Von New York nach Bremen: Mobiles Schwimmbad für die Mittagspause Bremer planschen im Müllcontainer

Bremen. Die Bremer Bäder sind mobil geworden. Am Montag stellten sie erstmals ein Wasserbecken auf den Ansgarikirchhof. Worin sonst Abfall transportiert wird, sollen in dieser Woche Bremer plantschen - in einem Container.
19.07.2010, 22:00
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Von Miriam Keilbach

Bremen. Als die zehnjährige Kea Wickboldt ins Wasser springt, wird sie gleich von vier Männern begrüßt: Wasserbälle fliegen dem Mädchen entgegen. Was nach Freibad klingt, ist eine Szene mitten in der City. Die Bremer Bäder sind mobil geworden. Am Montag stellten sie erstmals ein Wasserbecken auf den Ansgarikirchhof. Worin sonst Abfall transportiert wird, sollen in dieser Woche Bremer plantschen - in einem Container.

Dumpster Diving nennt sich das - zu deutsch: im Müllcontainer tauchen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von den Bremer Bädern, Nehlsen und Bremen Vier. 'Wir haben uns überlegt, was unsere Kernkompetenz ist - und das ist Wasser für die Menschen bereitstellen, für Abkühlung sorgen', erklärte Sandra Lachmann von den Bremer Bädern. 'Unter der Woche können die meisten nicht ins Freibad kommen, daher dachten wir uns, dass wir das Freibad zu ihnen bringen. So kann die Mittagspause zum Plantschen genutzt werden', so Lachmann weiter.

Um 10 Uhr morgens stand der von Nehlsen gelieferte Container bereit. swb sponserte das Wasser für den Badespaß. 'Ab 11 Uhr war dann alles startklar und die ersten sind ins Wasser gesprungen', sagte Lachmann. Gegen Nachmittag wurde das Wasser wieder ausgelassen und der Container wird an seine nächste Station verfrachtet: Dienstag darf am Goetheplatz geschwommen werden. Wo Mittwoch, Donnerstag und Freitag geplantscht wird, steht indes noch nicht fest. 'Bürger können sich bei Bremen Vier für einen Standort bewerben. Wo wird am meisten geschwitzt? Welche Baustelle liegt in der Mittagssonne? Die überzeugendste Idee gewinnt.'

Das Projekt hat Vorgänger in einer berühmten Stadt. 'Wir haben das in New York gesehen, wo ebenfalls ein Müllcontainer zum Baden aufgestellt wurde. Wir dachten, dass wir das in Bremen auch gut gebrauchen können', sagte Lachmann. Die Bremer Bäder fragten bei Nehlsen nach, die einer Zusammenarbeit sofort zustimmten. Die beteiligten Firmen kooperieren, sodass für die Badegäste keine Kosten entstehen. Für die Sicherheit im Wasser sorgen die Bremer Bäder: Ein Mitarbeiter ist zur Aufsicht eingeteilt.

So verwandelte sich der Ansgarikirchhof in eine Badelandschaft. Neben dem Container, der mit einer blauen Folie ausgelegt war, standen zwei weiße Umkleidezelte. 'Für diejenigen, die vorbeikommen und spontan schwimmen wollen, haben wir auch Badehosen, Badeanzüge und Handtücher bereitliegen - sogar in verschiedenen Größen', sagte Lachmann.

Kea Wickboldt nahm dieses Angebot dankend an. Zusammen mit ihrer Mama nutzte sie die Schulferien und war in der Stadt unterwegs, als sie am Badecontainer vorbeikam. 'Die Männer im Wasser warfen mir einen Ball zu und fragten, ob ich auch Lust habe, zu schwimmen. Und ich sagte ja', erzählte Kea, als sie sich wieder abgetrocknet hatte.

18 Grad hatte das Wasser zur Mittagszeit. Viele, die Abkühlung suchten, bibberten und zitterten schon nach wenigen Minuten. So auch Kea, die es sogar wagte in dem etwas über ein Meter tiefen Wasser zu tauchen. 'Es war echt schön, aber auch sehr kalt', sagte Kea. 'Ich finde, es sollten mehr Leute mitmachen.'

In der Tat nutzten gestern Mittag vornehmlich Mitarbeiter von Nehlsen und den Bremer Bädern das ungewöhnliche Schwimmbecken. Gregory Edeha gehört zu keiner der beteiligten Firmen, aber der 23-Jährige wurde eingeladen, als Vorreiter ins Wasser zu gehen. Eine Stunde hielt er es in dem kalten Becken aus. Sogar Minuten nach dem Abtrocknen bibberten seine Lippen noch: 'Es war wirklich sehr kalt, aber es hat Spaß gemacht', lautete sein Fazit.

Nehlsen-Vertriebsleiter Christian Jürgens gönnte sich ebenfalls etwas Erfrischung. 'Man sollte das hier unbedingt ausprobieren, es ist ein Erlebnis', sagte er. Vom Pool aus versuchte Jürgens, Passanten zum Plantschen zu motivieren. 'Ich spritze sie nass oder werfe ihnen Wasserbälle zu.' Cornelia Maywald, Marketingleiterin der Bremer Bäder, wollte eigentlich nicht Baden gehen und dem Spektakel nur zusehen. Als die Kollegen aber in den Wassercontainer stiegen, traute sie sich ebenfalls - als erste Frau: 'Ich hatte es nicht vor, aber es war dann doch zu warm, um nur danebenzustehen. Hier im Wasser ist es angenehm kühl.'

Für Lachmann stand die gute Laune im Vordergrund, Profit erhoffen sich die Firmen durch die Aktion nicht: 'Wir sind alle in der Super-Sommer-Ferien-Laune und die wollen wir mit dem mobilen Pool noch zusätzlich unterstützen', sagte Lachmann. Derweil blieben erneut Passanten stehen, zwei junge Frauen hängten ihre Arme ins Wasser und ein kleines Mädchen saß am Beckenrand und ließ die Füße im Wasser baumeln - hinein ins Nass wagten sie sich allerdings nicht.

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