Interview mit einer Studentin

„Mir hat der Kontakt zu den Dozenten sehr gefehlt“

Wohnzimmer statt Bibliothek: Studentin Marie-Sophie Springer erzählt über ihr Uni-Leben im Home-Office und überforderte Dozenten.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Mir hat der Kontakt zu den Dozenten sehr gefehlt“
Von Lisa Urlbauer
„Mir hat der Kontakt zu den Dozenten sehr gefehlt“

Auch das kommende Wintersemester wird wegen der Corona-Pandemie nicht normal verlaufen.

Christina Kuhaupt
Frau Springer, wie haben Sie das vergangene Semester unter Corona-Bedingungen empfunden?

Marie-Sophie Springer : Die Corona-Pandemie kam doch sehr überraschend. Ich hatte nicht auf dem Schirm, wie sehr das die Uni beeinflussen würde. Mein sechstes Bachelor-Semester war komplett digital. Mir hat der Kontakt zu den Dozenten sehr gefehlt.

Hatte das digitale Semester auch Vorteile für Sie?

Ich musste noch einige General-Studies-Kurse belegen. Die haben auch online stattgefunden und das habe ich als sehr positiv empfunden. Ich bin eher introvertiert und fand es deswegen besser, Präsentationen nur über Zoom halten zu müssen. Die Voraussetzung ist aber, dass die Dozenten auch das technische Verständnis dafür haben.

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Wie lief die Betreuung Ihrer Bachelorarbeit?

Unser Begleitseminar konnte auch nicht wie geplant stattfinden und wurde in einen Chatroom verlegt. Mit meinem Betreuer habe ich über E-Mail Kontakt gehalten und manchmal auf meine Nachfrage auch telefoniert. Videokonferenzen konnten wir nicht machen. Das hat das Schreiben meiner Bachelorarbeit schon etwas erschwert.

Studentin Marie-Sophie Springer.

Studentin Marie-Sophie Springer.

Foto: Privat
Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Den Umständen entsprechend ist meine Note vollkommen okay, ich bin zufrieden damit. Ich habe den Gesamtdurchschnitt bekommen, den ich erreichen wollte.

Wie war es für Sie, nicht mit Ihren Kommilitonen auf dem Campus zu sein?

Gerade während des Schreibprozesses ist die Bibliothek normalerweise ein wichtiger Ort für mich. Dort kann man sich gut zurückziehen. So war ich aber nur in der Bibliothek, um Literatur zu besorgen, und habe sonst von Zuhause gearbeitet. Wenn man nicht alleine wohnt, ist das schon schwierig. Zu meinen Kommilitonen konnte ich über WhatsApp Kontakt halten, aber gerade während des letzten Semesters wäre es gut gewesen, persönlichen Kontakt zu haben.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie nun an Ihr erstes Master-Semester?

Das neue Semester soll in einer hybriden Form stattfinden, also einer Mischung von Präsenzveranstaltungen und Online-Kursen. Das hört sich erst mal ganz gut an, aber es kommt darauf an, wie die Lehrenden es umsetzen. Es ist gut, dass die Digitalisierung nun an jeden herangetragen wird, aber Online-Kurse sind kein Ersatz für Präsenzveranstaltungen.

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Was wünschen Sie sich von der Universität und den Dozenten?

Ich hoffe, dass das neue Semester besser organisiert ist und sich die Dozenten auf die digitale Lehre vorbereitet haben. Vorm letzten Semester kannte ich Zoom auch nicht, aber es wäre wichtig, wenn sich die Dozenten da reinfuchsen. Sie waren oft überfordert. Oder mussten Veranstaltungen verschieben, weil zum Beispiel die WLAN-Verbindung zu schlecht war. Außerdem sollten die Online-Seminare nicht zu groß sein: Mit 30 oder 40 Leuten kann es keinen Austausch geben, das ist dann nur Frontalunterricht.

Das Gespräch führte Lisa Urlbauer

Info

Zur Person

Marie-Sophie Springer studiert an der Uni Bremen. Vergangenes Semester hat die 22-Jährige ihren Bachelor in Germanistik und Kommunikationswissenschaft gemacht und beginnt nun einen Master.

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