Paartheraputin Claudia Budelmann „Einmal in der Woche Quality-Zeit“

Claudia Budelmann ist Paartherapeutin und hat beobachtet, dass auch Paare im anhaltenden Ausnahmezustand an ihre Grenzen kommen.
24.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Einmal in der Woche Quality-Zeit“
Von Michael Brandt
Frau Budelmann, wie erleben Sie Ihre Paare derzeit?

Claudia Budelmann: Sehr verschieden, aber doch mit zunehmendem Problemdruck. Und immer mehr Paare suchen sich aktiv Unterstützung. Zu Beginn des Lockdowns habe ich noch häufig Paare und auch Familien erlebt, die der Situation etwas Positives abgewinnen konnten.

Damit ist es vorbei?

Ja, die Geduld geht richtiggehend zu Ende und wird zunehmend durch Gereiztheit ersetzt. Selbst diejenigen, die zeitweise mit Kreativität alles zu Hause, im Beruf und in der Familie hinbekamen, stoßen jetzt an ihre psychischen Grenzen. Die Problematiken sind sehr mannigfaltig, aber die fehlenden Kontakte und positiven Außenreize erschweren das Erleben in immer größeren Maße.

Braucht die Intimität als Paar Einflüsse von außen?

Intimität und Sexualität braucht etwas anderes als die Beziehung, die sich in Harmonie und Sicherheit wohlfühlen kann. Sexualität liebt auch Abwechslung, Inspiration und Impulse, die eine positive Spannung aufbauen. Wenn Paare in einer Eintönigkeit landen, das Miteinander als selbstverständlich werten, bleibt das nicht ohne Folgen. Das kann leidvoll erlebt werden – oder auch das Gefühl von Sicherheit stärken.

Was macht den Unterschied?

Für Paare, die ihre Sexualität schon vorher als problematisch oder defizitär erleben, wird es meist als noch schwieriger erlebt. Zum Beispiel auch durch die Kinder, die durch ihr Homeschooling vielleicht auch noch die letzten freien Nischen belegen. Andere Paare, die sich in ihrer Intimität positiv verbunden fühlen, können häufiger wohlwollend mit der Veränderung ihrer Sexualität umgehen und den Blick auf das Stärkende in der Beziehung richten.

Was empfehlen Sie den Paaren?

Dass sie sich regelmäßig und verbindlich einmal in der Woche verabreden und sich eine Quality-Zeit schenken, die sie mit einem Zwiegespräch beginnen. Das ist ein achtsames Ritual der Kommunikation, in der jeder zweimal acht Minuten ohne Unterbrechung reden darf. Zuerst ist die Leitfrage: So geht es mir. Und danach: So geht es mir mit dir. Wichtig dabei ist, dass keine Du-Botschaften und keine Vorwürfe erlaubt sind, nur die beobachtende Darstellung der eigenen Perspektive. Bei Familien empfiehlt sich der Familienrat, wohinter ein ähnliches Prinzip steht.

Gibt es auch etwas für den Alltag?

Sagen Sie einander, was Ihnen heute gutgetan hat, was Sie wertschätzen und wofür Sie dankbar sind. Seien sie nicht gleichgültig gegenüber alltäglichen Dingen – nichts ist selbstverständlich.

Das Interview führte Gerald Weßel.

Info

Zur Person

Claudia Budelmann, 53,

ist systemische Paartherapeutin im Integralis Institut Bremen.

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