Bildungsoffensive für eine gerechtere Welt Patenschaften als Lebensaufgabe

Der pensionierte Ingenieur Karl Böhme unterstützt mit anderen Bremer Paten den Bau von Schulen sowie Schüler und ihre Familien in Indien.
05.07.2021, 15:46
Lesedauer: 4 Min
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Patenschaften als Lebensaufgabe
Von Frauke Fischer

Indien ist seine Leidenschaft, Schülerpatenschaften zu seiner Lebensaufgabe geworden: Seit 1960 engagiert sich Karl Böhme für mehr Bildung in dem großen südasiatischen Land. Der heute 85-Jährige hat Indien selbst zwölf Mal bereist, vier Schulen mitfinanziert und Kinderpatenschaften vermittelt.

"Zurzeit sind es 248 von uns geförderte Mädchen und Jungen, die in sogenannten Bordingschools vor allem in Südindien leben und dort unterrichtet werden", erzählt der ehemalige Chefkonstrukteur der in Bremen ansässigen größten deutschen Karussellbaufirma, der mehrere Patente hält. Karl Böhme hat diese Schulen, die zum Teil im Urwald stehen, besucht, um sich ein Bild davon zu machen, was sie dringend brauchen, wo eine größere Reparatur ansteht oder gar ein Neubau notwendig ist.

Wegen der Delta-Variante des Corona-Virus sei der Alltag für die Familien in Indien noch schwieriger geworden, erzählt Karl Böhme. "Durch die Corona-Pandemie haben einige Väter ihre Arbeit verloren. Die Ernährung dieser Familien ist damit jetzt besonders schwierig, mangelhaft, und so sind Kinderpatenschaften jetzt noch mehr gefragt."

Der Schulbesuch allgemein werde mit Geld oder Naturalien bezahlt, führt Karl Böhme aus. Dort bekämen alle Schulkinder auch ein Mittagessen, weiß der Ur-Bremer, der im Berufsleben viel auf Reisen gewesen ist, von seinen Besuchen vor Ort. "Obgleich nicht alle Eltern zurzeit zahlen können, bekommen weiterhin alle Schulkinder diese wichtige Mahlzeit." Meistens Reis mit Dal, getrockneten, gespaltenen Hülsenfrüchten wie Linsen, Erbsen und Bohnen. 

"Die guten, mir bekannten Lehrer und Betreuer, die jetzt besonders auf neue Kinderpaten hoffen, sammeln und verteilen natürlich auch in ihrem Bereich Spenden", sagt der pensionierte Ingenieur aus der Gartenstadt Vahr. Und auch deren Engagement bestärkt ihn darin, weiter unermüdlich Unterstützerinnen und Unterstützer für seine freiwillige Mission zu suchen. 

Durch den Patenbetrag von 18 Euro pro Monat, so erläutert es Karl Böhme, bekomme ein indisches Kind Ernährung, Bekleidung, gesundheitliche Betreuung und die wichtige Schulausbildung. "Und ist der Schulweg sehr weit", sagt er, "dann wird dieses Kind auch im Schülerwohnheim während der Schulzeit aufgenommen."    

Vor allem die Förderung der Bildung von jungen Menschen hat sich der gläubige Bremer als Ziel für sein Patenschaftsmodell gesteckt. Freunde und Bekannte, aber auch Mitglieder seiner Kirchengemeinde unterstützen seine Ideen vor allem finanziell. Sie kommen nicht nur aus Bremen, sondern auch aus anderen Teilen Deutschlands und der Schweiz. "Eine Bremerin hat sogar 15 Patenschaften", sagt Karl Böhme dankbar über die engagierten Förderinnen und Förderer.

Auch das darf ein Grund für Stolz und Freude sein, zumal sich Karl Böhme sicher ist: "Das Helfen wirkt in beide Richtungen. Wir bekommen darüber viel zurück, was uns bereichert." Nicht zuletzt erhalten die Paten von den geförderten Mädchen und Jungen zu besonderen Anlässen wie zu Weihnachten Briefe, in denen steht, was sie inzwischen erreicht haben.

Auch Karl Böhme weiß genau, was aus seinem Schützling geworden ist, wie er die Schule abgeschlossen hat und wohin ihn das angeschlossene Studium gebracht hat. Auf diese Weise seien Kontakte über die Schulzeit der Kinder hinaus entstanden, erzählt der 85-Jährige voller Freude darüber, dass seine Mission weiterhin weite Kreise zieht.

Schließlich sei Indien immer noch sehr stark von den Hindus und ihrem Kastensystem geprägt, berichtet Karl Böhme. Aus diesem Glauben heraus ist die gesellschaftliche Rangordnung in Indien festlegt. Der Religion, der Tradition entsprechend ist gerade das Leben indischer Mädchen und Frauen oft sehr schwierig, wie er berichtet.

Umso wichtiger seien gute Schulen, die auch christliche Werte vermittelten, gerade für sehr arme Menschen, die Kastenlosen, die sogenannten "Dalits". Einige Kinder müssten schon den ganzen Tag für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien mitarbeiten, weiß der Bremer. Für andere sei der Schulweg viel zu weit, oder aber es gebe eine erreichbare Schule, die jedoch in den ländlichen Gebieten oft den Namen Schule nicht verdienten.

Die meisten Besucher würden als Touristen nur die Paläste und Denkmäler in dem zehnmal so großen Land wie Deutschland besuchen. Er aber hat dort auch Slums besucht, gesehen, wo Hilfe notwendig ist. "Das ist das andere Indien", sagt er.

"Unvergesslich bleibt mir meine zwölfte Indienreise im Januar 2020", erinnert sich Karl Böhme. "Überall gab es sehr freundliche, sehr liebevolle Empfänge, besonders bei den armen Menschen, auch bei den Jugendlichen, den Schülern auf dem Lande: Sie leben in kleinen Lehm- oder Steinhäusern ohne Strom und Wasser, ohne Schränke und Tische, und sie schlafen oft auf dem Fußboden."

Ein ganz anderes Bild hätten die großen gemauerten, neuen und sauberen Schulgebäude abgegeben, fährt er fort. Dort gebe es Schülerwohnheime mit Betten und sauberen sanitären Einrichtungen. "Alle diese christlichen Schulen, die christlichen Universitäten und Krankenhäuser gehören zu Indiens besten Einrichtungen", erklärt der Bremer, der davon überzeugt ist, dass Bildung und die Vermittlung christlicher Werte zu einer gerechteren Welt beitragen.

In den zwei christlichen Schulen mit jeweils über 2500 Schülern, die er seinerzeit besucht hat, unterrichteten auch hinduistische und muslimische Lehrerinnen und Lehrer, unterstreicht Karl Böhme. "Es treffen dort Kinder aller Religionen aufeinander."

Info

Eine Patenschaft für ein Kind in Indien kostet 18 Euro im Monat. Von dem Geld können der Schulbesuch und ein Internatsaufenthalt finanziert werden. Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" in Aachen vermittelt eine Patenschaft. Es ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 02 41 / 446 10 und per E-Mail an kontakt@sternsinger.de zu erreichen. Wer möchte, kann auch per Brief Direktkontakt zu seinem Patenkind halten oder es sogar besuchen. Nähere Auskünfte über das Projekt erteilt Karl Böhme unter der Bremer Telefonnummer 467 55 16 oder per E-Mail an karl.boehme1@nord-com.net.

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