Gegen Gewalt und Kriminalität Bremer Polizei und Werder schließen ein Bündnis

Bremen. Der SV Werder Bremen und die Polizei wollen künftig noch enger zusammenarbeiten: Die Beamten bieten ihr Know-how auf dem Gebiet der Prävention von Gewalt und Rassismus - der SV Werder sein Netzwerk an Mitgliedern, Fans und Unterstützern.
29.06.2011, 05:00
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Von Marcus Schuster

Bremen. Der SV Werder Bremen und die Polizei wollen künftig noch enger zusammenarbeiten: Die Beamten bieten ihr Know-how auf dem Gebiet der Prävention von Gewalt und Rassismus - der SV Werder sein Netzwerk an Mitgliedern, Fans und Unterstützern. Eine potenzielle Zielgruppe von rund 250.000 Menschen. Die Marke Werder sei Gold wert für Vorträge, Workshops, Seminare und Sicherheitsprogramme der Polizei, sagte Präsident Holger Münch am Dienstag bei der Unterzeichnung einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung.

Beide Seiten "bekennen sich zu ihrer gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung und verfolgen gemeinsame Interessen und Ziele", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Daher wolle man mit Aktivitäten "einen Beitrag für das Wohlbefinden und das Sicherheitsgefühl" der Menschen leisten - im Alltag abseits des Stadions, wie Polizeipräsident Münch betonte: "Das haben wir bewusst getrennt. Wir haben uns gefragt: Was passiert außerhalb des Stadions? Wie können wir das Klima dort verbessern?"

In der Vergangenheit sei dies bereits mit Programmen über Werders soziale Projekte, wie etwa "60plus" ("Tipps und Tricks gegen Gauner") oder dem "Kids-Club" (Verkehrsschule), gelungen. Nun soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Bei Werder und Polizei denke man üblicherweise zuerst an randalierende Fans, an Probleme jeglicher Art, sagte Vereins-Geschäftsführer und Präsident Klaus-Dieter Fischer. "Das aber geht an der Sache vorbei", seien doch die Präventionsarbeit und die Sensibilisierung der Bevölkerung eine große Chance für alle Beteiligten. "Wir wollen von den Fans nicht nur geliebt werden, wir möchten auch etwas zurückgeben." Der moralische Aspekt im Stadion sei die eine Sache - von 600 Fanclubs hätten über 500 bereits Werders "Fan-Ethik-Kodex" unterschrieben - nun gelte es, die gute Zusammenarbeit mit der Polizei auf diesem Sektor um alltägliche Aspekte abseits des Stadions zu erweitern.

Große Nachfrage nach Angeboten

Fischer verwies unter anderem auf eine Veranstaltung zum Thema Zivilcourage im September, wieder für die Sektion "60plus". 28 Anmeldungen binnen weniger Tage - das zeige die Nachfrage nach solchen Angeboten.

"Jede Tat, die nicht stattfindet, ist ein größerer Erfolg als eine gelungene Ermittlung", sagte Holger Münch. Zwar bleibe die Polizei in Sachen Prävention ohnehin laufend am Ball, in Schulen, Seniorenheimen und anderswo - doch sei man dankbar für den Zugang, den das Netzwerk von Werder den sonst limitierten Möglichkeiten der Polizei biete. Ihr gelinge es heute nicht mehr, mit den ursprünglichen Methoden, die Menschen umfassend zu erreichen und zu informieren, sagte der stellvertretende Kripo-Chef Hans-Jürgen Rippe. Deswegen müsse man Personen "in ihrem Bannkreis, zum Beispiel den Vereinen" ansprechen. Rippe verwies auch auf Kommunikationswege im Internet wie Twitter und Facebook, die im Rahmen der Kooperation mit Werder von beiden Seiten intensiv genutzt werden müssten - angesichts des rein zahlenmäßigen Potenzials.

"Durch Werder Bremen erreichen wir Menschen aller Gesellschaftsschichten und jeden Alters", sagte Polizeisprecher Henning Zanetti. Im Idealfall trügen diese wiederum ihre Erfahrung und ihr Wissen, wenn es darum geht, Gewalt und Rassismus zu stoppen, "als Multiplikatoren in ihre Familien und Bekanntenkreise". Rassismus, Gewalt und Diskriminierung seien keine Phänomene des Fußballs, sagte Werder-Präsident Fischer, sondern der Gesellschaft an sich - der Fußball biete nur leider die Bühne dafür. "Deshalb müssen wir früh mit Prävention anfangen, in Kindergärten und Schulen."

Am kommenden Sonntag lädt Werder Bremen seine Mitglieder zum Sommerfest des "Kids-Club" ein. Auf der Kunstrasenanlage des Weser-Stadions findet von 11 bis 17 Uhr ein großes Familienfest statt, mit einer "Science Show" des Universum Bremen, Tanzvorführungen der Turnspiele- und Gymnastikabteilung, der "Kids-Club Ballschule", Torwandschießen, Slalomparcours mit Frank Neubarth und weiteren Programmpunkten. Die Polizei ist mit einem Verkehrsparcours, einem original Polizeimotorrad und einem Informationsstand vertreten. Um 14 Uhr wird Polizeipräsident Holger Münch zu einem Interview mit Stadionsprecher Christian Stoll auf der Bühne erwartet.

"Die Zusammenarbeit mit Werder und mit anderen Vereinen über Bremen hinaus ist bereits sehr gut", sagte Münch am Dienstag. "Nun wollen wir Stück für Stück vorangehen. Werder und Polizei - das ist kein Gegensatz."

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