Vergiftung durch Capri-Sonne Bremer Staatsanwaltschaft will weiter ermitteln

Bremen. Rätsel im Vergiftungsfall mit Capri-Sonne: Nachdem die Staatsanwaltschaft sicher davon ausgegangen ist, es mit einem versuchten Mord zu tun zu haben, muss der zuständige Haftrichter offenbar das Geständnis ganz anders interpretiert haben.
31.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Staatsanwaltschaft will weiter ermitteln
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Rätsel über Rätsel im Vergiftungsfall mit Capri-Sonne: Nachdem die Staatsanwaltschaft sicher davon ausgegangen war, es mit einem versuchten Mord zu tun zu haben, muss der zuständige Haftrichter offenbar Geständnis und Indizien in dem Fall ganz anders interpretiert haben. Er hatte am Freitag jedenfalls keinen Grund gesehen, den Tatverdächtigen in Haft zu nehmen. Der 56-Jährige konnte wieder nach Hause gehen, obwohl er zuvor gestanden hatte, für das Gift in der Capri-Sonne verantwortlich zu sein und damit auch für die lebensgefährliche Erkrankung seiner 56 Jahre alten Frau.

Am Montag ließ sich das Amtsgericht erstmals zu den Gründen der Entscheidung ein. "Die bisherigen Ermittlungsergebnisse sind aus Sicht des Richters für den Vorwurf des versuchten Mordes nicht ausreichend", sagte Gerichtssprecher Karl-Heinz Rogoll. Anders als die Staatsanwaltschaft gehe der Richter bisher nicht davon aus, dass der Mann seine Frau umbringen wollte. Es handele sich nach aktuellem Stand der Erkenntnisse eher um eine gefährliche Körperverletzung. Ein Tatvorwurf, für den es nicht zu rechtfertigen sei, den Verdächtigen zu verhaften.

Die Staatsanwaltschaft war am Freitagabend von der Entscheidung des Haftrichters kalt erwischt worden. "Das hatten wir anders erwartet", sagte Behördensprecher Frank Passade. Gestern wurde nach seiner Darstellung geprüft, ob die Staatsanwaltschaft zunächst akzeptiert, dass der Tatverdächtige auf freiem Fuß bleiben kann oder ob dagegen Rechtsmittel eingelegt werden. Bei einem Einspruch müsste das Landgericht darüber befinden, was mit dem Mann geschehen soll und welche Einschätzung der Ermittlungsergebnisse letztlich den Ausschlag gibt.

Wird die Staatsanwaltschaft sich dem Gericht also ergeben und damit zwangsläufig ihre Position räumen, dem Tatverdächtigen versuchten Mord vorwerfen zu können? Ist sie in dem Vergiftungsfall übers Ziel hinausgeschossen und revidiert ihre Haltung? Oder bleibt sie bei der Schwere ihrer Anschuldigung?

Weder das eine noch das andere, lautet das Ergebnis. "Wir haben eine Woche Zeit, und die wollen wir nutzen", sagte Passade. Zunächst sollten weitere Ermittlungen unternommen werden. Von deren Ergebnis sei abhängig, ob gegen die Entscheidung des Haftrichters Einspruch erhoben wird. Ein Aufschub also, und alles noch offen.

Ob versuchter Mord oder gefährliche Körperverletzung – völlig unklar ist weiterhin, warum der Mann mehrere Beutel des Fruchtsaftgetränks manipuliert und den Inhalt mit Gift versetzt hat. Auch er selbst hatte vor knapp drei Wochen von dem Saft getrunken und war mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zwei Tage später erkrankte seine Frau.

Während der Mann nach einer Woche wieder aus der Klinik entlassen werden konnte, musste die Frau ins künstliche Koma versetzt werden. Mittlerweile ist sie nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wieder ansprechbar.

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