Landeswettbewerb von "Jugend forscht"

Bremer Schleimpilze für Paderborn

Bereits zum zweiten Mal wurden Tobias Henke (16) und Henrik Feuersänger (16) zum Bundeswettbewerb von "Jugend forscht" eingeladen. Für ihr Schleimpilz-Projekt wurden sie jetzt in Bremen ausgezeichnet.
05.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von JASPER TIEDEMANN
Bremer Schleimpilze für Paderborn

Henrik Feuersänger (links) und Tobias Henke (beide 16 Jahre alt) vom Hermann-Böse-Gymnasium.

Christina Kuhaupt

Bereits zum zweiten Mal wurden Tobias Henke (16) und Henrik Feuersänger (16) zum Bundeswettbewerb von "Jugend forscht" eingeladen. Für ihr Schleimpilz-Projekt wurden sie jetzt in Bremen ausgezeichnet.

Was haben Verkehrsplaner und Schleimpilze gemeinsam? Beide Spezies können offenbar Straßen- und Schienennetze entwickeln. Seit zwei Jahren forschen Tobias Henke (16) und Henrik Feuersänger (16) bereits an dem Projekt, das ihnen nun zum zweiten Mal eine Einladung zum Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ eingebracht hat. Am Freitag wurden die Sieger des Landeswettbewerbs Bremen im Musical-Theater ausgezeichnet.

„Unser Modell ist jetzt noch realer“, verspricht Henrik Feuersänger. Im vergangenen Jahr hatten die beiden Schüler mittels einer Petrischale eine Deutschlandkarte simuliert. Mit Haferflocken markierten sie große Städte. Der Schleimpilz sollte so die effizientesten Verbindungen herausfinden. Jetzt haben die beiden Elftklässler, die das Alte Gymnasium besuchen, anhand von Salzlösungen auch Flüsse und Seen markiert. Unterstützt wurden sie dabei von der Universität Bremen, die die Ausrüstung stellte.

Die Ausdauer wird gefördert

Mathematische Zaubertricks: Eva Fricke.

Mathematische Zaubertricks: Eva Fricke.

Foto: Christina Kuhaupt

Tobias Henke und Henrik Feuersänger sind zwei von 320 Schülern in Bremen, die in diesem Jahr am Wettbewerb teilgenommen haben. 58 davon haben sich mit 28 Arbeiten in den Regionalausscheidungen für den Landeswettbewerb qualifiziert. „Gemessen an der Einwohnerzahl ist Bremen damit bundesweiter Spitzenreiter“, sagt der Bremer Wettbewerbsleiter Carsten Pieper. Der Patenbeauftragte von Airbus, Ingo Giese, ist mit den Zahlen ebenfalls zufrieden, „auch wenn es in Mathe ein paar Anmeldungen mehr geben könnte“. Von Beginn an – seit 50 Jahren – unterstützt Airbus den Landeswettbewerb in Bremen.

„Wir leben von der Begeisterung für Technik“, betont Giese. Obwohl sich diesmal kein Bremer Teilnehmer mit einem Luft- oder Raumfahrtthema für das Bundesfinale qualifizieren konnte, sei der Wettbewerb eine Bereicherung für das Unternehmen. Die Teilnahme an „Jugend forscht“, so Giese, fördere die Ausdauer der Jugendlichen. „Sie können sich so auf Projekte im späteren Berufsleben vorbereiten, die zehn oder 15 Jahre dauern.“

Vier weitere Bremer konnten sich qualifizieren

Der Schwerpunkt der Schüler lag in diesem Jahr auf Nachhaltigkeit: Bio-Waschmittel, Shampoo, Plastiktüten und umweltfreundliche Wohneinrichtungen sind nur einige der vielen Umweltthemen, mit denen sich die Jungforscher dieses Jahr beschäftigt haben. Pia Quaas, Laura-Emely Luschka und Nina Korczykowski (alle 16) haben sich mit ihrem Beitrag zum Klimaschutz sogar für das Bundesfinale qualifiziert. Die drei Schülerinnen vom Bremerhavener Lloyd-Gymnasium haben am Beispiel des Ahlenmoors im Elbe-Weser-Dreieck untersucht, welche Rolle Moore für das Klima spielen.

