Experte: Grundwasserspiegel ist rapide gesunken Bremer Parks leiden unter Hitzefolgen

Bremen. Endlich ist die große Hitze samt extremer Trockenheit vorbei. Doch was bisher von oben kam, ist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Bremer Parkanlagen leiden unter den Hitzefolgen. Expertenaussagen zufolge ist der Grundwasserspiegel rapide gesunken.
04.08.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Junck

Bremen. Endlich! Ein Stoßseufzer geht durch die Stadt. Endlich ist die große Hitze samt extremer Trockenheit vorbei. Doch was bisher von oben kam, ist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Es reicht bei weitem nicht, um das Wasserdefizit nach einem äußerst heißem Juni und Juli auszugleichen. Das große Gießen geht vorerst weiter.

Wenn denn noch etwas Wasser kommt: In etlichen Gärten, wo die Grundwasserpumpen seit Wochen laufen, um Gemüse und Blumen am Leben zu erhalten oder einfach nur der Rasen gesprengt wird, kommt vielfach nur noch Luft aus dem Schlauch. Einige Geräte - wie auf dem Stadtwerder - sind heiß gelaufen und haben den Geist aufgegeben. Im Bereich Mitte auf der Düne ist der Druck aus dem Gartenschlauch spürbar geringer geworden.

'Die Situation ist weder kritisch noch dramatisch,' entwarnt die für Gewässerschutz und Wasserwirtschaft zuständige Umweltbehörde. Wasser gebe es immer genug. Über ein Netz mit über 100 Pegelstationen wird ständig der Grundwasserspiegel im Stadtgebiet beobachtet. Doch natürlich wirkten sich das extreme Wetter und die vielen Tausend Entnahmestellen in ihrer Summe auf den Grundwasserspiegel aus.

Gräben und Tümpel ausgetrocknet

Was sich im Bereich Oberneuland am besten ablesen lässt: Dort liegt der Grundwasserpegel normalerweise einen Spatenstich unter der Grasnarbe. Doch nun sind fast alle Gräben und Tümpel ausgetrocknet, es gab also für das unterirdische Wasserreservoir keinen Nachschub.

Wasserexperte und Pumpenschläger Harald Lüllmann, der als Gewässerwart auch für die Umweltbehörde tätig ist: 'Am Lehester Deich ist der Grundwasserspiegel rapide abgesunken. Viele Brunnenfilter sind auf dem Trockenen.' Aus der Umweltbehörde stellt Hans-Peter Weigel fest: 'Die ersten Schauer haben nicht allzu viel gebracht. Für die Zukunft müssen wir uns für die Bewässerung etwas einfallen lassen, um auf extreme Wetterlagen vorbereitet zu sein .'

Im landwirtschaftlich genutzten Borgfelder Landschaftsschutzgebiet hält der Deichverband am rechten Weserufer den Staustand so hoch wie möglich. Geschäftsführer Wilfried Döscher: 'Wir leiten so viel Frischwasser aus der Wümme wie möglich ein, um die Verdunstung auszugleichen.' Das Gräbensystem in Oberneuland erreiche man allerdings nicht, weshalb wenigstens die Parkanlagen vom Gut Hodenberg und Höpkens Ruh über Grundwasserpumpen vor dem Austrocknen bewahrt werden. Sie reichen bis in Tiefen von 20 Metern und sind deshalb nicht von Schwankungen im großen Bremer Grundwasserstrom betroffen.

Das trifft auch für den Rhododendronpark zu, der seine weltweit einmalige Sammlung von Rhododendren nicht nur vor dem Verdorren, sondern auch gegen regelrechtenSonnenbrand bewahren muss. Der wissenschaftliche Leiter Hartwig Schepker: 'Es geht den Pflanzen genau so wie den Menschen'.

Der Park bezieht sein Wasser aus zwei Tiefbrunnen, dem Folienteich im neuen Bereich und speichert es in großen Zisternen. Das Problem: Grundwasser allein ist zu salzhaltig für die Pflanzen unter Glasdächern. Deshalb wird es etwa im Verhältnis 50 zu 50 mit Regenwasser verschnitten. Schepker: 'Wir schauen jeden Tag auf den Salzgehalt mit einem Grenzwert von 500 Milligramm pro Liter.'

Das müssen die Verantwortlichen im Bürgerpark nicht tun, weil der seine Gräben und Teiche über eine Pumpstation aus der kleinen Wümme speist. Seit Wochen sind zwei Kolonnen ständig beim Wässern. Parkdirektor Werner Damke: 'Das geht ganz schön ins Geld'. Gelitten haben vor allem Eichen und Buchen, die schon frühzeitig mit dem Entlauben begannen.

Das stellt man auch beim Umweltbetrieb Bremen (vormals Stadtgrün) fest. Der für über eine halbe Million Bäume, Friedhöfe und viele Grünflächen zuständige Betrieb wässert seit Wochen aus allen Rohren. Beim Stadtgraben ist es Weserwasser, auf fast allen Sportplätzen kommt das Nass ebenfalls aus tiefen Brunnen.

Abgänge bei Neupflanzungen

In der Pauliner Marsch ist es besonders eisenhaltig und deshalb rostbraun. Obwohl mit Unterstützung der Feuerwehr viel getan wurde, gab es doch einige Abgänge, vor allem bei Neupflanzungen. Der für Unterhaltung zuständige Bereichsleiter Heribert Eschenbruch: 'Durch die Trockenheit bekommen wir jetzt leider die Spätfolgen des schneereichen Winters mit dem enormen Einsatz von Streusalz zu spüren.'

Ihn schmerzt es besonders, wenn Privatleute trotz aller Gieß-Apelle den Straßenbaum vor der Tür vertrocknen lassen oder ganze Parkplätze von Einkaufsmärkten ein trauriges Bild mit toten Bäumen bieten. Wie bei Lidl an der Hemmstraße. Er kann der Ausnahmesituation wenigstens noch eine positive Seite abgewinnen: Die regenlose Zeit hat einige feuchtliebende Exoten zurückgedrängt und so der heimischen Pflanzenwelt geholfen. Für die strohgelb vertrockneten Rasenflächen wie am Osterdeich sieht er keine Gefahr: 'Gras ist widerstandsfähig. Das erholt sich schnell wieder, sobald ein bisschen Regen fällt.'

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