Überraschende Personalie in Baubehörde

Bremer Staatsrat wechselt nach Hessen

Das war ein kurzes Gastspiel: Nur anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt verlässt Bremens Baustaatsrat Jens Deutschendorf die Hansestadt und wird Staatsekretär in Hessen.
14.01.2019, 09:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Hinrichs und Jürgen Theiner
Bremer Staatsrat wechselt nach Hessen

Baustaatsrat Jens Deutschendorf verlässt Bremen.

Frank Thomas Koch

Baustaatsrat Jens Deutschendorf verlässt Bremen und wird Staatssekretär in der neuen hessischen Landesregierung. Damit endet Deutschendorfs Zeit in Bremen nach nur anderthalb Jahren als kurzes Gastspiel.

Er war mit großer Skepsis empfangen worden: „Bei dem zu Hause liegen die Misthaufen noch vor der Haustür, und der soll jetzt unsere schöne Stadt planen“, schimpfte ein Spitzenpolitiker der SPD, als vor anderthalb Jahren bekannt wurde, dass Jens Deutschendorf (Grüne) Staatsrat im Senatsressort für Bau, Umwelt und Verkehr wird.

Der Diplom-Ingenieur war bis zu seinem Engagement in Bremen stellvertretender Landrat im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg und dort als Dezernent für Bau, Verkehr, Umwelt, Landwirtschaft, Tourismus und Gesundheit zuständig.

Jemand vom Land also, der zwar Stadtplanung studiert hat, damit aber noch keine Erfahrungen sammeln konnte. „Natürlich sind es große Unterschiede zwischen meiner früheren Aufgabe und dieser jetzt in Bremen“, hatte Deutschendorf am Tag seines Amtsantritts freimütig eingestanden.

Ein Karrieresprung

Nun, so kurze Zeit danach, verabschiedet er sich schon wieder. Ein Karrieresprung: Der Grünen-Politiker, 41 Jahre alt, wird Staatssekretär in Hessen, wie der WESER-KURIER aus sicherer Quelle erfahren hat.

Deutschendorf wird der neuen Landesregierung aus CDU und Grünen angehören, die am Freitag im Landtag in Wiesbaden gewählt werden soll. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der auch für Verkehr und Landesentwicklung zuständig sein wird, nimmt den Diplom-Ingenieur in seinen Stab auf. Deutschendorf ist gebürtiger Hesse, er kehrt mit Frau und zwei Kindern also in seine Heimat zurück. Bei den Grünen dort gilt er als bestens vernetzt.

In Bremen hatte der scheidende Staatsrat sein Amt am 1. August 2017 als Nachfolger von Gabriele Fridrich angetreten, die damals in den Ruhestand gegangen war. Bis zur Bürgerschaftswahl am 26. Mai und der anschließenden Bildung eines neuen Senats wird der zweite Staatsrat im Bau-, Umwelt- und Verkehrsressort, Ronny Meyer, Deutschendorfs Aufgaben übernehmen.

Lohse: Exzellenter Fachmann

Senator Joachim Lohse bedauert den Abschied seines Staatsrats: „Er ist ein exzellenter Fachmann, der in Bremen wichtige Projekte an den Start gebracht hat“, so Lohse gegenüber dem WESER-KURIER. Als Beispiele nannte er die Planreife der beiden letzten Bauabschnitte der Stadtautobahn A 281, den Bebauungsplan für das Hulsberg-Quartier auf dem Gelände des Klinikums-Mitte und das Fahrradmodellquartier in der Neustadt. „Herr Deutschendorf hat großes Engagement bewiesen, es ist schade, dass er geht, gleichzeitig gratuliere ich ihm zu dem tollen Angebot aus Hessen.“

Die SPD, Koalitionspartner der Grünen im Senat, kommentieren die Personalie zurückhaltender: „Das war ein kurzes Gastspiel“, sagt Fraktionssprecher Matthias Koch. Es sei zwar nachvollziehbar, dass es Deutschendorf zurück in dessen Heimat ziehe, „in Bremen hinterlässt er aber eine Menge Baustellen“.

Ähnlich äußert sich die CDU. „Natürlich haben wir Verständnis dafür, wenn sich jemand beruflich verbessern will, zumal die Situation nach der Wahl am 26. Mai sehr unübersichtlich werden dürfte“, erklärt der Abgeordnete und CDU-Landesgeschäftsführer Heiko Strohmann. Deutschendorf sei in Bremen allerdings nie so richtig angekommen. Wenn man berücksichtige, dass Senator Lohse seinen Rückzug angekündigt hat, einer der beiden Staatsräte jetzt ausscheidet, und der zweite auch so schon genug zu tun hat, präsentiere sich das Bau- und Verkehrsressort in einer erschreckenden Verfassung.

Strohmann befürchtet Rückschritte

„Die Behörde ist führungslos“, so Strohmann. Der Abgeordnete befürchtet Rückschritte auf wichtigen Themenfeldern, zu denen er die Entwicklung der Innenstadt und der Verkehrsinfrastruktur zählt. Die Grünen sind naturgemäß gelassener, es ist ja ihr Mann, der die Entscheidung getroffen hat, Bremen nach anderthalb Jahren gleich wieder zu verlassen. „So ein Wechsel ist ein bekanntes Phänomen, wenn eine Legislaturperiode zu Ende geht“, sagt Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen in der Bürgerschaft. Dagegen sei kein Kraut gewachsen. „Für Jens Deutschendorf ist es sicherlich eine große Ehre, von den Hessen gefragt zu werden, in die Regierung einzutreten. Wir wünschen ihm viel Glück“, so der Abgeordnete. Dass Ronny Meyer als zweiter Staatsrat zur Stelle sei, um die Aufgaben bei Bau und Verkehr zu übernehmen, sei ein Glück in dieser Situation. „Wir haben deshalb die Hoffnung, dass Bremen keinen Schaden nimmt.“

++ Dieser Artikel wurde um 18.32 Uhr aktualisiert ++

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