Symposium Intersword

Bremer lernen ritterliche Kampfkünste

Beim "Symposium der ritterlichen Künste" haben am Wochenende in Bremen Profis und Laien ihre historischen Kampfkünste auf die Probe gestellt - ganz nach dem Vorbild erfolgreicher Schauspieler.
08.10.2017, 16:52
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Bremer lernen ritterliche Kampfkünste
Von Antje Stürmann
Bremer lernen ritterliche Kampfkünste

Lehrer Petr Matoušek prüft sein Schwert.

Sebi Berens

Mit wutverzerrtem Gesicht führt die junge Frau ihren Säbel: von oben herab auf ihr Gegenüber zu. Wie in Zeitlupe bewegt sich die Waffe gefährlich nah bis an den Oberkörper. Kurz vorher stoppt ihre Bewegung. In der Turnhalle des Tus Huchting haben am Wochenende rund 50 Laien und Profis aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei ihre ritterlichen Kampfkünste verbessert – darunter viele Frauen. Anlass war das 2. Symposium „Intersword“.

Den formvollendeten Umgang mit dem Säbel lehrte Jan Kozak. Petr Matoušek aus Tschechien zeigte Kniffe im Kampf mit dem Langschwert, beim Ringen nach Techniken aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und im Kampf mit dem langen Messer. Kozak, Matoušek und sechs weitere Spezialisten vermittelten ihr Wissen in 18 Kursen und Vorträgen. Gebucht hatten das Symposium vor allem jene, die sich bereits seit einigen Jahren im Fechten, Stockkampf und im mittelalterlichen Tanz ausbilden lassen. „In den Grundbewegungsabläufen muss man routiniert sein“, erklärte Ralf Gutzeit, Meister der Bremer Schule Klopffechters Erben und Veranstalter des Symposiums. „Wenn man diese Bewegungen nicht drauf hat, schleichen sich bei den komplizierten Abläufen Fehler ein.“ Im Mittelalter konnte das den Tod bedeuten. Es habe aber auch Kämpfe gegeben, bei denen der Gegner nur geschlagen oder blamiert werden sollte, so Gutzeit. Heute gehe es in der Kampfkunst vor allem darum, den Gegner kontrolliert in einer Härte zu treffen, die man selber bestimme – und darum zu siegen. Voraussetzung sei, dass man den Gegner schnell einschätzen und auf seine Bewegungen reagieren könne. „Diese Techniken funktionieren nur, wenn sie genau ausgeführt werden“, so Gutzeit. In Bremen gibt es seinen Angaben zufolge drei Schulen für europäische Kampfkunst.

Symposium der ritterlichen Künste

Ralf Gutzeit (rechts) gibt seinem Schüler Robin beim "Symposium für ritterliche Künste" Tipps für den Zweikampf mit dem Schwert.

Foto: Sebi Berens

"Jackie Chan und Bruce Lee haben Kampfkunstausbildung absolviert"

Die Qualität eines Kampfes sei auf einer Theaterbühne oder im Film gut zu erkennen. „Erfolgreiche Schauspieler wie Jackie Chan oder Bruce Lee haben eine klassische Kampfkunstausbildung absolviert“, nannte Gutzeit Beispiele. In Europa gebe es noch keine gute Ausbildung für Schauspieler. „Das hat Asien uns voraus.“

Schauspieler, Choreograf und Symposiumteilnehmer Rainer Wolke ist auf den Bühnenkampf spezialisiert. „Das Erlernen dieser historischen Fähigkeiten schult meine Haltung gegenüber den Mitmenschen und dem Material, mit dem ich arbeite“, sagte er. Für seine Arbeit sei das Erlernen der historischen Kampfkünste unerlässlich: „Was wir an der Schauspielschule mitbekommen, ist nicht mehr als ein Kratzen an der Oberfläche.“ Wer eine Rolle glaubhaft interpretieren wolle, brauche eine Basis wie sie in den Workshops des Symposiums vermittelt werde. Wichtig sei die Ausbildung auch für die Darstellung ohne Waffen: „Man lernt, mit wem man es zu tun hat und ob es sich lohnt, einen Konflikt auszutragen.“

Lehrer und Meister Petr Matoušek nimmt aus Bremen Anregungen mit. Sein Ziel war es, den Teilnehmern zu zeigen, was in ihnen steckt. „Sie haben andere Künste ausprobiert, als sie trainieren.“ Das verändere die Perspektive, so Matoušek. „Verbessern sich die Schüler, macht mich das besser.“

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