Pastor im November wegen mehrerer Aussagen über Homosexualität verantworten. Gefallen waren diese Äußerungen in einem Eheseminar seiner Gemeinde. Vor Gericht berief sich Latzel auf die Bibel und die in der Bremischen Landeskirche garantierte Glaubens- und Lehrfreiheit. Das Gericht ließ beides nicht gelten und verurteilte ihn Anfang Dezember zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, die in eine Geldstrafe über 90 Tagessätze à 90 Euro umgewandelt wurde.

Widerspruch möglich

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – sein Verteidiger hat Berufung dagegen eingelegt und angekündigt, notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht gegen die Verurteilung anzugehen. Was sich über Jahre hinziehen könnte. Nach Auffassung des Kirchenausschusses soll Latzel bis zur endgültigen Entscheidung sein Amt ruhen lassen. „Es ist nach unserer Überzeugung nicht möglich, dass ein Pastor, der von einem Gericht der Bundesrepublik Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist, während der Dauer des Disziplinarverfahrens weiter seinen Dienst tut“, erklärte Pastor Bernd Kuschnerus, Schriftführer des Kirchenausschusses in der vergangenen Woche. Eine glaubwürdige Verkündigung des Evangeliums sei so nicht denkbar, das Ansehen der Bremischen Evangelischen Kirche würde dadurch schwer beschädigt.

Deshalb beschloss der Kirchenausschuss, Pastor Latzel vorläufig des Dienstes zu entheben. Hoffte zugleich aber darauf, mit ihm „ein Einvernehmen über das Ruhen des Dienstes während des weiteren Verfahrens“ erzielen zu können.

Fragezeichen hinter Heiligabend

Diese Hoffnung platzte am Mittwoch. Der Pastor habe es abgelehnt, sein Amt ruhen zu lassen, teilte die Landeskirche mit. Deshalb habe man ihm am Ende des Gesprächs den Bescheid über seine vorläufige Dienstenthebung überreicht. Diese gilt bis zum Ende des strafrechtlichen Verfahrens sowie des danach wieder aufzunehmenden dienstrechtlichen Verfahrens, das derzeit ruht.

Die Enthebung umfasst laut Landeskirche alle Bereiche seines Dienstes, und Latzel darf auch nicht an anderer Stelle der Landeskirche oder im Internet predigen. Selbst eine ehrenamtliche Tätigkeit für die St.-Martini-Gemeinde ist ihm untersagt. Seine monatlichen Bezüge bekommt er laut Kirchenausschuss aber weiterhin ausgezahlt, da es sich nur um eine „vorläufige“ Dienstenthebung handelt. Gegen den Bescheid kann der Pastor Widerspruch einlegen. Zunächst beim Disziplinargericht der Bremischen Evangelischen Kirche, anschließend gegebenenfalls auf Ebene der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Von Pastor Latzel gab es hierzu am Mittwoch keine Stellungnahme. Anfragen des WESER-KURIER bei ihm persönlich und im Büro der St.-Martini-Gemeinde blieben unbeantwortet. Ein Hinweis, dass man seitens der Gemeinde mit diesem Ausgang gerechnet haben könnte, findet sich im Kalender von St.-Martini. Für die drei Messen an Heiligabend ist jeweils Pastor Olaf Latzel eingetragen. Hinter seinem Namen stehen allerdings jeweils drei Fragezeichen.

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