Angst vor dem Zeugnis

Bremer Persönlichkeiten über ihre Erinnerungen an die Schulzeit

An diesem Mittwoch ist der letzte Schultag vor den Ferien. Zuvor steht aber die Zeugnisausgabe an, vor der sich viele Schüler fürchten. Bremer Persönlichkeiten sprechen über ihre Erinnerungen an die Schulzeit.
15.07.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Mario Nagel
Bremer Persönlichkeiten über ihre Erinnerungen an die Schulzeit

Die heutige Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) 1973 bei ihrer Einschulung an der Fichteschule in Bremerhaven.

Privat

An diesem Mittwoch steht für Tausende Schülerinnen und Schüler der letzte Schultag vor den Sommerferien an. Doch längst nicht alle freuen sich auf diesen Tag, schließlich werden sie ihr Zeugnis erhalten. Das sorgt nicht nur für Freude und Erleichterung, sondern auch für Trauer und Tränen. Das „Giftblatt“, wie das Zeugnis von manchem genannt wird, löst ganz unterschiedliche Reaktionen aus.

Und: Die Sorgen sind keineswegs neu. Der WESER-KURIER will deshalb von Bremer Persönlichkeiten wissen, welche Erinnerungen sie an ihre Schulzeit und die Zeugnisvergabe haben. Welche Lieblings- oder Horrorfächer hatten sie? Welche Dinge werden sie nicht vergessen?

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Andreas Bovenschulte (SPD), Bürgermeister und Präsident des Senats: „Ich bin immer gerne zur Schule gegangen und war, glaube ich, ein guter Schüler. Den meist guten Noten standen aber immer lausige Bewertungen von Schrift und Ordnung gegenüber. Und die ein oder andere Rüge habe ich erhalten, weil ich schon damals einen Hang dazu hatte, sagen wir mal, nicht immer ganz pünktlich zu sein. Zeugnisgeld habe ich übrigens von meinen Eltern nie bekommen.

Für ein Kind hätte er das ja noch bezahlt, hat mein Vater immer gesagt. Aber wir waren drei Jungs zu Hause. Das war ihm dann doch zu teuer. Dafür erinnere ich mich bis heute an eine schöne Tradition: Zeugnisnoten verfuttern. Etwa zehn Jahre lang sind wir mit einer befreundeten Familie nach jedem Zeugnis zum Griechen gegangen. Das war damals für mich und meine beiden Brüder schon etwas Besonderes.“

Das Grundschulzeugnis aus der zweiten Klasse von Willi Lemke.

Das Grundschulzeugnis aus der zweiten Klasse von Willi Lemke.

Foto: Privat

Willi Lemke, ehemaliger Bildungssenator und Manager des SV Werder Bremen: „An meine Schulzeit habe ich gute Erinnerungen, besonders an meinen Grundschullehrer Eberhard Kaiser. Über mein Zeugnis in der zweiten Klasse habe ich mich gefreut. Ich fand es auch gut, dass wir Noten bekommen haben, da wusste ich gleich, wo ich stehe mit meinen Leistungen. Für das Zeugnis habe ich 50 Pfennig bekommen, da konnte man sich damals einige Kugeln Eis kaufen.

Auf dem Schulhof habe ich Uwe Seeler Fußball spielen sehen, daran erinnere ich mich noch. Allgemein bin ich gerne zur Schule gegangen, auch wenn ich in der elften Klasse einmal sitzen geblieben bin – mit einer Fünf in Mathe und Latein. Aber für das Abitur hat es später trotzdem gereicht.“

Mit Schultüte: Sarah Ryglewski bei ihrer Einschulung.

Mit Schultüte: Sarah Ryglewski bei ihrer Einschulung.

Foto: Privat

Sarah Ryglewski (SPD), Bundestagsabgeordnete: „Meine Lieblingsfächer waren Deutsch, Geschichte und Bio-Chemie. Mathe habe ich nicht so gemocht. Grundsätzlich habe ich immer gerne gelernt, bin aber nicht immer gerne zur Schule gegangen. Ich habe mich oft gelangweilt; und obwohl ich in der Mittelstufe keine besonders gute Schülerin war, habe ich ein gutes Abi gemacht. Deswegen waren Zeugnisse für mich ein ambivalentes Thema.

Aber meine Eltern haben immer versucht, mich dabei zu unterstützen, in den Fächern besser zu werden, in denen ich nicht gut war. Außerdem haben sie auch bei schlechten Noten meine Erfolge in anderen Fächern gelobt und mich so gestärkt.“

Maike Schaefer (Grüne), Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau: „Mein Lieblingsfach war definitiv Biologie. Die besten Noten hatte ich allerdings in Latein und Kunst. Mein ‚Horrorfach‘ in der Mittelstufe war Geschichte – aus meiner Sicht einfach deshalb, weil der Lehrer doof war. Vermutlich hatte er eine andere Sicht. Heute liebe ich Geschichte. Ich bin eigentlich gerne in die Schule gegangen. Meine Klassen waren gute Gemeinschaften – deshalb hat es auch Spaß gemacht. Zum Glück hatte ich Eltern, die durch Belohnung Anreize geschaffen und nicht durch Gemecker abgeschreckt haben. Insofern gab es keinen Grund zu Angst am Zeugnistag. Über schlechte Noten habe ich mich eher selbst über mich geärgert.“

