Staatsakt im Dom am 4. Mai

Bremer nehmen Anteil an Tod von Hans Koschnick

Mehrere hundert Menschen haben sich nach dem Tod von Ex-Bürgermeister Hans Koschnick bereits in den Kondolenzbüchern eingetragen. Am 4. Mai können die Bremer bei einem Staatsakt im Dom Abschied nehmen.
22.04.2016, 16:15
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Von Elke Gundel
Bremer nehmen Anteil an Tod von Hans Koschnick

Bis zum 4. Mai liegen im Rathaus und in der Bürgerschaft Kondolenzbücher für Hans Koschnick aus. Dann wird Bremens früherer Bürgermeister bei einer öffentlichen Gedenkfeier mit Staatsakt im Dom verabschiedet.

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Mehrere hundert Menschen haben sich nach dem Tod von Ex-Bürgermeister Hans Koschnick bereits in den Kondolenzbüchern eingetragen. Am 4. Mai können die Bremer bei einem Staatsakt im Dom Abschied nehmen.

„Wir haben zahlreiche Beileidsbekundungen aus dem In- und Ausland“, sagt Werner Wick, Mitarbeiter der Senatspressestelle. Die Anteilnahme am Tod von Bremens früherem Bürgermeister Hans Koschnick (SPD), der am Donnerstag im Alter von 87 Jahren gestorben ist, sei groß. Am 4. Mai um 11 Uhr können geladene Gäste und die Bremerinnen und Bremer bei einer öffentlichen Gedenkfeier mit Staatsakt im St.-Petri-Dom von Koschnick Abschied nehmen. Die Beisetzung findet dagegen auf Wunsch der Familie im engsten Kreis der Angehörigen statt.

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Bis zur Trauerfeier am 4. Mai werden die Kondolenzbücher in der Bürgerschaft und im Rathaus ausliegen. „Es haben sich schon jetzt mehrere hundert Menschen eingetragen“, sagt Wick. Viele Bremerinnen und Bremer schreiben dabei nicht nur einen letzten Gruß und ihren Namen nieder, sondern „nehmen sich Zeit, um ihre Gedanken und Gefühle zu formulieren“. Deshalb gibt es im Foyer des Rathauses an zwei Stellen die Möglichkeit, sich in das Buch einzutragen. Das Rathaus ist dafür laut Wick montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr geöffnet.

Kondolenzbücher werden Koschnicks Angehörigen übergeben

Auch im Foyer der Bürgerschaft herrscht ständiges Kommen und Gehen, sagt Pressesprecher Horst Monsees. Von Donnerstag auf Freitag haben bereits so viele Frauen und Männer auf ihre persönliche Weise ihr Bedauern über Koschnicks Tod ausgedrückt, dass die Seiten im Kondolenzbuch ausgetauscht werden mussten. Die Bürgerschaft ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr für Besucher zugänglich. Nach der Trauerfeier am 4. Mai werden beide Bücher gebunden und Koschnicks Angehörigen übergeben.

Seinen letzten öffentlichen Auftritt habe Koschnick im Landtag gehabt, sagt Monsees. Allerdings sei der Sozialdemokrat, der Ende 1967 Präsident des Senats wurde, am 21. Mai vergangenen Jahres nicht mehr selbst im Haus der Bürgerschaft gewesen. Stattdessen hat er sich in einer Videobotschaft an Avi Primor, den früheren israelischen Botschafter in Deutschland, gewandt.

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Einer, der Koschnick während dessen Amtszeit unter anderem auf vielen Reisen begleitet hat, ist Peter-Alexander Reischauer (77), der langjährige Protokollchef im Rathaus. „Ich hatte 1969 gerade in einer Kanzlei angefangen“, erzählt der Jurist. Da sei ein Anruf vom Rathaus gekommen, „ob ich mal zu Herrn Koschnick kommen wollte“. Er habe sich gewundert, sei der Bitte aber nachgekommen. „Koschnick suchte einen Volljuristen mit Fremdsprachenkenntnissen.“

Aus seinem Studienjahrgang sei er der einzige gewesen, erinnert sich Reischauer, der Englisch, Französisch und Spanisch sprach. „Die anderen konnten Hebräisch und Griechisch.“ Deshalb sei die Wahl auf ihn gefallen: „Koschnick wollte jemanden, der ihn auf den Reisen unterstützt und für ihn dolmetscht. So bin ich ins Rathaus gekommen.“

"Er war ein 1 A-Verwaltungsmann"

Bereut habe er diese Entscheidung nie, betont Reischauer. Dabei sei es am Anfang „fürchterlich schwer“ gewesen. Schließlich habe er zunächst über keinerlei Kontakte verfügt, hatte aber die Aufgabe, dem Bürgermeister bei Empfängen die Gäste vorzustellen. „In 70 Prozent der Fälle war das gar nicht nötig, denn er kannte sie schon.“ Auch in anderer Hinsicht habe ihm Koschnick einiges voraus gehabt: „Er war ein 1 A-Verwaltungsmann.“

Für ihn selbst, räumt Reischauer ein, sei dieses Feld völlig neu gewesen. „Ich war ja nur Jurist. Und Verwaltung ist ein ganz anderer, ein richtiger, schwerer Beruf.“ Deshalb habe ihm Koschnick einen Mitarbeiter besorgt, „der hat mir das erst mal beigebracht“. Denn für den Bürgermeister sei es unabdingbar gewesen, dass „die Dinge ordentlich laufen“.

"Koschnick hat beim Skat immer gut gewonnen"

Unterwegs auf Reisen gehörte nicht nur die Planung der dortigen Kontakte zu Reischauers Aufgaben. Außerdem war er der Hüter der Kreditkarten, erzählt er. Auch der privaten Kreditkarte von Koschnick. Die sei oft strapaziert worden. Denn der Bürgermeister habe es als selbstverständlich angesehen, seine Begleiter, egal ob Personenschützer oder Unternehmer, etwa zum Essen einzuladen. „Er hat auf Dienstreisen furchtbar viel für andere Leute auf private Rechnung übernommen.“ So viel, dass ihn Koschnicks Frau eines Tages gebeten habe, besser auf die Kreditkarte ihres Mannes aufzupassen. Schließlich mussten sie ein Reihenhaus abbezahlen.

Nur einen kleinen Teil davon habe Koschnick, der leidenschaftlicher Skatspieler war, wieder hereingeholt: „Wenn wir in die USA geflogen sind, hat er im Flugzeug von morgens bis abends mit den Bremer Kaufleuten, die ihn begleitet haben, Skat gespielt. Er hat immer gut gewonnen.“

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