Rückzug von Sascha Aulepp

Bremer SPD vor Führungswechsel

Die bevorstehende Wahl der SPD-Landesvorsitzenden Sascha Aulepp zur Bildungssenatorin zieht weitere Veränderungen nach sich. Es gilt als möglich, dass Bürgermeister Andreas Bovenschulte den Vorsitz übernimmt.
21.04.2021, 20:46
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Bremer SPD vor Führungswechsel
Von Jürgen Theiner
Bremer SPD vor Führungswechsel

Bei der Bremer SPD kündigt sich ein Wechsel an der Parteispitze an.

Jan-Philipp Strobel / dpa

Wer übernimmt nach dem bevorstehenden Eintritt von SPD-Chefin Sascha Aulepp in den Senat die Führung der Landespartei? Dass sich auf dieser Position etwas tun wird, ist absehbar, denn nach Informationen des WESER-KURIER wird Aulepp dem Landesvorstand am Freitag mitteilen, dass sie auf dem Landesparteitag am 12. Juni nicht mehr für eine Wiederwahl kandidieren wird.

Für einen solchen Schritt gibt es zwar keine satzungsmäßigen Vorgaben. Nirgendwo findet sich in den Statuten der Bremer SPD ein Passus, der es verbietet, dass Landesvorsitz und Senatorenamt in Personalunion ausgeübt werden. Und doch war die Trennung dieser Funktionen in den vergangenen Jahrzehnten die Regel. Man muss schon bis in die Achtzigerjahre zurückschauen, um mit dem damaligen Gesundheitssenator Herbert Brückner jemanden zu finden, der zumindest kurzzeitig parallel den Landesvorsitz bekleidete.

Trotzdem könnte es am 12. Juni dazu kommen, dass ein Mitglied des Senats den Landesvorsitz übernimmt. Nur hieße dieses Mitglied dann nicht mehr Sascha Aulepp, sondern Andreas Bovenschulte. Ein solches Szenario wird in meinungsprägenden Parteizirkeln zumindest ernsthaft erwogen. Der Bürgermeister, so die Überlegung, könnte die Partei zumindest übergangsweise bis zur nächsten Bürgerschaftswahl im Jahr 2023 führen, die für die Sozialdemokraten auf lange Zeit richtungweisend werden dürfte. Viele einflussreiche Funktionäre befürchten nämlich, dass die Grünen nach einer erfolgreichen Bundestagswahl, bei der die SPD auf Platz drei zurück fiele, in Bremen anschließend vor Kraft kaum noch laufen können. Nur mit einem Bürgermeister, auf den nicht nur im Senat, sondern auch in der Partei alles zugeschnitten wäre, ließe sich dann der Griff der Grünen nach dem Rathaus noch erfolgreich abwehren.

Andreas Bovenschulte als Übergangslösung wäre aus Sicht einiger Parteistrategen auch geeignet, einen Generationswechsel anzubahnen, der ohnehin mittelfristig ansteht. Er verbindet sich mit zwei Namen: Falk Wagner (31) und Sarah Ryglewski (38). Wagner ist bereits Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Bremen-Stadt, mithin der größten Gliederung unterhalb der Landesebene. Der baupolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion hat Ausstrahlung, er gilt als das größte politische Talent der Bremer SPD. Aus privaten Gründen läge es für ihn allerdings näher, mit der Übernahme der Spitzenverantwortung im Landesverband noch ein bisschen zu warten.

Ryglewski wiederum hat als Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium persönlich schon viel erreicht, ihr Auftreten auf Parteitagen wird an der Basis aber oft als etwas spröde empfunden. Die Herzen fliegen ihr jedenfalls nicht so zu wie Falk Wagner.

Wegen seiner Funktion als Bremerhavener SPD-Chef wäre der frühere Wirtschaftssenator Martin Günthner auch stets eine Option. Der 45-Jährige kann souverän auftreten und hätte das Format für das Amt. Allerdings hat er erst kürzlich eine leitende Funktion in einem größeren Unternehmen übernommen und damit indirekt signalisiert, dass er tendenziell eher auf dem Weg heraus aus der aktiven Politik ist.

Fragt man die einflussreichen Strippenzieher nach ihrer Einschätzung, wer's denn wird, dann sagen die meisten: Bovenschulte oder Wagner. Einer dieser beiden Namen wird deshalb wohl auf dem Zettel stehen, wenn der Landesvorstand dem Parteitag am 12. Juni einen Vorschlag macht.

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