Fahrrad-Inspektion nach hartem Winter Bremer Radwerkstätten arbeiten auf Hochtouren

Bremen. Seit der Winter locker gelassen hat, rennen die Radfahrer den Werkstätten die Bude ein. Zwei Räder und viel Rost, lautet meist die Diagnose, so auch bei Fahrrad Wolf in der Lüneburger Straße.
29.03.2010, 07:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Radwerkstätten arbeiten auf Hochtouren
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Es gibt Tage bei Fahrrad Wolf in der Lüneburger Straße, da dauert es nach der Öffnung am Morgen noch nicht mal eine halbe Stunde und jemand muss schon wieder das Schild in die Tür hängen: Zurzeit keine Reparaturannahme. Alles voll, nach einer halben Stunde. Seit der Winter locker gelassen hat, rennen die Radfahrer den Werkstätten die Bude ein. Zwei Räder und viel Rost, lautet meist die Diagnose.

'Winteredition 2009/2010' nennen die Leute bei Fahrrad Wolf scherzhaft die Qualität von Rädern, die ihnen in diesen Wochen unter die Finger kommt. 'Bei manchen lohnt es sich schon gar nicht mehr, sie zu reparieren', sagt Inhaber Björn Wulff. Was soll er auch tun, wenn das Innenleben der Naben in Rost erstarrt ist? 'Da lag oft wochenlang Schnee und Eis drauf, das Wasser sickert dann langsam ein und richtet enormen Schaden an', weiß der 44-Jährige. Die vielen kleinen Teile in der Nabe: ein einziger Rostklumpen.

Hochkant in die Ecke

Ketten, Zahnräder, Lager und Züge - das vor allem hat im Winter schwer gelitten. 'Wir haben Kettensätze gesehen, die konnte man hochkant in die Ecke stellen', erzählt Wulff. Glück für diejenigen, die ihr Fahrrad während der vergangenen Monate irgendwo im Schuppen unterstellen konnten und so klug waren, es dort auch stehen zu lassen. Mit Bus und Bahn war man besser bedient, und das Fahrrad dankt es einem jetzt.

Pflege, gute Pflege, am besten mit Ballistol, dann kommt ein Rad auch gut durch den Winter, empfiehlt Hacky Vogt von der Fahrradstation Neustadt. 'Das ist wie die Creme zum Schutz gegen Sonnenbrand und sollte genauso selbstverständlich sein.' Der Winter war hart für Vogt und sein Geschäft. 'Wir haben dicke Arme bekommen, aber nicht von der Arbeit in der Werkstatt, sondern vom Schneeschippen.' In seiner Not fing er an, sein eigenes Rad zu reparieren: 'Das war nicht lustig.'

Massive Einbußen

Es war eine kapitale Flaute bei den Fahrradhändlern. Die Umsätze gingen massiv zurück, allein im Januar und Februar um mehr als die Hälfte, schätzt Björn Wulff. Wer kauft sich schon ein Fahrrad, wenn es auf den Straßen und Wegen glatt ist? Und das nicht an wenigen Tagen, sondern gleich wochenlang, ohne dass die Stadt mal wirklich was dagegen unternommen hätte. Genauso bei den Reparaturen: Wozu das Fahrrad auf Vordermann bringen lassen, wenn es danach zu Hause doch wieder nur vor der Tür stehen bleibt und stumm vor sich hingammelt?

Nun aber ist das wieder anders. 'Die kommen alle auf einmal und mit Vorliebe montags', erzählt Wulff. Maximal 30 Räder, mehr kann er pro Tag nicht annehmen. 'Unser Problem ist der Platz, wir haben einfach zu wenig davon.' Da nützt kein Bitten und kein Betteln - wer morgens mit seinem Fahrrad nicht früh dran ist, wird von Wulff wieder weggeschickt. Am nächsten Tag gibt?s immerhin eine neue Chance. 'Die Leute gucken auf Ostern und planen längere Touren, die sind richtig geil darauf, wieder unbeschwert mit dem Rad fahren zu können', sagt der Händler.

Ein Gefühl, das auch die Profis packt. 'Ich hab? richtig Lust, mich aufs Fahrrad zu setzen', sagt Christian Kossow vom Fahrradladen Speiche im Viertel. Auch er spricht von 'heftigen Einbrüchen' im Winter, freut sich nun aber, dass die Verkäufe wieder deutlich anziehen. Mit den Reparaturen kommen die Mechaniker bei Speiche kaum nach. Geht es um Kleinigkeiten, werden die schon mal zwischendurch erledigt, erzählt Kossow, so viel Kundenpflege muss sein. Sonst aber sind sie ziemlich ausgebucht. 'Bei den größeren Reparaturen gibt es zurzeit eine Wartezeit von bis zu drei Wochen', so der Speiche-Mann.

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