Bremer Landgericht

Mordprozess ohne Öffentlichkeit

Vor dem Bremer Landgericht hat der Prozess gegen eine 20-Jährige begonnen, die ihren 24-Jährigen Freund ermordet haben soll. Zu Beginn wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
10.07.2020, 11:20
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Mordprozess ohne Öffentlichkeit
Von Nina Willborn
Mordprozess ohne Öffentlichkeit

Zum ersten Mal seit Jahren verhandelt das Bremer Landgericht einen Mordprozess nicht öffentlich.

CARMEN JASPERSEN/DPA

Eine 20-Jährige Bremerin muss sich seit Freitagmorgen, 10. Juli, vor dem Bremer Landgericht wegen des Verdachts verantworten, ihren Lebensgefährten ermordet zu haben. Sie selbst hatte am 31. Januar die Polizei gerufen und angegeben, den 24-Jährigen leblos in der gemeinsamen Wohnung in Huchting gefunden zu haben, schnell war aber sie selbst unter Tatverdacht geraten. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, ihren Freund mit „einem scharfkantigen Gegenstand“ eine erhebliche Anzahl von „teils tiefen und breiten Schnittwunden“ zugefügt zu haben. Die Tatwaffe war nicht gefunden worden, die Anklage geht aber davon aus, dass es sich um ein Messer handelt. Das Opfer war verblutet. Schon vor dieser Tat soll die junge Frau den Mann mehrmals misshandelt haben, zum Teil massiv.

Zu Beginn der Verhandlung schloss der Vorsitzende Richter Manfred Kelle auf Antrag der Verteidiger der Angeklagten die Öffentlichkeit aus. Die Begründung: In dem Verfahren würden sehr persönliche Lebensumstände der Angeklagten zur Sprache kommen, unter anderem Details ihres Sexuallebens. Das schutzwürdige Interesse der Angeklagten sei in diesem Fall wichtiger als das Interesse der Allgemeinheit. In dem Verfahren wird es auch um die Frage gehen, ob die Frau, falls das Gericht sie für schuldig hält, in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird. Im Moment wird sie in der Forensik im Klinikum Ost betreut. Weil die Frau zum Zeitpunkt der Tat 19 Jahre alt war, könnte die Kammer das Jugendstrafrecht anwenden.

Die Eltern des Opfers treten als Nebenkläger auf.

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