Interview mit SPD-Fraktionsvorsitzende

Petra Krümpfer: „Es gibt im Moment eine große Solidarität“

Die Bremer SPD vergibt zum zweiten Mal ihren Nachbarschaftspreis für ehrenamtliches Engagement. Im Interview erklärt Petra Krümpfer, an wer mit der Auszeichnung geehrt werden soll.
10.05.2020, 19:50
Lesedauer: 2 Min
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Petra Krümpfer: „Es gibt im Moment eine große Solidarität“
Von Nina Willborn
Petra Krümpfer: „Es gibt im Moment eine große Solidarität“

Petra Krümpfer ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bremer SPD. Diese verleiht nun zum zweiten Mal den Nachbarschaftspreis, womit besonders Leute, die sich in einem sehr hohen Maße engagieren ausgezeichnet werden sollen.

Frank Thomas Koch
Die SPD verleiht zum zweiten Mal einen Preis für nachbarschaftliches Engagement. Wie nehmen Sie es in der Zeit der Krise wahr? Helfen sich die Menschen im Moment mehr als sonst?

Petra Krümpfer: Ich glaube, das ist abhängig von der eigenen Lebenssituation. Es gibt natürlich Menschen, die jetzt unter anderem stark finanziell leiden. Es gibt aber auch Menschen, die normal weiterarbeiten. Von denen erfährt man im Moment eine große Solidarität, wenn es darum geht, andere finanziell zu unterstützen, zum Beispiel, indem sie Einkaufsgutscheine kaufen oder verschenken. Jetzt rücken auch die Wertigkeit von kulturellen Veranstaltungen aber auch von der Tagesbetreuung von Kindern, vielen noch einmal ganz anders ins Bewusstsein. Dieser Gedanke deckt sich zu großen Teilen mit dem Motto unseres diesjährigen Nachbarschaftspreises: ,Wir sind füreinander da'.

Wer kann sich bewerben?

Wir wollen mit der Ausschreibung Menschen ansprechen, die sich jetzt in besonderem Maße um andere kümmern. Ob sie für die Nachbarschaft einkaufen, Schutzmasken nähen oder Treffen wie Straßenmusik oder Sport von den Balkonen aus organisieren, natürlich immer mit dem gebotenen Abstand. Es passiert mittlerweile sehr viel. Es können sich natürlich auch gemeinnützige Gruppen oder Initiativen wie auch Einzelpersonen bewerben, die auch sonst für andere da sind.

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Gibt es besondere Kriterien, nach denen die Jury den Preis vergibt?

Wir würden uns freuen, wenn wir auch in diesem Jahr Initiativen oder Projekte aus Quartieren, die sonst nicht so stark im Fokus stehen, auszeichnen können. Aber wir schauen natürlich, was eingereicht wird. Im vergangenen Jahr hatten wir 40 Bewerber, es dürfen aber gerne mehr werden. Dann ist für uns natürlich die Qual der Wahl größer. Wir würden Bewerber gegebenenfalls aber auch an andere Organisatoren wie beispielsweise die vielen Bremer Stiftungen verweisen, die auch Preise für ehrenamtliches Engagement ausloben.

Ist Langfristigkeit der Initiativen auch ein Aspekt?

Das wäre natürlich toll. Das hat sich ja auch im Nachhinein bei vielen Initiativen für geflüchtete Menschen ergeben. Nach wie vor engagieren sich sehr viele Menschen zu diesem Thema, gehen in die Übergangswohnheime und unterstützen die Menschen dort, in dem sie die Sprache vermitteln oder bei Anträgen und in allen möglichen Lebenssituationen helfen.

Was reizt Sie persönlich daran, ehrenamtlich zu arbeiten?

Zunächst einmal finde ist es toll am System der Bundesrepublik, dass es auch gefragt ist, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Man kann gemeinsam etwas erreichen. Man kann Menschen eine Freude machen. Und man kann andere mitreißen. Ich bin zum Beispiel bei den Nachtwanderern der BSAG aktiv, die nachts junge Menschen auf dem Weg nach Hause begleiten. Dabei habe ich schon viele nette Leute kennengelernt, die oft gar nichts mit Politik oder meinem normalen Job zu tun haben, die aber meinen Horizont erweitern. Deshalb macht es mir auch so viel Spaß.

Das Gespräch führte Nina Willborn.

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Zur Person

Petra Krümpfer (61)

ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielt die Sozialpädagogin 2005 das Bundesverdienstkreuz.

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Informationen zur Bewerbung

Für den Nachbarschaftspreis der SPD können sich ab Montag, 11. Mai, nicht-kommerzielle, gemeinnützige Initiativen, Projekte und Vereine, aber auch Einzelpersonen, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, bewerben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert (1000 Euro für den ersten, 500 Euro für den zweiten Preisträger), die die Fraktionsmitglieder gespendet haben. Bewerbungsschluss ist Sonntag, der 7. Juni 2020. Die Preisverleihung findet noch vor den Sommerferien statt. Details und das Teilnahmeformular sind auf der Homepage www.spd-fraktion-bremen.de/nachbarschaftspreis zu finden.

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