Bremer Schwimmlehrerin im Porträt Die Angstnehmerin

Die Bremerin Melanie Osmers will als Schwimmlehrerin Kindern ihre Liebe zum Wasser weitergeben und ihnen die Angst vor dem Schwimmen nehmen. Dafür hat sie einige Tricks.
28.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Angstnehmerin
Von Maurice Arndt

Zum Schwimmen lernen braucht es Menschen wie Melanie Osmers. Die Schwimmlehrerin nimmt seit 2005 Kindern die Angst vor dem Wasser, einem Element, dass für sie alles andere als einschüchternd ist. „Dieses Gefühl der Schwerelosigkeit im Wasser – einfach mal kurz abtauchen können“, für Melanie Osmers ist das etwas ganz Besonderes.

Kindern die Angst vor dem Wasser zu nehmen: Das ist ihr ein persönliches Anliegen. Es ist jedoch nicht der Grund, warum sie ehrenamtliche Schwimmlehrerin geworden ist. Tatsächlich gibt es den gar nicht so richtig. Über ihre eigenen Schwimmkurse ist die 29-Jährige in Kontakt mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gekommen. Nach und nach sei sie dann in die ehrenamtliche Arbeit reingerutscht, wurde auch Rettungsschwimmerin. Geblieben ist die gebürtige Bremerin wegen der Kollegen – und der Kinder.

Sorge um Kinder

Es gebe kaum etwas Schöneres, als zu beobachten, wenn Kinder das erste Mal schwimmen. Für Melanie Osmers ist dieses Gefühl so erfüllend, dass sie das Unterrichten von Kindern sogar zu ihrem Beruf machte. Auch wenn beim Grundschulunterricht dieser eine, besondere Moment ein wenig fehle: „Der Lerneffekt ist nicht ganz so deutlich sichtbar wie bei der Schwimmausbildung, wo die Verleihung der Schwimmabzeichen den Lernerfolg signalisiert.“

Wichtig sei ihr vor allem, dass sie zur Sicherheit von Kindern beitragen kann. Gerade deswegen fehlt ihr die Arbeit besonders, jetzt, wo Corona alles ausbremst. „Natürlich vermisse ich auch die Kollegen und den Spaß, den mir die Schwimmausbildung bereitet. Ich sorge mich aber um die Kinder.“ Aufgrund der Pandemie wachse derzeit eine Generation von Nichtschwimmern heran. „Die ausfallenden Ausbildungen werden wir nicht aufholen können.“

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In einem normalen Jahr führt Melanie Osmers etwa 45 Kinder ans Schwimmen heran. Zusammen mit Kollegen leitet sie in einem Jahr üblicherweise drei Ausbildungskurse mit jeweils 15 Terminen. Die Schwimmlehrerin kümmert sich vor allem um die Wassergewöhnung und Wasserbewältigung, sozusagen die Vorschule des Schwimmenlernens, und bereitet Kinder auf die Seepferdchenausbildung vor.

Ihre Aufgabe ist es, den Kindern zuallererst die Angst zu nehmen. „Kinder sollen lernen, dass sie sich mit ihrer Körperspannung über Wasser halten können. Das erfordert Vertrauen in den eigenen Körper und das Wasser.“ Mit Angst und ohne Vertrauen sei es schwierig, Schwimmen zu erlernen.

Trickkiste für das Schwimmtraining

Damit ihre Arbeit als Angstnehmerin glückt, hat sich Melanie Osmers sprichwörtlich eine große Trickkiste zugelegt. Schritt für Schritt nimmt sie so Ängste, etwa durch betröpfeln der Schwimmanfänger mit einer kleinen Gießkanne. „Damit die Kinder beim Tauchen ihre Augen offen halten, hilft es oft ihnen zu sagen, dass sie dann unter Wasser Haie oder Meerjungfrauen sehen können.“ Auch kleine Wettkämpfe lasse sie sich immer wieder einfallen, um die Schwimmanfänger zu motivieren.

Denn motiviert sollen die jungen Schwimmer auf jeden Fall bleiben, um mindestens bis zum Bronze-Abzeichen durchzuhalten. Osmers ist überzeugt: „Wer ein Seepferdchen hat, ist noch kein sicherer Schwimmer.“ Das sollten Kinder aber sein, bevor Eltern sie alleine an den Badesee gehen lassen. Sonst könne es gefährlich werden: „Ertrinkende hört man nicht, sie gehen einfach unter – ohne wildes Geplansche, wie man es aus Filmen kennt.“

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„Ich freue mich mit jedem Kind, dass erfolgreich bei uns Schwimmen lernt, weil sie mir auch immer etwas ans Herz wachsen – und weil jeder Schwimmer und jede Schwimmerin mehr etwas Gutes ist“, sagt Melanie Osmers. Seit 2010 leitet sie eigene Schwimmausbildungen. Seitdem ist ihr ein Kind besonders in Erinnerung geblieben, weil es einen besonders langen Atem bewies. „Das Kind war zwei Jahre bei uns und hat wegen einer Behinderung nur sehr langsam gelernt. Doch gemeinsam mit den Eltern sind wir drangeblieben – und am Ende stand das Schwimmabzeichen in Silber“, erinnert sie sich. Der Abschied sei dann anders als üblich auch ein wenig schwergefallen.

Viel Erfahrung

Druck verspüre sie nicht, trotz aller Verantwortung. Am Beckenrand etwa sei sie nie alleine, zudem habe sie viel Erfahrung darin, Kinder einzuschätzen. Meist könne sie bereits nach dem ersten Kontakt mit ein paar Wasserspritzern sagen, welche Kinder leicht Schwimmen lernen und welche Schwierigkeiten bekommen werden. Im Übrigen seien es nicht immer die extrovertierten Kinder, denen die Schwimmausbildung leicht falle. Melanie Osmers, die selbst ruhig und reflektiert ist, ist dafür das beste Beispiel.

Im Wasser fühlte sie sich von Anfang an zu Hause. Seitdem dreht sich ihr Leben um das Schwimmen und die DLRG – etwas, das die sie selbst dann nicht aufgeben würde, wenn sie aus Bremen wegziehen müsste. Für sie ist klar: „Ich möchte auch noch am Beckenrand stehen, wenn ich alt und grau bin. So wie es meine Schwimmausbilderin gemacht hat.“ Eine Sache nutze sich schließlich niemals ab. „In die strahlenden Augen zu blicken und zu sehen, wie stolz den Eltern von den eigenen Erfolgen berichtet wird“, sagte Melanie Osmers, „das wird nie alt.“

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