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Lencke Wischhusen , Vorsitzende der FDP-Fraktion: „Mein Lieblingsfach war Deutsch. Da ich ohne Fernseher aufgewachsen bin, habe ich es geliebt, Bücher zu lesen. Dabei war mir nichts zu schwer, inklusive der alten Klassiker und Philosophen. Mein Horrorfach war Latein. Ich kann mich noch gut an die Note 5 erinnern. Mit dem Hinweis der Lehrerin: „Gratulation Lencke, besser als beim letzten Mal.“ Meine Eltern waren immer super entspannt bei den Zeugnissen. Ich war nie eine richtig gute Schülerin, aber so schlimm war es auch nicht. Als ich mal versetzungsgefährdet war, habe ich noch mal richtig Gas gegeben und die Kurve bekommen.“

Ulrich Mäurer (SPD), Senator für Inneres: Das Lieblingsfach in seiner Schulzeit sei Geschichte gewesen, sagt Sandy Bradtke, Sprecherin des Innenressorts, und fügt an: „Das Horrorfach war Sport, was insofern erstaunlich ist, da er jetzt mehrfach in der Woche begeistert Sport treibt und bis vor ein paar Jahren noch Sportsenator war.“ Das Beste an der Schulzeit sei laut Mäurer „das Ende“ gewesen. Der Grund: „Es war damals alles streng reglementiert“, sagt Bradtke. So sei er vom Schuldirektor persönlich aufgefordert worden, zum Frisör zu gehen, als seine langen Haare mal wieder den Unwillen des Schulleiters hervorriefen.

Das Abiturzeugnis von Rudolf Hickel.

Das Abiturzeugnis von Rudolf Hickel.

Foto: Privat

Rudolf Hickel, Wirtschaftswissenschaftler: „Mein Reifezeugnis an der Wirtschaftsoberschule zeigt leider schlechte Noten in Englisch und Französisch.“

Elisabeth Motschmann (CDU), Bundestagsabgeordnete: „Obwohl sie von Orts- und Schulwechseln geprägt war, habe ich sehr gute Erinnerungen an alle Stationen meiner Schulzeit – von Köln über Hermannsburg in der Lüneburger Heide und Hamburg Othmarschen. Meine besten Fächer waren Musik und Sport. „Horrorfächer“ waren für mich Mathe, Physik und Chemie. Einmal habe ich versucht, eine schlechte Mathenote zu verheimlichen.

Das kam natürlich später doch ans Licht. Und ich habe einen blauen Brief erhalten: Versetzung gefährdet! Davon erfuhr ich aber erst hinterher. Meine Mutter hatte diesen blauen Brief im Ofen verbrannt und ihn weder mir noch meinem Vater zumuten wollen. Sitzengeblieben bin ich zum Glück nie.“

Dietmar Strehl (Grüne), Senator für Finanzen: „Mein Lieblingsfach war immer Mathe, knapp gefolgt von Sport. Das Horrorfach war Biologie, obwohl der damalige Handballtrainer vom VFL Gummersbach mein Biologie-Lehrer war. Er hat mich dann zumindest überzeugt, Handball zu spielen. Zeugnisstress mit meinen Eltern hatte ich nie, weil die erstens nicht so streng waren und ich zweitens auch nicht ganz schlecht war.“

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Claudia Bogedan (SPD), Senatorin für Kinder und Bildung: „Das Lieblingsfach der Senatorin war Chemie“, sagt Annette Kemp, Sprecherin des Kinder- und Bildungsressorts. Das Experimentieren findet Bogedan laut ihrer Sprecherin heute noch super, wobei sie die besten Noten in Deutsch nach Hause getragen habe. Französisch sei alles andere als ihr Lieblingsfach gewesen, doch sie habe nie ein schlechtes Zeugnis und deshalb auch keinen Stress mit ihrer alleinerziehenden Mutter gehabt. „Wer sich jetzt fragt, ob sie eine Streberin war: Nee, aber so gar nicht“, sagt Kemp. Schule sei für sie eher langweilig gewesen. Ihr sei es vor allem extrem wichtig gewesen, Freunde in der Schule zu treffen.

Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Bundestagsabgeordnete: „Das Ende eines Schuljahres verbinde ich noch immer mit viel Schönem: die Projektwoche, die wir von der Schülervertretung organisierten. Oder die Aufführung der Theatergruppe, in der auch ich mitspielte. Ich bin gern zur Schule gegangen und mochte viele Fächer. Deutsch war mein Lieblingsfach, Latein allerdings war so gar nicht meins. Das kam dann erst im Studium. Abends sind wir immer mit der ganzen Familie Pizza essen gegangen. Dieses Ritual haben wir auch mit unseren Kindern fortgesetzt.“

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