GEW und Linke fordern mehr Geld für HfK

Bremer Musikdozenten protestieren gegen Fristverträge

Mehrere Musikdozenten an der Bremer Hochschule für Künste (HfK) haben am Mittwoch gegen Fristverträge protestiert. Neben den unsicheren Arbeitsverhältnissen prangern sie auch eine ungerechte Bezahlung an.
19.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Musikdozenten protestieren gegen Fristverträge
Von Sara Sundermann
Bremer Musikdozenten protestieren gegen Fristverträge

Musikalischer Protest: Angehörige der HfK auf dem Marktplatz.

Frank Thomas Koch

Mehrere Musikdozenten an der Bremer Hochschule für Künste (HfK) haben am Mittwoch gegen Fristverträge protestiert. Neben den unsicheren Arbeitsverhältnissen prangern sie auch eine ungerechte Bezahlung an.

Was für viele Lehrende an Universitäten und Hochschulen gilt, das gilt für die Lehrenden an Musikhochschulen ganz besonders: Sie arbeiten oft ohne Festanstellung, viele hangeln sich jahrelang von einem Lehrauftrag zum nächsten. Am Mittwoch hat eine Gruppe von Lehrbeauftragten im Fachbereich Musik der Hochschule für Künste (HfK) auf dem Marktplatz protestiert. Dazu gaben sie ein kleines Konzert vor der Bürgerschaft – mit Cello und Piano.

„Es gibt eine konstante Nachfrage nach unserer Arbeit, es geht nicht um Orchideenfächer, sondern um den Kernbereich der Lehre“, sagt Peter Sabbagh, Sprecher der Musikdozenten an der HfK. Pro Bundesland dürften Dozenten maximal 600 Euro brutto im Monat verdienen, sagt Sabbagh, der seit 1989 an der HfK lehrt. „Die meisten von uns arbeiten für drei bis vier Hochschulen gleichzeitig – wir machen dieselbe Arbeit wie Professoren, bekommen aber nur einen Bruchteil des Geldes.“

3000 Unterschriften für feste Stellen

Die Protestaktion wurde von der Bildungsgewerkschaft GEW und einer Gruppe Studierender unterstützt. „Wir haben 3000 Unterschriften dafür gesammelt, dass die langjährige Beschäftigung von Lehrbeauftragten in feste Stellen umgewandelt werden muss“, sagt Inge Kleemann von der GEW Bremen. Diese Unterschriftenliste sei der Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses, Susanne Grobien (CDU), übergeben worden.

Auf eine Berichtsbitte der Linksfraktion hin hat die Wissenschaftssenatorin neue Zahlen zu Lehrbeauftragten der HfK mitgeteilt. Demnach wird mehr als die Hälfte der Lehre im Fachbereich Musik von Lehrbeauftragten erteilt. 20 von insgesamt 142 Musikdozenten haben seit mehr als 20 Jahren Lehraufträge erhalten, 35 Beschäftigte arbeiten seit mehr als zehn Jahren, 27 Beschäftigte seit mehr als fünf Jahren.

Halbe Stelle kostet rund 36.000 Euro

Die Dozenten erhalten keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keine Rentenversichertenbeiträge, kritisiert die Linksfraktion. Zudem seien die Honorare seit Jahren nicht erhöht worden. Die Hochschule für Künste bestätigt dies. „Es ist ein Riesenskandal, dass wegen der Sparpolitik des Senats an einer öffentlichen Hochschule arbeitsrechtliche Standards so weit ausgehöhlt werden, dass Menschen über Jahrzehnte ohne jegliche Aussicht auf Sozialversicherung und Festanstellung Regelaufgaben in der Lehre übernehmen“, kritisiert Miriam Strunge, hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Ein Lehrauftrag führe unter diesen Bedingungen direkt in die Altersarmut. Strunge fordert mehr Geld für die HfK. Auch die GEW verlangt eine bessere finanzielle Ausstattung der Hochschule für Künste. Die derzeitige gesetzliche Sonderstellung von Musikdozenten, die es ermögliche, Daueraufgaben an Lehrbeauftragte zu vergeben, müsse abgeschafft werden, so Kleemann.

Das Jahresbudget für Lehraufträge im Bereich Musik liegt laut Herbert Grüner, Rektor der HfK, bei rund 900.000 Euro. Eine halbe Stelle einzurichten, schlage für die Hochschule mit rund 36.000 Euro zu Buche. Damit koste eine halbe Stelle mehr als dreimal so viel wie ein Lehrauftrag. Die Quote von Lehrbeauftragten sei an Musikhochschulen in ganz Deutschland hoch, ordnet Grüner ein. Der Rektor möchte einzelne, permanent benötigte Lehraufträge in halbe Stellen umwandeln.

Klar sei aber: Weil dies viel teurer, das Budget aber begrenzt sei, müssten dafür andere Lehraufträge wegfallen. „Wenn wir alle Aufträge in feste Stellen umwandeln würden, müssten wir das Angebot drastisch einschränken – wir wären dann nicht mehr konkurrenzfähig.“ Durch Budgeteinsparungen sei die HfK gezwungen, stark auf Lehrbeauftragte zu setzen, sagt Grüner. Der Rektor betont: „Unsere Lehrbeauftragten machen herausragende Arbeit, deshalb ist es so bitter, dass wir sie so behandeln müssen.“

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