"Das sind keine harmlosen Leute"

Bremer meldet Hooligan-Demo in Dortmund an

Anhänger des rechten Hooligan-Vereins „Gemeinsam Stark Deutschland“ wollen am kommenden Sonnabend durch die Dortmunder Innenstadt marschieren. Angemeldet wurde die Demonstration von einem Bremer.
07.10.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer meldet Hooligan-Demo in Dortmund an
Von Jan Oppel

Anhänger des rechten Hooligan-Vereins „Gemeinsam Stark Deutschland“ wollen am kommenden Sonnabend durch die Dortmunder Innenstadt marschieren.

Angemeldet wurde die Demonstration unter dem Motto „Schicht im Schacht – Gemeinsam gegen Terror“ von einem Bremer: Marcel Kuschela, in der Szene auch als „Captain Flubber“ bekannt. Die Veranstalter rechnen nach eigenen Angaben mit 300 Teilnehmern, die Polizei mit deutlich mehr. Linke Bündnisse planen Gegenproteste.

„Ich möchte alle Patrioten aus Deutschland aufrufen, dort hinzufahren“, sagt Kuschela in einem Videoclip, den er auf der Online-Plattform Youtube veröffentlicht hat. Der Mann mit dem Irokesenschnitt ist den Bremer Sicherheitsbehörden bestens bekannt: Kuschela gehört seit der Gründung zu den führenden Köpfen von „Gemeinsam Stark Deutschland“. Der Verein gilt als Abspaltung der Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“, kurz Hogesa. Bei deren Demonstration in Köln war es vor einem Jahr zu heftigen Ausschreitungen gekommen.

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass sich am Sonnabend mehrere Rechtsextremisten – in erster Linie Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe von „Gemeinsam Stark Deutschland“ – von Bremen aus auf den Weg nach Dortmund machen werden. „Wir werden das genau beobachten und verfolgen“, verspricht Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde.

Video-Aufruf wurde 3000 Mal geklickt

Bei früheren Treffen prügelten sich verfeindete Hool-Trupps zumeist untereinander. Am Sonnabend eint sie nun ihr gemeinsames Feindbild: Salafisten. Islamistische Terroranschläge wolle man in Deutschland nicht, sagt Kuschela in seinem Video-Aufruf, der mittlerweile etwa 3000 Mal geklickt wurde. Deswegen würden er und seine Mitstreiter am Sonnabend auf die Straße gehen. Rechte und Hooligans mobilisieren im Internet derzeit bundesweit für den geplanten Aufmarsch.

Als Gast und Redner auf seiner Demo kündigt Kuschela unter anderem den Dortmunder „Althool“ Siegfried Borchardt an. Der als „SS-Siggi“ bundesweit bekannte Rechtsextremist ist mehrfach vorbestraft. Borchardt gilt als feste Größe in der Dortmunder Neonazi- und Hooligan-Szene. Musikalisch wollen am Sonnabend die Rechtsrock-Bands Randgruppe deutsch und Oidoxie Konzerte geben.

Bisher gab es drei Demonstrationen des Vereins „Gemeinsam Stark Deutschland“. Dabei sei es stets friedlich zugegangen, behaupten die Verantwortlichen auf ihrer Internetseite. Das sehen die Sicherheitsbehörden anders. Zuletzt demonstrierte das Bündnis im April in Magdeburg. Beobachter beschrieben die Stimmung als äußerst aggressiv: Mehrere Teilnehmer hätten Polizisten und Journalisten bedrängt und bedroht.

„Das sind keine harmlosen Leute"

„Das sind keine harmlosen Leute“, sagt auch Rose Gerdts-Schiffler. Der Bremer Verfassungsschutz stufe die Mitglieder von „Gemeinsam Stark Deutschland“ als gewaltbereit und rechtsextrem ein. Diese Einschätzung teilt auch Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange. Er wollte aus Sicherheitsgründen den rechten Aufzug zunächst nicht dulden und verfügte eine Standkundgebung. Lange hatte seine Auflagen mit einer „konkreten Gefahrenprognose“ begründet. Eine Demo von Gewalt suchenden Hooligans und Rechtsextremisten sei „nicht verantwortbar“.

Kuschela wollte sich mit einer Standkundgebung nicht abfinden und klagte – in erster Instanz erfolgreich. Am Mittwoch erklärte das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen: Die Rechten dürfen marschieren. Ob diese Entscheidung bis zum Wochenende Bestand hat, ist noch fraglich.

Polizeipräsident Lange hat Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in Münster eingelegt. „Ich gehe weiterhin von einer hohen Gefahr für Unbeteiligte, andere Versammlungsteilnehmer und Polizeibeamte aus“, sagt Lange. Möglicherweise wird sich der Rechtsstreit bis kurz vor den geplanten Demostart hinziehen.

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