Neben den Forschungen zu Schleimpilzen und Mooren konnten sich noch vier weitere Bremer Projekte für den Bundeswettbewerb Ende Mai in Paderborn qualifizieren: Chiara Tappermann und Konrad Alfes (beide 18) vom Kippenberg-Gymnasium haben eine Zeltkonstruktion aus Bambus entwickelt. Das Zelt soll in jedem Klima einsetzbar sein und Krisenopfern und Flüchtlingen ein humanes Wohnen ermöglichen.

Arta Safari untersucht Schwingungen.

Arta Safari untersucht Schwingungen.

Foto: Christina Kuhaupt

Alpay Yildiray (18) und Moritz Rocker (16) vom Ökumenischen Gymnasium haben untersucht, wie mit minimalen Ressourcen künstliche Intelligenz geschaffen werden kann. Eva Lea Fricke (16) überzeugte die Jury mit „mathematischen Zaubertricks“ – und Arta Safari (16) mit einer Untersuchung der Schwingungen verschiedener Moleküle. Beide besuchen das Alte Gymnasium, das damit gleich vier Schüler zum Bundeswettbewerb schickt.

Neben den Regionalsiegern von „Jugend forscht“ durften auch die Gewinner der Juniorensparte, „Schüler experimentieren“, ihre Projekte im Musical-Theater ausstellen. Vivien Schliefke (14) und Evelyn Zimmermann (13) produzieren seit November in der Küche zu Hause Schokolade – aus Kakaobutter, Eiweißpulver und Goji-Beeren. Das Besondere: Ihre „Beauty-Schoki“ soll nicht nur den Muskelaufbau fördern, sondern nebenbei auch noch Diabetes behandeln. Die schön machende Schokolade schmecke nicht nur leckerer als ihr Pendant aus dem Supermarkt, wie die beiden Schülerinnen versichern, sondern sei auch ein gutes Geschäft: Für 3,50 Euro pro Tafel verkaufen die Jungforscherinnen ihr Produkt an ihrer Schule.

Mehr Teilnehmer werden gewünscht

Vincent Hoekzema mit Rennschnecke.

Vincent Hoekzema mit Rennschnecke.

Foto: Christina Kuhaupt

Der gefragteste Aussteller war zugleich der jüngste: Mit seinen Rennschnecken gewann der neunjährige Vincent Hoekzema die Herzen der Besucher. Der Viertklässler hatte eine Rennstrecke für afrikanische Achatschnecken gebaut und untersucht, wie schnell sich die Tiere jeweils für Gurken, Salat und Hundefutter bewegen. Seine neun Schnecken hält der Grundschüler bei sich zu Hause – und freut sich schon auf seine erste Biologiestunde am Gymnasium.

Für Felix Kreicker (10), Gurmesa Bürger (10) und Victoria Engel (9) gab es sogar einen ersten Preis im Juniorenbereich. Sie haben Bechertelefone entwickelt, mit denen man durch ein ganzes Haus telefonieren können soll.

Doch auch, wer beim Landeswettbewerb leer ausging, könne stolz auf sich sein, sagt Ingo Giese. „Die Urkunde ist schon ein Qualitätsmerkmal.“ Für das kommende Jahr wünscht sich Landeswettbewerbsleiter Carsten Pieper noch einmal eine Steigerung der Teilnehmerzahl – und hofft, dass noch mehr Lehrer an ihren Schulen für „Jugend forscht“ werben. „Lehrer können Türöffner für die Schüler sein, wenn es um das wissenschaftliche Arbeiten geht“, weiß Pieper und ergänzt: „Meistens ist die Arbeit für beide Seiten befruchtend.“

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