Bremer Stiftung bietet finanzielle Hilfen

„Sonst hätte ich mit Eislaufen aufgehört“

Wenn wirtschaftlich benachteiligten Familien in Bremen das Geld fehlt, um ihren Kindern Musik oder Sport zu ermöglichen, kann die „Starke Kinder - Gertrude und Hannelore Klier Stiftung“ finanziell helfen.
24.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Sonst hätte ich mit Eislaufen aufgehört“
Von Ulrike Troue

Was Sport und Musik für Kinder bedeuten können, wird jedem bewusst, der schon einmal ein summendes Kind mit Gitarrentasche auf dem Rücken oder einen Teenager mit roten Wangen in Trainingskluft voller Energie nach Hause radeln gesehen hat. Doch das gilt längst nicht für alle bewegungsfreudigen oder musikalischen Kinder. Denn viele können ihrem Interesse nicht nachgehen oder ihr Talent weiterentwickeln, denn in wirtschaftlich schwächeren Familien reicht oft das Geld nicht für Hobbys.

Für diese Kinder wurde die „Starke Kinder – Gertude und Hannelore Klier Stiftung“ ins Leben gerufen. „Wir wollen, dass einzelne Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus bedürftigen Familien Musik und Sport treiben und somit dabei sein können“, beschreibt Hannelore Klier ihren Ansatz. Vor acht Jahren haben die heute 70-Jährige und ihre inzwischen verstorbene Mutter Gertrude die private Stiftung gegründet, um Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Verhältnissen sinnvolle Freizeitaktivitäten zu ermöglichen, indem sie deren Familien finanziell unterstützen.

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„Wir bezahlen zum Beispiel Ausrüstung wie Fußballschuhe oder auch Ballettschuhe“, nennt Klier Beispiele. Es könnten auch Noten sein. „Und wir wollen sie so stärken, dass sie in ihrer Freizeit Erfolge haben, die hoffentlich auch auf den schulischen Bereich ausstrahlen.“ Ein zweiter Schwerpunkt liegt nach Auskunft der Osterholzerin auf dem Instrumentalunterricht. Die Stiftung fördert die Instrumentenmiete oder Übungsstunden. Pro Kind gebe es einen festgelegten Zuschuss pro Jahr, sagt Hannelore Klier. Im Ausnahmefall auch über das 18. Lebensjahr hinaus.

Das trifft zum Beispiel auf Ekaterina Kondiliabrova zu. Die 19-jährige Blockdiekerin stand zum ersten Mal mit fünfeinhalb Jahren auf Schlittschuhen. Das ehrgeizige Eiskunstlauftalent von 1860 Bremen hat über mehrere Jahre die Bremer Landesmeisterschaften gewonnen und ist bei den Deutschen Meisterschaften im Eiskunstlauf gestartet. „Wenn die Stiftung nicht gewesen wäre, hätte ich mit Eislaufen aufgehört, weil ich meinen Eltern das nicht weiter zugemutet hätte“, sagt Ekaterina mit Blick auf die Kosten. Sie hätten viele Jahre versucht, ihr den Sport zu ermöglichen, aber auf Dauer das Geld dafür nicht aufbringen können. „Ich musste oft Training auslassen und konnte weniger Wettbewerbe besuchen, bei denen ich meine Kür hätte laufen können“, erzählt die junge Sportlerin.

Stiftung als Glücksfall

Als Glücksfall stuft Ekaterina daher die Unterstützung durch die Stiftung „Starke Kinder“ ein. Ihre Mutter habe von einer Freundin davon erfahren, berichtet die 19-Jährige. Seit zwei Jahren unterstützt die „Starke Kinder – Gertrude und Hannelore Klier Stiftung“ die Eiskunstläuferin.

„Sie hat mir mit Equipment geholfen, meine Schlittschuhe finanziert und Trainingsstunden mit bezahlt, denn in meiner Klasse ist dafür vom Verein eine Zeit lang extra eine Leistungstrainerin aus Krefeld engagiert worden“, erzählt Ekaterina, die aufgrund der coronabedingten Schließung des „Paradice“ momentan nur „trocken“ trainieren kann. Ein neues mit Pailletten veredeltes Kleid für die Wettbewerbe benötige sie zum Glück für diese Saison nicht, fügt die Blockdiekerin hinzu. „Ich bin nicht gewachsen, in das alte Kleid passe ich noch rein.“

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Das Antragsverfahren für die Förderung ist nach ihrer Ansicht unkompliziert und schnell abgehakt: Sie und ihre aus Russland stammenden Eltern mussten zum persönlichen Gespräch einige Unterlagen zur finanziellen Situation mitbringen, zudem sie sollte ihre Ziele formulieren. „Das war überhaupt kein Aufwand für das, was wir bekommen haben“, betont die 19-Jährige dankbar.

Allein in den vergangenen zwei Jahren hat die „Starke Kinder – Gertrude und Hannelore Klier Stiftung“ Kinder und Jugendliche in den Bereichen Streicher-, Klavier-, Posaunen- und Schlagzeugunterricht, Eiskunstlauf, Karate, Reiten und Zirkuskunst unterstützt. Zu ihren Kooperationspartnern gehören unter anderem Hood Training, Arco Osterholz oder das Zirkusviertel. Zwei Jahre lang hätten sie und ihre inzwischen verstorbene Mutter Gertrud darum gerungen, wofür sie ihr Erbe sinnvoll einsetzen wollten, blickt Hannelore Klier zurück, die weder Geschwister noch Kinder hat.

Kein Unterschied bei Sportart oder Instrument

Sie hätten ein genügsames Leben geführt, sagt Hannelore Klier. Es sei absehbar gewesen, dass am Ende noch genügend Geld übrig sein würde, um Kinder und Jugendliche zu begünstigen. Denn ihre Eltern Edwin und Gertrud hätten rund um die Uhr in ihrem Bäckerei- und Konditoreibetrieb mit kleinem Café in Hastedt gearbeitet und gar keine Zeit zum Ausgeben gehabt.

Durch die Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets in Bremen seien sie und ihre Mutter auf die vielen bedürftigen Familien in der Stadt aufmerksam geworden. Die Zeitungsberichte über enttäuschte Familien, die beklagt hätten, dass selbst diese Mittel nicht ausreichen würden, sei der Ausschlag für die Ausrichtung der „Starke Kinder“-Stiftung gewesen, erzählt die 70-jährige Osterholzerin, die seit dem Tod ihrer Mutter 2014 die Stiftung gemeinsam mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern führt.

„Wir machen keinen Unterschied bei Sportart oder Instrument, wo ein Kind Sport treibt oder Musik macht und woher es kommt“, versichert sie. Auch aus Niedersachsen gibt es Anträge. „Jeder Antrag ist berechtigt“, sagt Hannelore Klier und ermutigt zur persönlichen Kontaktaufnahme, per E-Mail an kontakt@starke-kinder-bremen.de oder unter Telefonnummer 0421/67 32 56 79. „Auch über weitere Spender und Freiwillige würden wir uns freuen“, so die Stifterin. Das Motto laute: Jede Hilfe ist willkommen.

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Weitere Informationen

Mehr über die Stiftung steht im Internet unter der Adresse www.starke-kinder-bremen.de. Dort ist auch ein Förderantrag zu finden.

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