Erinnerung an Reichsprogromnacht Bremer Politiker warnen vor Rechtspopulisten

Zur Erinnerung an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 fand eine Kranzniederlegung der Bremer Fraktionen statt. Diese nutzten den Anlass, um vor Rechtspopulisten und der damit verbundenen Gefahr zu warnen.
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Von Silvia Pucyk

Zur Erinnerung an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 fand eine Kranzniederlegung der Bremer Fraktionen statt. Diese nutzten den Anlass, um vor Rechtspopulisten und der damit verbundenen Gefahr zu warnen.

Die Bremer Fraktionen erinnerten am Mittwoch mit einer Kranzniederlegung an die Reichspogromnacht vor 78 Jahren. Der Fraktionsvorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Thomas Röwekamp, sprach in seiner Rede von einem der „finstersten Tage“ und von „Untaten unglaublichen Ausmaßes“.

Die Gefahr für die jüdische Bevölkerung sei damals nicht nur von Nationalsozialisten ausgegangen, sondern auch von den Bürgern selbst. Röwekamp erinnerte an das Arztehepaar Adolph und Martha Goldberg, das in Burgdamm getötet wurde. „Es waren keine fanatischen Nazis, sondern unscheinbare Nachbarn, die das Ehepaar umbrachten“, sagte Röwekamp.

Der Gastredner Professor Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, griff das Schicksal der ermordeten Bremer Juden auf. „In Bremen starben in der Reichspogromnacht fünf Menschen jüdischen Glaubens.“ Neben dem Ärzteehepaar wurden in der Neustadt die Fahrradhändlerin Selma Zwienicki und der jüdische Kaufmann Heinrich Rosenblum umgebracht. In Platjenwerbe ermordeten Nationalsozialisten den Monteur Leopold Sinasohn.

Synagoge im Schnoor stand in Flammen

Heil erinnerte ebenso daran, dass während der Reichspogromnacht die Synagoge im Schnoor in Flammen stand und die darin aufbewahrten heiligen Tora-Rollen zerstört wurden. „Die Synagogen gehörten damals fest zum Bild von vielen Städten dazu“, sagte Heil.

SA-Männer schlugen in der selben Nacht die Türen und Fenster eines jüdischen Altersheims in Bremen ein und trieben die alten Menschen auf die Straße. Am Schulhof des alten Gymnasiums begann am Tag nach der Reichspogromnacht für 160 jüdische Männer ein Fußmarsch nach Oslebshausen. Von dort wurden sie zum Hauptbahnhof transportiert und mit dem Sonderzug ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.

Professor Heil lobte das Engagement der Bremer Bürgerschaft, jährlich an die ermordeten Juden mit einer Gedenkfeier vor dem Mahnmal am Landherrnamt zu erinnern. Ebenso hob er die St.-Johannis-Schule hervor, die Schülern das Schicksal jüdischer Menschen lebendig vor Auge hält.

Sichtbares Mitgefühl

Einige Schülerinnen und Schüler der Schule waren zu der Gedenkfeier gekommen, um vor dem Mahnmal Fürbitten zu sprechen und Rosen niederzulegen. Diese sichtbaren Zeichen von Mitgefühl seien auch heute noch wichtig, da es laut Heil „radikale Kräfte“ gäbe, die gegen Minderheiten hetzen.

Von einer gegenwärtigen „Gefahr für den Frieden und für die Demokratie“ sprach auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp, dessen Partei die diesjährige Gedenkfeier ausrichtete. Rechtspopulisten würden auch heute wieder Hass ausbreiten. „Die Errungenschaften der letzten 71 Jahre sind zerbrechlich“, sagte er. Es brauche eine „wachsame und offene Gesellschaft“, damit sich die Verbrechen der Vergangenheit nicht wiederholen.

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