Ein Psychopath und viel Blut Bremer Schülerinnen schreiben Krimi

Ein Psychopath, innere Stimmen und sehr viel Blut: Schülerinnen der Wilhelm-Olbers-Schule schreiben derzeit an ihrem eigenen Krimi. Unterstützt werden sie vom Bremer Autor Osman Engin.
18.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Silvia Pucyk

Ein Psychopath, innere Stimmen und sehr viel Blut: Schülerinnen der Wilhelm-Olbers-Schule schreiben derzeit an ihrem eigenen Krimi. Unterstützt werden sie vom Bremer Autor Osman Engin.

Blut muss fließen. Sehr viel Blut. Das ist jedenfalls die Vorstellung der Schülerin Alida Foot und ihren Mitschülerinnen. Die 15-jährige Alida schreibt mit zwölf weiteren Schülerinnen an einem Krimi. „Meine Gruppe ist für die brutalen Ideen zuständig. Für Psychopathen und so“, erzählt sie. Mit zwei weiteren Schülerinnen sitzt sie hinter einem Laptop und tippt in die Tasten. Der Titel des Romans bleibt geheim. Nur so viel wird verraten: Die Geschichte spielt in Irland und erzählt von einem Mörder, der von inneren Stimmen gejagt wird.

Die Schülerinnen nehmen an der zweiten Runde des Projekts „Schulhausroman“ teil, eine Idee des Literaturhauses Bremen. „In der Schweiz gibt es das Projekt schon lange. Wir haben es nach Bremen geholt“, erzählt Geschäftsführerin Heike Müller. Das Besondere: Die Schülerinnen schreiben nicht einfach so einen Roman. Sie bekommen Hilfe von einem Profi. In diesem Fall ist es der deutsch-türkische Autor und Satiriker Osman Engin, bekannt durch Beiträge im Satiremagazin Titanic oder der Taz. „Ich habe großen Spaß daran, mit Schülern zusammenzuarbeiten. In diesem Alter kann man Jugendliche noch für Literatur begeistern“, sagt der Literaturpreisträger. Warum es in dem Roman der Schülerinnen besonders brutal zugeht, vermag er nicht zu erklären. „Das scheint der Zeitgeist zu sein“, sagt er.

"Sprachliche Ausdrücke werden ausgefeilter"

Beim Schreiben des Krimis geht es Engin vor allem darum, den Schülerinnen nicht zu sehr hineinzureden. „Sie sind sehr kreativ. Ich halte mich mit Ratschlägen zurück und lasse ihnen freien Lauf.“ Lediglich bei Schreibblockaden erhalten die Jugendlichen Tipps vom Profi. Aber die kommen selten vor. „Die Schülerinnen sind sehr motiviert. Sie arbeiten freiwillig die Pause durch“, berichtet Lehrerin Eva Laux von der Wilhelm-Olbers-Schule. Seit Herbst vergangenen Jahres betreut sie jeden Donnerstag für drei Schulstunden die Projektgruppe. Bei ihren Schülerinnen nimmt sie Fortschritte wahr. „Die sprachlichen Ausdrücke werden ausgefeilter. Sie können besser argumentieren“, berichtet die 32-Jährige.

Auch Alida fühlt sich selbstbewusster, seit sie an dem Projekt teilnimmt. „Ich kann jetzt viel besser Texte schreiben und formulieren“, sagt sie. Besonders freut sie sich darüber, dass ihre Familie ihr den Rücken stärkt. „Meine Eltern und Freunde sind sehr stolz auf mich, dass ich an diesem Roman mitschreibe.“ Dass es sich hierbei um eine große Gruppenarbeit handelt, stört sie nicht. „Jeder von uns hat eine gute Idee. Wir einigen uns auf die Beste und teilen die Kapitel untereinander auf. Ich mag es, mit vielen anderen an dem Buch zu schreiben.“

Jungs interessieren sich mehr für Fußball

Jungs gibt es in der Projektgruppe nicht. „Die interessieren sich für Fußball und Informatik“, sagt Ezo Bezenk, die ebenfalls an dem Schreibprojekt teilnimmt. Bei der ersten Runde des Projekts mit dem Bremer Slam-Poeten Bas Böttcher als Schreib-Profi an einer Schule in Gröpelingen waren auch Jungs dabei. Die Schüler schrieben damals ihren Roman über Promis in der Glitzerwelt. „Die Schüler brauchten besondere Förderung. Unser Projekt hat ihnen geholfen, sich sicherer in der deutschen Sprache zu fühlen“, berichtet Müller.

Bremer Schulen können sich beim Literaturhaus für das Projekt bewerben. Es richtet sich an Jugendliche der siebten bis neunten Klassen. Finanziert wird es allein durch Spenden. Das Startkapital kam von der Bremer Stiftung „Gib Bildung eine Chance“. In der nächsten Runde wird unter anderem die Bremer Oberschule an der Schaumburger Straße teilnehmen.

Im Juni soll der Kriminalroman der Schülerinnen aus der Wilhelm-Olbers-Schule im Bremer Carl-Schünemann-Verlag veröffentlicht werden. Die Jugendlichen werden dann in der Bibliothek einem Publikum aus ihrem Roman vorlesen. Außerdem werden sie im Bremer Funkhaus ihr Buch vorstellen. Bis dahin soll noch viel Blut im Krimi fließen. Einige der Schülerinnen denken mittlerweile gar nicht mehr ans Aufhören. „Ich kann mir vorstellen, dass ich später beruflich als Autor arbeite und Bücher schreibe“, sagt Alida. Die Schülerinnen haben das Ende ihres Krimis ganz bewusst offen gehalten. Fortsetzung folgt.

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