Hilfe für Kinder in Afrika

Bildung statt Arbeit

Damit Kinder aus einem Slum in Freetown im westafrikanischen Sierra Leone Zugang zu Bildung bekommen, wollen ein Pastor und ein Unternehmer dort eine Schule bauen und hoffen auf Hilfe von weiteren Bremern.
03.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bildung statt Arbeit
Von Frauke Fischer
Bildung statt Arbeit

Damit die Familien in diesem Slum von Freetown in Westafrika überleben können, müssen die Kinder mitarbeiten und Geld für Nahrungsmittel verdienen.

Thomas Bähr

Pastor Rüdiger Kurz von der evangelisch-lutherischen Abraham-Gemeinde in Kattenturm und der Bremer Unternehmer Thomas Bähr aus Arsten haben sich viel vorgenommen: Die beiden möchten gemeinsam mit anderen Bremerinnen und Bremern Menschen in einem Slum am Rande der Hauptstadt Freetown der westafrikanischen Republik Sierra Leone helfen und in ihrem hiesigen Umfeld, unter Gemeindemitgliedern, bei Bekannten und Geschäftspartnern, Geld sammeln, um damit den Bau einer Schule zu ermöglichen.

Pastor Kurz hat in dem westafrikanischen Staat schon einmal eine befreundete Kirchengemeinde besucht und das Armenviertel und seine Bewohner dabei kennengelernt. „Ich habe in Sierra Leone sehr freundliche, fröhliche Menschen getroffen“, erzählt er. „Der Slum, den ich gemeinsam mit einem Wächter aufgesucht habe, liegt direkt an der Wasserkante, die Menschen dort leben auf Müll“, erinnert er sich und erklärt, dass der Untergrund des Viertels wegen des Mülls sehr schwierig zu bebauen sei.

Zwar gebe es in dem afrikanischen Land, das politisch als stabil gelte, offiziell eine Schulpflicht, weiß Kurz, doch die würde nicht für alle Gesellschaftskreise im Land und in der Hauptstadt greifen. Für das besuchte Armenviertel habe sie jedenfalls keine Bedeutung, sagt der Bremer Geistliche. Die Kinder dort müssten Geld verdienen, damit die Familien überleben könnten, berichtet er – und setzt auf Hilfe der Bremerinnen und Bremer, um die dort dringend benötigte Schule bauen zu können.

Hohe Arbeitslosigkeit

Ein paar Tausend Euro seien notwendig, um mit der Arbeit beginnen zu können, erläutert Rüdiger Kurz. Notfalls werde die Bremer Kirchengemeinde Kosten übernehmen, verspricht der Hauptpastor, der die eigene Kirchengemeinde als wichtigen Ort im Stadtteil Kattenturm ansieht, weil sie sehr offen sei und jüngeren und älteren Bewohnerinnen und Bewohnern verschiedene Angebote mache – darunter eine Kleiderkammer, einen Tagesmütter-Treff, aber auch eine Kinderbewegungswelt.

Von gleichartigen Angeboten und solchem Luxus seien die Menschen in Freetown weit entfernt. Und dennoch verlören sie nicht ihre offene Art, merkt der Kattenturmer an. Diese Gegend gehöre zwar offiziell zur Hauptstadt, sei aber nirgends als Stadtteil vermerkt, hat Kurz erfahren. „In den Slums leben die Menschen von der Hand in den Mund, Kinder müssen früh mitarbeiten, damit Geld da ist. Die Arbeitslosigkeit ist groß, besonders nun durch Corona“, schildert der Bremer.

Etwa 10 000 Euro Startkapital sei für den Beginn des Schulbaus notwendig, sagt Kurz, der für die Gesamtkosten mit knapp 25 000 Euro rechnet. Teurer als woanders werde es wohl, weil der Untergrund in dem Gebiet nicht fest und ein Pfahlbau notwendig sei. „Überlegungen, in ein anderes Gebiet zu gehen, haben wir beiseitegelegt“, erläutert er, „weil wir dann nicht mehr wirklich diese Menschen erreichen, sondern wieder andere Wohngebiete.“

Die ermittelten Kosten beinhalten nach Auskunft von Rüdiger Kurz ausschließlich Baukosten vor Ort. „Alle in Bremen entstehenden Kosten oder Reisekosten werden von uns persönlich getragen“, betont der Pastor.

Bisher haben er und Thomas Bähr knapp 5000 Euro für das Hilfsprojekt gesammelt. „Wenn es nötig ist, wird unsere Gemeinde auch einen Teil der Kosten tragen“, versichert der Pastor.

Thomas Bähr hat sich durch die Erzählung von Rüdiger Kurz von dem Wunsch, in Afrika zu helfen, anstecken lassen. Die Bremer Unternehmensgruppe, die in Arsten Verpackungen für den Online-Handel produziert, engagiere sich nicht zum ersten Mal im sozialen Bereich, sagt der Bremer Geschäftsmann, der die Firmen zusammen mit seinem Bruder leitet. Sie hätten beispielsweise bereits die Bremer Suppenengel unterstützt. Nun wollten sie ihr soziales Engagement ausweiten, kündigt Thomas Bähr an.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Schulbauprojekt in Sierra Leone werde das bislang größte Projekt dieser Art, so der Bremer, der Freetown selbst sehr gern besuchen möchte, sobald das wieder möglich ist. „Pastor Kurz hat viel berichtet von den Menschen dort und ihrer großen Gastfreundschaft“, berichtet Bähr. „Ein Samenkorn hat offenbar in einer Ritze Wurzeln geschlagen“, freut er sich über den engen Kontakt und berichtet, dass die Hilfe bereits 2018 begonnen hätte.

„Wir sind sehr lösungsorientiert, wir wollen etwas voranbringen und vor Ort Voraussetzungen schaffen, dass Menschen selbst vorankommen“, formuliert Thomas Bähr die eigene Rolle und das Ziel. Hiesige Unternehmen sollten jungen Menschen aus afrikanischen Ländern Praktika und Ausbildungen anbieten, findet er. Es sei wichtig, Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu erreichen. „Wir dürfen Bildungsangebote nicht überstülpen und wollen uns daran orientieren, was in Sierra gebraucht und gewollt wird“, beschreibt er als Aufgaben.

„Diese Hilfe vor Ort ist so wichtig, damit gerade die Menschen, die etwas können, in ihrer Heimat bleiben“, betonen beide Bremer. „Wir möchten mehr Menschen und Firmen zum Unterstützen anregen und hoffen darauf, dass der Funke überspringt.“

Weitere Informationen

Näheres zu dem Bremer Schulprojekt in der Nähe von Freetown steht im Internet unter www.schulefuerfreetown.de.

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