Weniger Fläche, aber immer noch zu viel

So sah der letzte Entwurf für das Sparkassengelände aus

Die Libeskind-Türme sind passé. Stattdessen präsentierten die Schapiras für das Sparkassengelände am Brill zuletzt Pläne des internationalen Architektur- und Planungsbüros Chapman Taylor aus Düsseldorf.
25.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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So sah der letzte Entwurf für das Sparkassengelände aus
Von Jürgen Hinrichs
So sah der letzte Entwurf für das Sparkassengelände aus

Die Konzeptstudie des Architektur- und Planungsbüros Chapman Taylor zur Bebauung des Sparkassengeländes.

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Der höchste Turm im Libeskind-Entwurf für das Sparkassengelände maß annähernd 100 Meter. Das Gebäude aus Stahl und Glas wäre in dieser Hinsicht gleichauf mit dem Bremer Dom gewesen. Für Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki war das ein verdammenswerter Sündenfall, für andere eine großstädtische Geste und ausnahmsweise mal ausgefallene Architektur.

Doch der Plan ist Geschichte, bevor er überhaupt Wirklichkeit werden konnte. Die Türme sind passé. Geltung hatte für den Investor zuletzt nur noch ein Entwurf des internationalen Architektur- und Planungsbüros Chapman Taylor aus Düsseldorf. Er ist bisher noch nicht öffentlich gezeigt worden, liegt dem WESER-­KURIER jetzt aber vor.

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In der Konzeptstudie, die am 5. März den Bremer Behörden präsentiert wurde, passen sich die Neubauten mit einer Ausnahme mehr oder weniger der Höhe der denkmalgeschützten historischen Kassenhalle an. Die Ausnahme ist das Haus an der Ecke Am Brill/Hankenstraße. Es sollte 53 Meter messen und damit so hoch werden wie das Tivoli-Hochhaus am Rembertiring. Das Siemens-Hochhaus, in dem die Baubehörde sitzt, hat 61 Meter.

Von den 16 Geschossen des geplanten Neubaus wären die unteren sechs für Gewerbe und Büros genutzt worden. Darüber wären hochwertige Wohnungen entstanden. Geplant waren für das Hochhaus außerdem zwei Untergeschosse, die als Tiefgarage mit Platz für rund 300 Autos genutzt werden sollten. Insgesamt hat Chapman Taylor mit einem Mix aus Gewerbe, Hotel, Büro und Wohnen geplant. Dass die Flächen zum Beispiel auch für ein Museum genutzt werden könnten, wie es Libeskind vorhatte, stand offenbar nicht zur Debatte. Architektur ist in dem Entwurf noch keine enthalten. Es geht allein um die Kubatur der Gebäude.

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Bauressort lehnte Pläne ab

Als Wege in das Quartier hinein wären im Wesentlichen die bestehenden Gassen und Straßen genutzt worden. Das Ziel der Stadt, die Fläche durchlässiger zu machen, um das in vielen Belangen abgehängte Stephaniviertel besser an die City anzuschließen, wird in dem Entwurf nicht verfolgt. Auch das soll, neben dem Streit um das Ausmaß der Bruttogeschossfläche des Projekts, ein Grund gewesen sein, weswegen das Bauressort die Pläne abgelehnt hat.

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Investor auf dem Sparkassengelände ist das Bruderpaar Samuel und Pinchas Schapira aus Israel. Dem Vernehmen nach hat es der Sparkasse 50 Millionen Euro für das 11.000 Quadratmeter große Areal gezahlt. Andere Interessenten hatten deutlich weniger geboten. In Bremen sind die beiden weltweit agierenden Unternehmer schon länger im Geschäft. Sie investierten in die Stadtbibliothek am Wall und in ein Gebäude von DHL im Güterverkehrszentrum in Bremen-Strom. Beide Immobilien sind mit hohem Gewinn bereits vor langer Zeit wieder verkauft worden. Aus dieser Zeit rührt der enge Kontakt zur Sparkasse Bremen her.

Schapiras sind die Exponenten eines Familienunternehmens

Chapman Taylor sind sozusagen die Haus-und-Hof-Architekten der Schapiras. Das Planungsbüro hat zum Beispiel den architektonisch ambitionierten Entwurf für ein großes Einkaufszentrum gezeichnet, das die Schapiras gerade in Weil am Rhein bauen. Sie hinken dabei weit hinter dem Zeitplan her. Eigentlich sollte der Komplex im Herbst dieses Jahres in Betrieb gehen. Das verzögert sich nun nach Berichten der örtlichen Zeitungen um mindestens ein Jahr.

Ankunft Schapira-Brüder Rathaus - Sparkassen-Areal
Das Brüderpaar Schapira auf Stippvisite in Bremen.

Foto: Christina Kuhaupt

Samuel und Pinchas Schapira sind die Exponenten eines weit verzweigten Familienunternehmens. Sie treten nur selten in der ­Öffentlichkeit auf und lassen in der Regel andere für sich sprechen. In Bremen hat der Berliner Projektentwickler Assmann die Präsentationen übernommen. Das Foto des WESER-­KURIER, wie die beiden Brüder im Februar vergangenen Jahres zu Gesprächen das Bremer Rathaus betreten, ist deshalb eine Rarität.

Die Schapira-Gruppe hat sich stark auf das Geschäft mit Immobilien verlegt und konnte damit in den vergangenen Jahrzehnten enorme Gewinne machen. Seit dem Jahr 2003 ist sie auch in Deutschland aktiv – unter anderem mit dem Bau von Einkaufszentren wie zurzeit in Weil am Rhein und vor gut 20 Jahren in Karlsruhe, wo das alte Postgebäude zu einem Ladenkomplex umgebaut wurde. Zum Gesamtbestand gehören aber auch Altenpflegeheime und in Bremen zeitweise sogar eine Bücherei.

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